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24 h Nürburgring

24h Nürburgring 2020: BMW schlägt Audi, Regen-Drama um Mercedes

BMW feiert seinen 20. Gesamtsieg beim verkürzten 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2020. Rowe gewinnt knapp vor Car-Collection-Audi und Schnitzer.
von Robert Seiwert & Tobias Ebner
24h Nürburgring 2020: Rennen als Zusammenfassung mit Highlights: (06:36 Min.)

Das BMW-Team Rowe Racing hat das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2020 gewonnen. In einem von Regenschauern geprägten Rennen überquerte der #99 BMW M6 GT3 von Schlussfahrer Nicky Catsburg, Alex Sims und Nick Yelloly die Ziellinie nach 85 Runden als Erster.

Der Niederländer Catsburg: "Unglaublich! Wir mussten lange mit BMW warten, jetzt haben wir es geschafft. Der Schlüssel war, auf der Strecke zu bleiben. Wir haben keine Fehler gemacht, so gewinnt man das Rennen. Ich hab' mir in die Hosen gemacht, weil mir das Team immer wieder gesagt hat, wie schnell der Audi ist!"

Mit einem Rückstand von nur 15 Sekunden belegte der #3 Audi R8 LMS GT3 von Car Collection (Mirko Bortolotti, Christopher Haase, Markus Winkelhock) den zweiten Platz. "Die Strategie hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht", beschrieb Car-Collection-Schlussfahrer Haase das Rennen mit Blick auf eine späte Rückkehr des Regens. "Wir dachten, dass die Strecke trocken genug ist für Slicks, aber dann ist der Regen gewandert. Das hat uns wohl den Sieg gekostet."

Das BMW-Team Schnitzer (Augusto Farfus, Jens Klingmann, Martin Tomczyk, Sheldon van Der Linde) profitierte von einem späten Schaden der Vorjahressieger um Phoenix Racing und komplettierte das Podium bei der 48. Auflage des Langstrecken-Klassikers. Der ehemalige DTM-Pilot Farfus: "Wir hatten nicht die Pace des Schwesterautos auf abtrockender Strecke, die haben auch keinen Fehler gemacht. Drei BMW in den Top-4 sind ein Top-Ergebnis."

20. BMW-Sieg - 14 Stunden Renndauer

Für Nürburgring-Rekordsieger BMW war es 20. Gesamtsieg und der erste seit dem letzten Schnitzer-Erfolg im Jahr 2010. Aufgrund der Gesundheitsvorgaben erlebten nur 8.500 Zuschauer das 24-Stunden-Rennen vor Ort. Das wegen der Pandemie auf Ende September verlegte 24h-Rennen war das zweitkürzeste in seiner seit 1970 bestehenden Geschichte.

Wegen starker Regenfälle musste das Eifel-Rennen am Samstagabend um 22:30 Uhr abgebrochen und konnte erst am folgenden Sonntagmorgen um 08:00 Uhr wieder aufgenommen werden. Daraus ergab sich eine reine Renndistanz von rund 14 Stunden.

Zu jeder Zeit herrschte große Spannung auf der legendären Nordschleife. Die Führung im Feld der 97 Rennwagen wechselte insgesamt 17 Mal. Der siegreiche Rowe-BMW übernahm erstmals am Sonntagmittag eineinhalb Stunden vor dem Zieleinlauf die Führung.

"Was für ein fantastischer Jubiläumserfolg", sagte BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt. "50 Jahre nach dem ersten Gesamtsieg für BMW bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring schließt sich nun mit dem 20. Triumph ein Kreis. Herzlichen Glückwunsch an die gesamte Mannschaft von ROWE Racing sowie an die Fahrer Nick Catsburg, Alexander Sims und Nick Yelloly."

BMW und Audi bestimmen das Geschehen

BMW und Audi bestimmten das Geschehen nach dem Re-Start am Sonntagmorgen deutlich. Mit den beiden Autos von Rowe - der #98-M6 (Wittmann, Blomqvist, Eng) wurde Vierter - sowie dem Schnitzer-BMW belegten drei Autos aus München die vorderen vier Positionen.

Audi komplettierte die Top-5 mit dem R8 LMS von Phoenix Racing (Müller, Vanthoor, Vervisch, Stippler) auf Platz fünf, während der bestplatzierte Porsche 911 GT3-R von Frikadelli (Kern, Jaminet, Martin, Arnold) nicht über den sechsten Rang hinauskam.

Pleite für Mercedes-Teams

Unglücklich verlief das Rennen für die Mercedes-Teams. Der frühere DTM-Pilot Maro Engel erzielte seine dritte Pole Position beim 24-Stunden-Rennen und führte das Feld für das HRT-Team (Christodoulou, Engel, Stolz, Metzger) eine ganze Weile an.

Ein Unfall am Abend auf regennasser Piste von Teamkollege Manuel Metzger machte die Sieghoffnungen zunichte. Als Raffaele Marciello, der im GetSpeed-Mercedes die Führung geerbt hatte, nur 60 Minuten später selbst crashte, war das Unglück für den Autobauer aus Stuttgart perfekt.

Als bester Mercedes überquerte der AMG-GT3 von HRT AutoArena (Assenheimer, Baumann, Müller, Engel) die Ziellinie auf dem achten Gesamtplatz.

24h Nürburgring 2020 - Endstand nach 24 Stunden:

P Auto Fahrer Distanz
1. BMW #99 Sims / Catsburg / Yelloly 85 Runden
2. Audi #3 Bortolotti / Haase / Winkelhock +15.452
3. BMW #42 Farfus / Klingmann / Tomczyk / S. Van Der Linde +1:45.562
4. BMW #98 Wittmann / Blomqvist / Eng +1:51.072
5. Audi #1 N. Müller / Vanthoor / Vervisch / Stippler +3:00.766
6. Porsche #31 Kern / Jaminet / Martin / Arnold +4:45.290
7. Audi #29 Drudi / Mies / Rast / K. Van Der Linde +4:56.197
8. Mercedes-AMG #6 Assenheimer / Baumann / D. Müller / Engel +8:30.321
9. Mercedes-AMG #2 Haupt / Buurman / Bastian / Ellis +1 Runde
10. Porsche #44 Bachler / S. Müller / Dumbreck / Ragginger +1 Runde

24h Nürburgring 2020: Das Rennen in der Chronologie

Zu Beginn bestimmten die beiden Mercedes #9 (Schiller / Götz / Buhk / Marciello) und #4 (Christodoulou / Engel / Stolz / Metzger) das Geschehen. Raffaele Marciello brachte mit einer famosen Regen-Leistung die #9 noch in der Startrunde in Führung. Diese musste man erst nach gut vier Stunden an die #4 abtreten. Manuel Metzger behauptete danach ein Polster von einer Minute, ehe Regen einsetzte und er nach knapp fünf Stunden im Bereich Schwalbenschwanz verunfallte.

Bittere Ironie: In der siebten Stunde des Rennens war es dann Marciello selbst, der im Nassen die Führung mit einem Unfall im Bereich Adenauer Forst wegwarf. Danach hatte Audi eine Dreifachführung inne. Schon vor Marciellos Crash brachten sich die R8 #1 (N. Müller / Vanthoor / Vervisch / Stippler), #29 (Drudi / Mies / Rast / K. Van Der Linde) und #3 (Bortolotti / Haase / Winkelhock) in Lauerstellung, um von einem Fehler profitieren zu können.

Der Regen wurde jedoch stärker und die Strecke immer nasser. Die logische Folge: Unterbrechung gegen 22:30 Uhr nach gut sieben Stunden. Erst nach einer Pause von neuneinhalb Stunden konnte das Rennen um 08:00 Uhr am Sonntagmorgen hinter dem Safety Car fortgesetzt werden. Nach dem Restart übernahmen die Audi #29 und #3 zunächst das Kommando, jedoch musste die #29 noch eine Zeitstrafe absitzen. Danach hatte die #3 ein kleines Sicherheitspolster von 50 Sekunden.

Ausruhen konnte man sich aber nicht, denn zu Beginn des letzten Rennviertels wurde BMW auf abtrocknender Strecke immer stärker. Der Schnitzer-BMW mit der Startnummer #42 (Farfus / Klingmann / Tomczyk / S. Van Der Linde) mit Sheldon Van Der Linde am Steuer fuhr mit die stärksten Zeiten, auch die #99 von Rowe Racing (Sims / Catsburg / Yelloly / Eng) machte sich in Person von Alexander Sims auf die Jagd. Doch die #42 wurde gut viereinhalb Stunden vor Schluss durch eine Zeitstrafe zurückgeworfen.

Damit kristallisierte sich zunächst ein Zweikampf um die Führung zwischen dem Car-Collection-Audi #3 und dem Rowe-BMW #99 heraus, die auch noch auf der gleichen Strategie unterwegs waren. Stundenlang umrundeten die beiden Autos die Nürburgring-Nordschleife fast im Parallelflug. Ein Geheimtipp war trotz Strafe auch der Audi #1, der außerhalb des Strategie-Fensters der Spitze fuhr und so immer wieder einmal vorne lag.

Zwei Stunden vor Schluss wirbelte der Regen nochmal vieles durcheinander. Während der Audi #1 und der BMW #99 sofort reagierten und zum Stopp kamen, blieb der Audi #3 mit Christopher Haase eine Runde länger draußen - und verlor dadurch mehr als eine Minute. So übernahm der BMW #99 eineinhalb Stunden vor Schluss die Führung und hatte nun seinerseits einen Vorsprung von fast 50 Sekunden. Doch der schmolz langsam, aber sicher wieder, denn Haase gab nach dem Reifenwechsel Gas. Eine Stunde vor dem Zieleinlauf betrug der Abstand rund 16 Sekunden.

40 Minuten vor dem Rennende verabschiedete sich der #5 Phoenix-Audi aus dem Kampf ums Podium. Youngster Dries Vanthoor erlitt nach einem Einschlag einen Reifenschaden und musste zurück an die Boxengasse humpeln. Die BMW von Schnitzer mit Farfus und der #98 Rowe-BMW mit Wittmann am Steuer übernahmen die Plätze drei und vier.

Catsburg im #99 Rowe-BMW blieb in Führung nach dem letzten Boxenstopp von Car-Collection-Pilot Haase, der mit rund 16 Sekunden Rückstand auf die Strecke für den Schlusssprint zurückkehrte. An der Reihenfolge änderte sich bis zum Zieleinlauf nichts mehr.


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