Die Weltmeister sind da! Ferrari hat an diesem Mittwoch sein Aufgebot für die WEC-Saison 2026 präsentiert. Die Italiener enthüllten am Abend im 'Museo Enzo Ferrari' in Modena unter den Augen von Ferrari CEO Benedetto Vigna ihre beiden 499P-Prototypen, die im vergangenen Jahr die Hersteller- und Fahrer-WM gewannen.
Optisch hat sich ein wenig was getan. Der Ferrari erstrahlt weiterhin im roten 'Rosso Scuderia', komplettiert durch Streifen im bekannten 'Giallo Modena'. Anstelle der matten Folierung aus dem Vorjahr rückt ein glänzenderes Finish den Ferrari ins Scheinwerferlicht. Die Farben sollen jetzt identisch sein zu denen des Formel-1-Autos der Scuderia. Die Anordnung der gelben Streifen verläuft rund ums Cockpit - die blumig formulierten Gründe dafür aus der PR-Abteilung ersparen wir euch an dieser Stelle.
Gegen den Trend: Ferrari verzichtet auf Joker in WEC-Saison 2026
Viel interessanter ist schließlich, was sich unter der Folierung getan an. Oder auch nicht getan hat, denn Ferrari geht mit einem größtenteils technisch unveränderten Stand an den Start. Die Italiener haben sich im Gegensatz zu den meisten anderen Herstellern gegen den Einsatz eines oder mehrerer Joker entschieden. "Keine großen technischen Änderungen", bestätigte Ferrari am Rande der Präsentation. Stattdessen habe man sich in der Winterpause auf Datenanalyse und die Korrelation zwischen Simulator und Strecke fokussiert.
Auch der V6-Twinturbo-Motor mit dem selbstentwickelten Hybridantrieb an der Vorderachse bleibt unverändert. Dabei hätten sich zumindest umfangreiche Aero-Änderungen über den Winter durchaus angeboten, denn durch den Wegfall des Sauber/Audi-Windkanals stand eine Neuvermessung bei WindShear in North Carolina an. Ein Großteil der Hersteller entschied sich deshalb für Updates im größeren Ausmaß. Toyota verpasste seinem Hypercar etwa einen deutlich aufgepeppten Look, BMW kommt mit neuer Frontpartie und Cadillac mit stark verändertem Heckflügel.

Ferrari-Technikchef: "Änderungen begrenzt - Einfluss erheblich"
Ferrari hat ebenfalls Anpassungen vorgenommen, laut eigenen Angaben aber ohne dafür einen Joker verwenden zu müssen. "Das Ziel für 2026 ist es, die Führung zu verteidigen", sagte Ferraris Sportwagenchef Antonello Coletta. "Das wird nicht einfach, denn unsere Rivalen werden zunehmend wettbewerbsfähiger und viele von ihnen setzen aktualisierte Fahrzeuge ein. Wir haben einen anderen Ansatz gewählt, da wir überzeugt sind, dass der 499P weiterhin konkurrenzfähig genug ist, um auf höchstem Niveau zu kämpfen."
Ferrari-Technikchef Ferdinando Cannizzo ging noch etwas mehr ins Detail: "Der Weltverband hat beschlossen, alle Fahrzeuge in einem neuen Windkanal in den USA neu zu vermessen. Das führte zu einer Neueinstufung des 499P innerhalb des Performance-Fensters, das nun vollständig verstanden und über Anpassungen am Setup berücksichtigt werden muss. Infolgedessen verfügen wir über ein überarbeitetes Aerodynamikpaket. Obwohl die Änderungen im Umfang begrenzt sind, haben sie einen erheblichen Einfluss auf das Fahrverhalten des Autos."
Die Ferrari-Ingenieure hätten sich bei der Entwicklungsarbeit vor allem auf den Unterboden des Fahrzeuges fokussiert, um die im Reglement definierten Zielwerte für Luftwiderstand und Abtrieb zu erreichen. Cannizzo weiter: "Das neue Fenster erforderte eine Neukalibrierung des aerodynamischen Mappings. Dadurch müssen wir nun die Balance wiederfinden, die den 499P stets ausgezeichnet hat."

Ferrari tappt bei Reifen noch im Dunkeln - Vorteil für Konkurrenz?
Zudem hat Reifenhersteller Michelin für 2026 neue Slick-Mischungen im Gepäck. Während Hersteller, die neben der WEC auch in der IMSA engagiert sind, die Reifen in Daytona bereits unter Rennbedingungen kennenlernen konnten, tappt Ferrari teilweise noch im Dunkeln. "Bisher hatten wir noch nicht die Möglichkeit, alle Mischungen vollständig zu testen, da wir uns hauptsächlich auf die Medium-Mischung konzentriert haben", erklärte Cannizzo. "Zwar hat sich das Aufwärmverhalten der Reifen verbessert, doch die Auswirkungen auf die Gesamtbalance des Autos sind noch nicht vollständig verstanden."
Angesichts dieser Unabwägbarkeiten herrscht in den Cockpits der Scuderia weiterhin Kontinuität. Wieder am Steuer: Die amtierenden Fahrer-Weltmeister Antonio Giovinazzi, Alessandro Pier Guidi und James Caladoi im #51 LMH-Hypercar sowie Antonio Fuoco/Miguel Molina/Nicklas Nielsen im Schwesterauto mit der Startnummer #50. Ferrari ist der einzige Hypercar-Hersteller, der seit 2023 mit den gleichen Fahrern antritt - die Scuderia ist zu einer eingeschworenen Truppe im Kampf gegen den Rest zusammengewachsen.
"Wir sind stolz darauf, viele italienische Fahrer und Teammitglieder zu haben", betonte Signore Coletta schon letztes Jahr. "Ich höre oft, dass wir in Italien nicht alle notwendigen Kompetenzen hätten und stattdessen Techniker aus Großbritannien einstellen sollten. Vielleicht verfügen wir nicht über alle Fähigkeiten, aber wir sind in jedem Fall absolut in der Lage, zu gewinnen."
Dass der Ferrari 499P das mit Abstand erfolgreichste Auto der Hypercar-Ära ist, dürfte inzwischen auch beim letzten Motorsport-Fan angekommen sein. Drei aufeinanderfolgende Siege bei den 24 Stunden von Le Mans, zuletzt durch den gelben 'Privat-Ferrari' von AF Corse rund um Superstar Robert Kubica, dazu der Gewinn sämtlicher WM-Titel im vergangenen Jahr - die Scuderia war die unangefochtene Macht auf der Langstrecke.

Antonio Giovinazzi: Titelverteidigung wird nicht einfach
"2025 war ein fantastisches Jahr und ich habe mir einen Traum erfüllt, den ich seit meiner Kindheit habe: mit Ferrari Weltmeister zu werden", sagte der frühere Formel-1-Fahrer Antonio Giovinazzi. "Wir gehen als amtierende Weltmeister in die Saison 2026, aber das zu wiederholen, was wir im vergangenen Jahr erreicht haben, wird nicht einfach. Wir wissen, dass all unsere Rivalen entschlossen sind, uns zu schlagen."
In Vorbereitung auf die neue Saison führte Ferrari am Mittwochmorgen in Fiorano - erstmals unter den Augen von Journalisten, darunter Motorsport-Magazin.com - einen Shakedown mit dem #50 Auto durch. Nielsen saß am Steuer und spulte das per Reglement erlaubte Kontingent ohne sehenswerte Schwierigkeiten ab. Am Dienstag fuhren bereits die #51 und der gelbe AF-Corse-Ferrari ihre Vorbereitungsrunden auf der Kultstrecke nahe Modena.
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