Auftakt zum dritten Rennwochenende der WEC-Saison 2025 in Spa-Francorchamps: Am sonnigen, aber windigen Donnerstagvormittag nahmen die 36 Fahrzeuge (je 18 Prototypen und GT3-Autos) das 1. Freie Training auf. Der Ausgang der 90-minütigen und durch zwei Full-Course-Yellow-Phasen unterbrochenen Session gestaltete sich wie im Vorfeld erwartet: deutlich schneller als zur gleichen Zeit im Vorjahr.

Ferrari-Pilot Antonio Fuoco brannte frühzeitig im Training die Bestzeit von 2:02.835 Minuten in den Asphalt - damit unterbot der Italiener im #50 Ferrari 499P (Fuoco, Molina, Nielsen) schon jetzt die Pole-Zeit aus dem Vorjahr (2:03.107). Robert Kubica (#83 AF-Corse-Ferrari) ordnete sich auf dem zweiten Platz in der Zeitenliste ein, mit einem Rückstand von 0,222 Sekunden. Damit legte der italienische Autobauer, der das vorangegangene WEC-Rennen in Imola gewonnen hatte, mit einer Doppelführung los.

Favorit Ferrari ließ April-Test in Spa aus

Der Grund für die schnelleren Rundenzeiten im Vergleich zum Vorjahr liegt im großflächig überarbeiteten Asphalt des 7,004 Kilometer langen Traditionskurses. Im vergangenen Jahr wurde die Strecke an mehreren Stellen (Blanchimont nach Eau Rouge, Kemmel nach Bruxelles und Campus nach Stavelot) erneuert, was zu einem höheren Gripniveau führt.

Ferrari-Doppelführung also, obwohl die Italiener einen Spa-Test Anfang April im Gegensatz zu BMW, Porsche, Aston Martin, Toyota und Peugeot ausgelassen hatten. "Von anderen Serien wussten wir mehr oder weniger, wie viel schneller die Strecke ist", sagte Ferrari-Werksfahrer Nicklas Nielsen am Donnerstagmorgen auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. "Spannender ist aber, wie sich die Reifen verhalten. Spa ist ein echter High-Energy-Kurs."

Ferrari zählt in Belgien erneut zu den Favoriten. Der Kurs mit seinen langen Geraden und schnellen Ecken liegt dem Konzept des 499P, wie Ferrari-Ingenieur Mauro Barbieri bestätigte: "In den schnellen und mittelschnellen Kurven haben wir einen Vorteil gegenüber unseren Hauptkonkurrenten." Ferrari befand sich 2024 in Spa auf bestem Wege zu einem Doppelsieg, bis eine lange Rot-Unterbrechung samt Rennverlängerung die Träume der Scuderia zerstörte.

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Mick Schumacher jagt Ferrari-Doppel

Schärfster Ferrari-Verfolger im Training, dessen Rundenzeiten stets mit Vorsicht zu genießen sind, war Alpine. Mick Schumacher führte den A424 mit der Startnummer #36 (Schumacher, Gounon, Makowiecki) spät in der Session auf den dritten Platz. Der frühere Formel-1-Pilot benötigte 2:03.094 Minuten für seinen besten Umlauf und wies 0,259 Sekunden Rückstand zu Spitzenreiter Fuoco auf. Schumacher und seine neuen Teamkollegen Jules Gounon sowie Fred Makowiecki hatten Alpine zuletzt in Imola das erste Podium in der laufenden Saison beschert.

Kleine Überraschung auf den Positionen vier und fünf: die beiden Peugeot 9X8, die sportlich dieses Jahr noch keine größere Rolle gespielt haben. Ex-F1-Fahrer Paul Di Resta bugsierte den LMH-Prototypen mit der #93 (Vergne, Jensen, Di Resta) knapp vor das #94 Schwesterauto (Vandoorne, Duval, Jakobsen), auf dem WEC-Rookie Malthe Jakobsen die schnellste Rundenzeit markierte.

Pascal Wehrlein gibt WEC-Debüt in Spa

Auf Platz sechs folgte der #15 BMW M Hybrid V8, den sich Raffaele Marciello an diesem Wochenende nur mit Kevin Magnussen teilt. Der pfeilschnelle Belgier Dries Vanthoor, eigentlich der dritte Fahrer im Bunde und üblicherweise fürs Qualifying vorgesehen, verpasst sein Heimrennen wegen einer Überschneidung mit dem IMSA-Rennen in Laguna Seca. Gleiches Spiel beim BMW-Schwesterauto, wo sich Rene Rast und Robin Frijns die Arbeit teilen, weil Sheldon van der Linde ebenfalls das IMSA-Programm priorisieren muss.

Der deutsche Konkurrent Porsche hat seine Fahrer-Lineups wegen der IMSA-Kollision ebenfalls umgebaut und nutzt Spa gleichzeitig als Härtetest für die 24 Stunden von Le Mans (14.-15. Juni 2025): Formel-E-Weltmeister Pascal Wehrlein debütiert in Belgien an der Seite der WEC-Champions Kevin Estre und Laurens Vanthoor. Auf dem Schwesterauto gesellt sich erstmals Nico Müller (Le-Mans-Ersatzfahrer) zu Michael Christensen und Julien Andlauer.

Der #6 Porsche 963 um WEC-Debütant Wehrlein war auf Platz zehn der bestplatzierte der drei Prototypen aus Zuffenhausen. Davor platzierten sich auf P7 bis 9 der #12 Cadillac V-Series.R des Vorjahres-Siegerteams Jota (Stevens, Lynn, Nato), der #51 Ferrari (Pier Guidi, Giovinazzi, Calado) sowie der #8 Toyota (Buemi, Hartley, Hirakawa). Das 2. Freie Training steigt heute von 16:30 bis 18:00 Uhr. Eine Live-Übertragung spart sich die WEC wie üblich.