Die WEC hat bedeutende sportliche und technische Regeländerungen für die Saison 2026 beschlossen, die Auswirkungen auf die Wettbewerbsstruktur und die Technik der Fahrzeuge haben werden. Motorsport-Magazin.com nennt die wichtigsten Neuerungen.

Porsche-Beben! Ausstieg aus WEC & Le Mans: Was sind die Gründe? (08:31 Min.)

1. - Erfolgsgewicht für WEC-Hypercars

Zur kommenden Saison wird Erfolgsballast in der Topklasse der Hypercars eingeführt, in der Hoffnung, dass nicht eine einzelne Marke davonfahren kann - so wie dieses Jahr Ferrari, das die ersten vier Saisonrennen einschließlich der 24 Stunden von Le Mans gewann. Der Erfolgsballast soll die Balance of Performance allerdings nicht ersetzen, sondern sie zusätzlich ergänzen.

Bedeutet faktisch: Inzwischen haben auch die Verantwortlichen der WEC, also ACO und FIA, eingesehen, dass das aktuelle BoP-Konzept alleine nicht funktioniert. Nur beim Highlight in Le Mans sollen die Prototypen keinen Erfolgsballast bekommen. Auch die BoP für Le Mans wird seit einer Weile unabhängig von den vorangegangenen Saisonrennen erstellt.

Wie genau der Erfolgsballast berechnet wird, steht im Detail noch nicht fest. Das will die WEC erst kurz vor dem Beginn der nächsten Saison bekanntgeben, also vor dem Prolog in Katar (offizielle Testfahrten). Möglich sind laut Reglement Anpassungen beim Gewicht und bei der Motorleistung. Der jeweilige Erfolgsballast soll danach vor jedem Rennen zusammen mit der BoP-Tabelle veröffentlicht werden.

Erfolgsgewichte in der aktuellen WEC-Ära gibt es schon: In der LMGT3-Klasse erhalten die GT3-Fahrzeuge zusätzliches Gewicht bzw. weniger Leistung anhand der Ergebnisse aus den vorangegangenen beiden Rennen sowie dem aktuellen Stand in der Meisterschaft. Ein Beispiel: Hat ein Auto die letzten zwei WEC-Rennen (Le Mans zählt nicht dazu) gewonnen, bekommt es 0,48 Prozent mehr Gewicht/weniger Leistung auf die Rundenzeit (je 0,24 Prozent pro Rennsieg). Führt es die Meisterschaft zudem an, kommen weitere 0,24 Prozent Performance-Verlust pro Runde obendrauf.

Bei den Hypercars verließ sich die WEC ab 2021 hingegen zunächst auf die Balance of Performance. Einen Erfolgsballast gab es allerdings zuvor in der Saison 2019/20, als Toyota ausschließlich gegen Privatiers antrat. Damals wurde der Erfolgsballast anhand des Meisterschaftsstandes und der Länge der nächsten Rennstrecke errechnet. Die konstante Einbremsung der dominanten Toyota führte schließlich zu einem historischen Sieg des privaten Rebellion-LMP1-Teams 2019 in Shanghai.

2. - Zusätzliche Technik-Joker möglich

Eine Änderung des Technischen Reglements erlaubt es den WEC-Verantwortlichen in Zukunft, zusätzliche Joker an die Hersteller zu verteilen. Im Falle eines "deutlichen Performance-Nachteils" steht es dem Serien-Betreiber frei, eine zusätzliche technische Weiterentwicklung zu erlauben respektive die Joker-Anzahl zu verringern.

Dazu muss man wissen: Jeder Hersteller darf zwischen Januar 2021 und Dezember 2027 maximal fünf Joker nutzen, um sein Hypercar technisch nachzubessern, etwa bei der Aerodynamik oder bei den Aufhängungen. Von Januar 2028 bis Dezember 2029 gibt es zwei weitere Joker. Die Hersteller müssen mit dem ACO, der FIA sowie der IMSA verhandeln, wie viele Joker für ein Update eingesetzt werden.

Es ist öffentlich nicht bekannt, wie viele Joker die Hersteller bisher genutzt haben. Angeblich soll Peugeot in Folge seines Evo-Autos bereits alle fünf Joker aufgebraucht haben. Laut Gerüchten planen die Franzosen eine weitere Neukonstruktion, was dank der Änderung nun auch per Reglement erlaubt wäre.

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Peugeot soll angeblich ein neues Hypercar entwickeln, Foto: IMAGO/PsnewZ

3. - Nur noch Hypercars mit Hybrid in Zukunft

Ebenfalls neu im Technischen Reglement: Ab 2026 ist für neue Hypercars die Verwendung eines ERS (Energie-Rückgewinnungs-System) im Antriebsstrang verpflichtend. Die LMDh-Autos nach IMSA-Vorbild nutzen derzeit ein einheitliches Hybridsystem aus dem Hause Bosch, während die Hersteller von WEC-LMH-Autos (Le Mans Hypercars) einen eigenen Hybridantrieb entwickelt haben.

Einzige Ausnahme: Neueinsteiger Aston Martin, das bei seinem Valkyrie komplett auf Hybrid verzichtet und stattdessen auf reine Sauger-Power aus dem V12-Motor setzt. Nach der Regeländerung bleibt der Aston Martin also auch in Zukunft das einzige Hypercar ohne hybriden Anteil im Motor. Die baldigen Neueinsteiger - Genesis ab 2026 und Ford sowie McLaren ab 2027 - setzen ohnehin auf das LMDh-Reglement mit Einheits-Hybrid.

4. - Keine Positionswechsel mehr in der Boxengasse

Eine weitere Regeländerung betrifft die Sicherheit in der Boxengasse. Ab sofort ist es den Fahrern verboten, die Boxengasse für Überholmanöver zu nutzen oder an einer anderen Stelle als dem zugewiesenen Boxenplatz anzuhalten. Die sogenannte 'Blending Lane' - auch Beschleunigungs- und Verzögerungs-Linie genannt - darf ausschließlich genutzt werden, um zum Boxenplatz abzubiegen bzw. auf die Fast Lane zurückzukehren.

Klingt etwas kryptisch, hat aber einen konkreten Anlass: Beim diesjährigen Rennen in Spa-Francorchamps ließen Ferrari und BMW ihre Autos während einer Safety-Car-Phase in der Boxengasse die Plätze tauschen, damit sie ihre Boxenplätze besser anfahren konnten. Die Crews kamen mit einer Verwarnung davon, obwohl die Sportkommissare nach einer Untersuchung einen "Missbrauch der Boxengasse" festgestellt hatten. Zu dieser Zeit war im Reglement nicht im Detail festgelegt, was in der Pit Lane erlaubt ist.

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Ferrari sorgte in Spa für Boxengassen-Aufruhr, Foto: IMAGO/ABACAPRESS

5. - Mehr Reifen für die LMGT3-Autos

Die Fahrer der LMGT3-Kategorie müssen ab 2026 weniger mit ihren vorhandenen Slick-Reifen haushalten und bekommen größere Kontingente. Für Rennen mit 6 und 8 Stunden Dauer erhält jedes GT3-Team künftig sechs zusätzliche Slick-Reifen (24 statt 18 bei 6h-Rennen und 32 statt 26 bei 8h-Rennen) und für ein 10-Stunden-Rennen wie Katar 8 zusätzliche Slicks (40 statt 32).

Die Änderung bezieht sich ausschließlich auf die Slick-Reifen des Exklusivlieferanten Goodyear - Regenreifen waren schon immer unlimitiert verfügbar. Das Vorheizen der Reifen bleibt weiterhin verboten.