Den Mechanikern des Mercedes-AMG-Kundenteams Iron Lynx stand in Le Mans eine lange Nacht auf Donnerstag bevor. Der italienische Rennstall, der seine WEC-Debütsaison mit dem Mercedes-AMG GT3 bestreitet, musste das Auto mit der Startnummer #63 größtenteils neu aufbauen. Stephen Grove, der 58-jährige Bronze-Fahrer des Teams, war im 1. Freien Training am Mittwoch schwer verunfallt und musste im Anschluss im Medical Center durchgecheckt werden.

Der Australier teilt sich bei den 24 Stunden von Le Mans den #63 AMG-GT3 mit seinem 28-jährigen Sohn Brenton sowie AMG-Werksfahrer Luca Stolz. Die gute Nachricht: Die #63 kann weiterfahren, nachdem das Auto das Qualifying am Mittwochabend auslassen musste. Das Fahrzeug hat ein Austausch-Chassis von einem der ELMS-Autos bekommen, das Iron Lynx nach Le Mans mitgebracht hatte.

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Mercedes-Unfall in Le Mans: Längsträger gerissen

"Das Chassis war vor Ort nicht reparabel", erklärte Mercedes-AMG-Kundensportleiter Stefan Wendl gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Beim Einschlag in die Betonmauer sind die beiden vorderen Längsträger rausgerissen. Der Schaden lässt sich reparieren, aber nicht hier an der Strecke. Deshalb blieb uns nichts anderes übrig, als das Chassis über Nacht zu wechseln."

70 bis 80 Prozent des verunfallten Autos seien noch nutzbar gewesen, schätzte Wendl, weil beim Crash 'nur' die Frontpartie etwas abbekommen hatte. Amateur-Fahrer Grove war im Training auf seiner ersten schnellen Runde abgeflogen, vermutlich wegen noch nicht aufgewärmter Reifen, und vor der Dunlop-Schikane eingeschlagen. In diesem Bereich erreichen GT3-Autos bis zu 220 km/h - entsprechend zerstört war die Front des silbernen #63 Mercedes. Der Motor des Autos wurde nicht ausgetauscht.

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Abgeschleppt! Der AMG-Mercedes hängt am Haken, Foto: IMAGO/PsnewZ

Kein Sprit im Tank: Mercedes rollt im Qualifying aus

Nicht nur die Fahrer des #63 Mercedes hatten sich den Mittwoch sicherlich ganz anders vorgestellt, auch beim Schwesterauto mit der Startnummer #60 (Gilbert, Rueda, Hanafin) lief einiges schief. Während des Qualifyings am Abend rollte Bronze-Fahrer Andrew Gilbert plötzlich auf der Strecke aus und sorgte für eine zwischenzeitliche Unterbrechung mit roten Flaggen. Ein Defekt am Fahrzeug?

"Das Auto hatte kein Problem, aber die Tankanlage", klärte Wendl auf. "Vor dem Qualifying darf man nicht draußen in der Boxengasse tanken, sondern innerhalb der Garage an einer Tankbox. An der Tankbox lag ein Defekt vor. Es floss leider nicht die Spritmenge in den Tank, die angezeigt wurde. Das Auto ist dann ohne Sprit ausgerollt, was sehr ärgerlich war."

Das passt zum Gesamtbild der Iron-Lynx-Mannschaft, die über den Winter nach einem Zerwürfnis mit Lamborghini zu Mercedes-AMG gewechselt ist. In der WEC haben die beiden Mercedes-AMG GT3 des Teams noch keinen einzigen WM-Punkt erzielt. Einziger Lichtblick in Le Mans: Das #61 Auto (Martin, Berry, Hodenius) um AMG-Neuzugang Maxime Martin erreichte im Qualifying den Sprung in die heutige Hyperpole-Session (20:00-22:00 Uhr - Alle TV-Infos hier).

Mercedes bei den 24 Stunden von Le Mans
Erfolgreiche Vergangenheit trifft Gegenwart: Sauber-Mercedes C9 und Mercedes-AMG GT3, Foto: IMAGO/PsnewZ

Le Mans: Mercedes-AMG GT3 trifft Sauber-Mercedes C9

"Die Kritik nehmen wir an", räumte Wendl offen ein. "Mit der Leistung in der WEC sind wir bisher nicht zufrieden. Ich möchte das Team Iron Lynx aber in Schutz nehmen. Die arbeiten absolut professionell. Ich stehe voll und ganz hinter dem Team. Aber es sind einige Hausaufgaben zu erledigen, die uns schon vor dem Beginn der Saison bewusst waren. Wir sind froh, dass wir Iron Lynx haben, die sowohl das sportliche Umfeld (der WEC) als auch die sportlichen Regularien kennen."

In der langen Woche von Le Mans war Iron-Lynx-Mercedes bisher wenig erfolgreich, dafür aber sehr auffällig unterwegs: Die drei Mercedes-AMG GT3 sollen mit ihrer speziellen Silberpfeil-Lackierung an den erfolgreichen Sauber-Mercedes C9, Gesamtsieger des Jahres 1989, erinnern. Mercedes kehrte damals nach langer Abwesenheit zurück nach Le Mans und gewann den Klassiker zusammen mit dem Schweizer Rennstall Sauber und den Fahrern Manuel Reuter, dem vor Kurzem verstorbenen Jochen Mass sowie Stanley Dickens.