WEC

Formel-1-Star Alonso sorgt für Termin-Chaos: WEC am Pranger

Die WEC hat für Formel-1-Pilot Fernando Alonso ihren Lauf in Fuji verschoben. Das sorgt für neue Terminkollisionen und bringt den Bossen mächtig Ärger ein.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die am Freitag durch die WEC bekanntgegebene Terminverschiebung des 2018er 6h-Rennens von Fuji auf den 14. Oktober zugunsten besserer Publicity um Neo-Zugpferd Fernando Alonso sorgt für anhaltend heftige Reaktionen aus der Motorsport-Welt.

Nicht nur einzelne Fahrer laufen Sturm gegen die Entscheidung und können nicht nachvollziehen, warum nur wegen eines einzelnen Piloten ein völliges Terminchaos ausbrechen muss. Terminchaos? Was ist gemeint?

Nur Fernando Alonso profitiert

Kein Problem für Fernando Alonso jedenfalls. Der McLaren-Pilot in der Formel 1 und neue Toyota-Star in der WEC kann durch die Vorverlegung des Laufs in Fuji nun auch am Langstrecken-Rennen in Japan teilnehmen, muss dort nicht länger wegen einer Terminkollision mit dem USA GP der Formel 1 in Austin passen.

Denn das war die Bedingung McLarens gewesen: Anders als 2017, als Alonso den Monaco GP der Formel 1 zugunsten der Indy500 ausgelassen hatte, muss sich der Spanier 2018 auf die F1 konzentrieren, darf - auch wegen besserer Aussichten mit den neuen Renault-Motoren - kein Rennen mehr auslassen. Durch die Entscheidung der WEC-Bosse ist nun dennoch das komplette Doppel-Programm möglich: Alonso kann auch die gesamte Super Season der WEC bestreiten.

WEC erntet Kritik von eigenen Fahrern und IMSA-Stars

Was Alonso entgegen kommt, geht anderen Piloten der WEC aber gehörig gegen den Strich - und wirft ihre Terminplanungen über den Haufen. Denn jetzt kollidiert das verlegte Fuji-Rennen der WEC plötzlich mit dem Finale der IMSA, dem Petit Le Mans in Atlanta. Dort sind traditionell auch einige WEC-Piloten am Start.

Ich werde meinen Geburtstag gesetzlich ändern lassen, wenn Alonso dann zu der Party kommt.
Jordan Taylor

Entsprechend schimpften so einige über die Entscheidung. "Vielen Dank, WEC, ich kann nicht glauben, dass ihr das gemacht habt. Es ist unglaublich, wie ihr die Bedürfnisse jene Piloten ignoriert, die über einen Vertrag mit einem IMSA-Team verfügen, um am gleichen Wochenende in Road Atlanta zu fahren. Ich bin mir sicher, dass ich nicht der Einzige bin, der mit dieser Entscheidung nicht einverstanden ist", wettert etwa Olivier Pla via Twitter.

Mit dieser Einschätzung lag der Franzose goldrichtig. Auch ein deutscher Kollege sparte nicht mit Kritik. "Hey! Wäre es nicht für alle sehr viel leichter gewesen, wenn Fernando Alonso einfach ein Formel-1-Rennen verpasst hätte? Würde das viel für ihn ändern?", fragte André Lotterer in den Sozialen Netzwerken. US-Rennfahrer Jordan Taylor schluckte die Kröte ebenfalls - aber nur mit jeder Menge Galgenhumor. "Ich werde meinen Geburtstag gesetzlich ändern lassen, wenn Alonso dann zu der Party kommt", scherzte Taylor.

Formel 1, Le Mans & WEC: Volles Programm für Alonso: (01:09 Min.)

Kurios: Super GT wich Fuji-Termin aus - um jetzt doch zu kollidieren

Doch damit nicht genug. Noch eine weitere Rennserie wurde eiskalt erwischt: die japanische Super GT, in der mit Jenson Button diese Saison ebenfalls ein aus der Formel 1 bekannter Top-Star antreten wird. Die Organisatoren hatten ursprünglich ihren siebten Lauf verschoben, um einer Terminkollision mit den 6h von Fuji, also einer auch noch nationalen Konkurrenz, zu entgehen. Kurios: Durch die Fuji-Verschiebung ist nun jedoch ein neuer Clash entstanden.

Jenson Button verstand die Welt nicht mehr. Kritik vorrangig an seinem Ex-Teamkollegen aus der Formel 1 äußerte der Brite wie alle anderen Piloten zwar ebenfalls nicht, doch hinterfragte Button die Entscheider mehr als deutlich. "Es ist schade, dass ein Rennen für einen Fahrer verlegt wird wenn diese Veränderung so viele andere Fahrer trifft, die Verträge haben. Aber auch für andere Kategorien wie die IMSA und die Super GT, bei denen diese Terminkollision die Fans schmerzen wird", twitterte Button.

WEC-Bosse verteidigen sich: Alonso-Effekt voll ausnutzen

Die Flut der Kritik nötige letztlich die WEC-Bosse zu einer Reaktion. Diese fiel nicht als Einsicht samt Rolle rückwärts, sondern als Klarstellung und Verteidigung der Entscheidung aus. "Wenn du eine solche Entscheidung triffst, dann wird es immer welche geben, die damit zufrieden sind und welche, die unzufrieden sind. Wir wollten die Interessen der Serie wahren. Das musste wir zuallererst beachten ", so Gérard Neveu bei Autosport.

Wenn man schon einen solchen Star wie Alonso angelockt habe, müsse man diesen Effekt auch voll nutzen, so der WEC-Chef. "Wir können doch nicht einen Fahrer wie Alonso in einem Toyota bei uns mitkämpfen lassen und dann ohne ihn nach Japan gehen. Fernando will um die WM kämpfen, da darf er kein Rennen verpassen. Es war also ein logischer Schritt", sagte der Franzose.

Zudem habe man die IMSA über die geplante Änderung informiert und Verständnis erfahren. "Sie hatten Alonso in Daytona, also können sie gut einschätzen, welchen zusätzlichen Wert es bringt, einen solchen Fahrer im Paddock zu haben", berichtete Neveu. Jetzt sei es an der IMSA, selbst aktiv zu werden und den eigenen Termin anzupassen. Doch dazu ist es wegen diverser TV- und Werbeverträge und logistischen Erfordernissen bereits zu spät, so ein Sprecher.

Redaktionskommentar

Motorsport-Magazin.com meint: Eigentlich genügt hier als Kommentar ein einziges Wort: Armutszeugnis. Wenn es eine Rennserie für nötig hält, sich derart an einen einzigen Star zu klammern, dann hat sie es offenbar auch nötig. Und das sagt alles über ihre Konstitution -eine Verfassung, die alles andere als die beste ist verglichen mit den meisten anderen Kategorien und deren Aussichten, Plänen und Konzepten für die Zukunft, ob nun Formel 1, Formel E, MotoGP oder DTM. (Jonas Fehling)


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