Ferrari hat die WEC-Saison 2025 auf ganzer Linie dominiert: Beim Saisonfinale in Bahrain räumten die Italiener den Gewinn der Hersteller- und Fahrer-Weltmeisterschaft ab und fügten ihrem Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans weitere Pokale hinzu. Porsche hatte sich kurz vor dem bevorstehenden Werksausstieg aus der Langstrecken-WM ebenfalls Hoffnungen auf die Meisterschaft ausgerechnet, ging im 8-Stunden-Rennen aber völlig chancenlos unter.
Toyota sicherte sich unterdessen den Sieg im achten und letzten Lauf des Jahres - es war der erste für die Japaner nach einer schwierigen Saison. Nyck de Vries, Kamui Kobayashi und Mike Conway setzten sich im #7 Toyota GR010 Hybrid durch und führten die wahnsinnige Bahrain-Siegesserie fort: Toyota hat seit 2017 alle WEC-Rennen auf dem Bahrain International Circuit gewonnen. Brendon Hartley, Ryo Hirakawa und Sebastien Buemi im #8 Toyota sowie der #50 Ferrari (Antonio Fuoco, Miguel Molina, Nicklas Nielsen) komplettierten das Podest beim von zwei Safety-Car-Phasen unterbrochenen Rennen.
Riesenjubel bei Ferrari nach dem Hersteller-Triumph und dem Fahrer-Titel durch Antonio Giovinazzi, Alessandro Pier Guidi sowie James Calado (Platz vier im Rennen) - pure Ernüchterung und Trauer über den WEC-Ausstieg auf der Gegenseite bei Porsche. Die beiden Porsche 963 kamen nicht über die Plätze 13 (Kevin Estre, Laurens Vanthoor, Matt Campbell) und 14 (Julien Andlauer, Mathieu Jaminet und WEC-Debütant Laurin Heinrich) hinaus. In der WM-Tabelle setzte sich Ferrari am Ende deutlich gegen die Zuffenhausener durch. "Das ist einer der besten Tage meines Lebens nach dem Sieg in Le Mans (2023)", jubelte der neue Weltmeister Giovinazzi. "Ich habe immer davon geträumt, mit Ferrari einen WM-Titel zu gewinnen."
WEC-Tabelle 2025 nach 8/8 Rennen (Hersteller-Wertung)
| Pos. | Hersteller | Punkte |
|---|---|---|
| 1 | Ferrari | 245 |
| 2 | Toyota | 171 |
| 3 | Porsche | 165 |
| 4 | Cadillac | 158 |
| 5 | BMW | 87 |
| 6 | Alpine | 86 |
| 7 | Peugeot | 84 |
| 8 | Aston Martin | 24 |
Doppelsieg für Toyota beim WEC-Saisonfinale
Eine durch BMW-Pilot Dries Vanthoor (loses Rad) ausgelöste Safety-Car-Phase 50 Minuten vor Schluss führte das Feld noch einmal zusammen und sorgte für eine gewisse Würze zum finalen Stint. Der Führende Nyck de Vries im #7 Toyota setzte sich beim Re-Start allerdings schnell von seinem Markenkollegen Sebastien Buemi im #8 Schwesterauto ab und überquerte die Ziellinie nach 237 Runden als Erster.
Die #8 Crew hatte zum Rennbeginn auf eine alternative Reifen-Strategie gesetzt und Slicks für den Schluss-Stint gespart, wurde später aber durch eine Durchfahrtstrafe (Speeding unter Gelb) zurückgeworfen.
Robert Kubica scheitert mit später Titel-Attacke auf Ferrari
Ferrari-Power hoch drei hinter den beiden Toyota: Nicklas Nielsen ergatterte im #50 Ferrari den dritten Platz auf dem Podium, dahinter folgten der Markenkollege und frischgebackene Weltmeister Alessandro Pier Guidi (#51 Ferrari) und Le-Mans-Sieger Robert Kubica mit seinem #83 AF-Corse-Ferrari auf den Positionen vier und fünf. Kubica, der sich als Privatfahrer ohnehin nicht allzu sehr um Ferrari-Werksstrategien kümmert, griff in der Schlussphase Nielsen an, konnte sich aber nicht durchsetzen. In der letzten Runde ließ Ferrari dann noch die #51 und #50 die Positionen tauschen, um die ersten drei Plätze in der Fahrer-Wertung zu sichern.
Kubica und seine AF-Corse-Teamkollegen Yifei Ye sowie Phil Hanson hatten allen Grund für 'Kommando Attacke': Das Trio des gelben Ferrari schielte in Bahrain auf den Gewinn der Fahrer-Weltmeisterschaft, musste sich nun aber knapp geschlagen geben. Kubica und Co. schließen die Saison als Le-Mans-Gesamtsieger, Vize-Weltmeister und Privatier-Champions ab.
Der bestplatzierte LMDh-Prototyp landete in Form des #12 Cadillac V-Series.R (Stevens, Lynn, Nato) auf dem sechsten Platz. Der überraschend starke V12-Valkyrie von WEC-Neueinsteiger Aston Martin (Riberas, Sorensen, De Angelis) und der BMW mit der Startnummer #20 (S. van der Linde, Rast, Frijns) komplettierten die Top-8.
Verabschiedet sich Mick Schumacher aus der WEC zu den IndyCars?
Für Mick Schumacher und Alpine gab es im womöglich vorerst letzten WEC-Rennen des 26-Jährigen nichts Zählbares zu holen. Schumacher und seine Teamkollegen Jules Gounon sowie Fred Makowiecki fuhren an einem insgesamt schwierigen Wochenende auf den zwölften Platz. Das Schwesterauto um den Österreicher Ferdinand Habsburg belegte P11.
Schumacher liebäugelt nach einem erfolgreichen IndyCar-Test mit einem Wechsel in die US-amerikanische Formelserie. In seinen zwei WEC-Jahren errang er insgesamt drei Podestplätze, zwei davon dieses Jahr. "Es ist noch alles offen, die nächsten Wochen werden entscheidend sein", sagte Schumacher mit Blick auf seine Zukunft in Bahrain zu Motorsport-Magazin.com.
Sicher beschlossen ist unterdessen der Abschied von Jenson Button: Der Formel-1-Weltmeister von 2009 hat das Ende seiner Profi-Karriere angekündigt. Seinen letzten Einsatz im #38 Cadillac hatte sich der Brite sicherlich anders ausgemalt: Button bugsierte zur Rennmitte einen GT3-Ferrari in die Streckenbegrenzung und kassierte als Verursacher der Kollision eine 30-Sekunden-Boxenstopp-Strafe. Schöne Geste des US-Autobauers: Button durfte für den letzten Stint noch einmal hinters Steuer und den Cadillac auf Platz 16 ins Ziel fahren.
LMGT3-Klasse: Manthey-Porsche gelingt Titelverteidigung
Grund zum Jubel hatte Porsche zumindest in der LGT3-Klasse: Manthey ist die erfolgreiche Titelverteidigung in der Fahrer- und Team-Meisterschaft gelungen. Dem Trio des #92 Porsche 911 GT3 R - der Österreicher Richard Lietz, Ryan Hardwick und Ricardo Pera - reichte in Bahrain der vierte Platz für den Titelgewinn. Die Truppe um Porsche-Veteran Lietz hatte das Rennen vom 17. und damit vorletzten Startplatz aufgenommen, profitierte aber einmal mehr von einer perfekten Strategie.
Manthey bleibt eine Macht in der WEC: Der Rennstall aus Meuspath verteidigte nicht nur die Titel aus dem Vorjahr, sondern feierte auch den zweiten aufeinanderfolgenden Klassensieg bei den 24 Stunden von Le Mans - eine perfekte Ausbeute in der zwei Jahre alten LMGT3-Klasse für das Team um Geschäftsführer Nicolas Raeder. Manthey plant trotz Porsches Hypercar-Ausstieg, sein Engagement in der WEC 2026 fortzusetzen.
Der Sieg im abschließenden Rennen ging an den #87 Lexus RC-F GT3 um den Österreicher Clemens Schmid. Der #78 Schwester-Lexus, den das deutsche Nachwuchstalent Finn Gehrsitz im Qualifying zur Pole Position geführt hatte, fiel früh wegen eines technischen Problems aus.



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