24 h Nürburgring

24h Nürburgring 2019: Phoenix-Audi siegt nach Schluss-Drama

Phoenix-Audi feiert Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife. Sekunden-Duell gegen Porsche nach deftiger Zeitstrafe.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Das Audi Sport Team Phoenix hat das dramatische 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife gewonnen. Der 21-jährige Dries Vanthoor führte den Audi R8 LMS nach 156 Runden zum Gesamtsieg bei der 47. Ausgabe des Langstrecken-Klassikers.

Mit dem jungen Belgier feierten seine Teamkollegen Pierre Kaffer, Frank Stippler und Frederic Vervisch den fünften Gesamtsieg für Phoenix Racing. "Das war der schwerste Stint meines Lebens", atmete Dries Vanthoor kurz nach dem Zieleinlauf auf. "Es war schwer, ruhig zu bleiben und dabei schnell zu fahren - und keinen Fehler zu machen."

Manthey-Racing (Earl Bamber/Michael Christensen/Kevin Estre/Laurens Vanthoor) mit dem #911 Porsche und das #3 Mercedes-AMG Team Black Falcon (Maxi Buhk/Hubert Haupt/Thomas Jäger/Luca Stolz) komplettierten das Podium auf der berühmtesten Rennstrecke der Welt, das am Wochenende 230.000 Zuschauer vor Ort besuchten.

Kevin Estre im zweitplatzierten Grello-Porsche von Manthey hatte bis zum Schluss nur etwa 40 Sekunden Rückstand auf den Sieger-Audi. Dabei sah der #911 Manthey-Porsche über weite Strecken wie der sichere Sieger aus. Doch eine heftige Zeitstrafe am Sonntagmittag wenige Stunden vor dem Rennende warf den 911er um mehr als fünf Minuten zurück.

"Die Strafe tut weh", sagte Estre. "Wir haben alles gegeben und im Auto war es ein paar Mal mehr als knapp. Der zweite Platz ist auch gut. Wenn du aber ein Auto für den Sieg hast, ist das immer bitter."

Für Audi war es nach 2012, 2014, 2015 und 2017 der fünfte Gesamtsieg in der Geschichte des 24-Stunden-Rennens, das genau eine Woche nach dem 24h-Rennen in Le Mans über die Bühne ging.

"Dass ich in meinem vorgerückten Alter noch mal das Rennen gewinnen würde, war nicht zu erwarten", sagte Stippler nach seinem zweiten Gesamtsieg nach 2012. "Dries hat einen so tollen Job gemacht!" Teamkollege Kaffer sagte: "Unglaublich! Das hätten wir nie gedacht. Das ist ganz toll für die ganze Audi-Mannschaft und Phoenix Racing, wir haben so sehr zusammengestanden."

Das Audi Sport Team Car Collection (Winkelhock/Haase/Fässler/Rast), Manthey-Racing (Klohs/Kern/Olsen/Cairoli) und GetSpeed Performance (Vettel/Ellis/Ludwig/Szymkowiak) fuhren auf die Plätze vier bis sechs, Falken Motorsport (Dumbreck/Dusseldorp/Imperatori/Klingmann) und die Scuderia Cameron Glickenhaus (Mutsch/Fernandez-Laser/Mailleux/Simonsen) komplettierten die Top-8.

24h Nürburgring: Sieben Führungswechsel

Im Verlauf der 24 Stunden wechselte die Führung sieben Mal. Pole-Setter Mercedes-AMG Team Black Falcon mit dem Gespann Adam Christodoulou/Maro Engel/Manuel Metzger/Dirk Müller führte das Rennen in den ersten fünf Stunden größtenteils an.

Zur sechsten Rennstunde gab es den ersten längerfristigen Führungswechsel. Kevin Estre im #911 Manthey Racing Porsche 911 GT3 R ging am #2 Mercedes-AMG GT3 auf der Döttinger Höhe vorbei. Bis zum Ende der siebten Rennstunde nach 46 Runden hatte das Manthey Team einen Vorsprung von einer knappen halben Minute herausgefahren.

Black Falcon im Pech

Der #911 Porsche behauptete die Spitze rein in die üblicherweise knifflige Nachtphase und baute seinen Vorsprung auf knapp drei Minuten aus. Dahinter Drama: Der lange Zeit führende #2 Mercedes kollidierte mit einem überrundeten Auto. Der Schaden in Folge des Unfalls war so groß, dass Black Falcon den Mercedes aus dem Rennen nehmen musste.

In der Nacht blieb es am Nürburgring auffällig ruhig auf der Rennstrecke. Größere Dramen blieben aus, stattdessen behauptete der Manthey-911er seine Spitzenposition. Zwischenzeitlich mischte der Fan-Liebling, der #705 Scuderia Glickenhaus SCG 003C mit Thomas Mutsch/Felipe Fernandez-Laser/Franck Mailleux/Andreas Simonsen, an der Spitze mit, bevor der Exot durch einen Auffahrunfall wieder an Boden verlor.

Heftige Strafe für Manthey-Porsche

Nach einer tadellosen Leistung und insgesamt 105 Führungsrunden sah der Manthey-Porsche #911 bis zum Ende der 21. Rennstunde bereits wie der sichere Sieger aus. Dann wurde die Erfolgstruppe aus der Eifel eiskalt erwischt: Nach langen Verhandlungen kassierte der 911er um 12:30 Uhr zur Mittagszeit eine Zeitstrafe von 5:32 Minuten.

Grund: Laurens Vanthoor am Steuer wurde zweieinhalb Stunden vor der Strafvergabe in einem Bereich mit doppelt geschwenkten, gelben Flaggen mit 172 km/h statt der erlaubten 120 km/h geblitzt - dafür kassierte das Team die laut Reglement höchstmögliche Zeitstrafe und verlor konsequent die Führung an den #4 Phoenix-Audi.

Siegfavoriten fliegen raus

Dass der #911 Porsche trotz der Strafe seine Siegchancen wahrte, lag auch am wenig später folgenden Unglück der direkten Konkurrenz. Um 13:00 Uhr am Sonntagmittag verunfallte der #6 Mercedes-AMG GT3 von Black Falcon (Patrick Assenheimer/Nico Bastian/Yelmer Buurman/Gabriele Piana) mit Bastian am Steuer im Bereich Wippermann - ohne Fremdkontakt das vorzeitige Aus für den Sieganwärter.

Nur wenige Minuten später erwischte es mit dem #29 Audi R8 LMS von Land-Motorsport einen weiteren Siegaspiranten. Der Rennwagen des top besetzten Quartetts Rene Rast, Christopher Mies, Kelvin van der Linde und Christopher Haase zog sich einen kapitalen Reifenschaden zu, der obendrein große Teile des Fahrzeughecks zerstörte.

Dadurch rückte der #911 Manthey-Porsche automatisch auf den zweiten Platz vor und nahm nach der absolvierten Zeitstrafe die Verfolgung zum führenden Audi #4 auf. In der Schlussphase des Rennens trennten nur rund 30 Sekunden das Führungsduo, während der #14 R8 des Audi Sport Team Car Collection (Markus Winkelhock/Christopher Haase/Marcel Fässler/Rene Rast) mit etwa vier Minuten Rückstand den dritten Platz belegte.


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