WEC

BMW M8 GTE: Marquardt beklagt massiven Entwicklungsrückstand

BMW musste den M8 GTE für WEC und IMSA von Grund auf neu konzipieren. Folge: Großer Entwicklungsrückstand. Warum das so ist und was das für das Debüt heißt:
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Schon vor seinem Renn-Debüt bei den 24h von Daytona ist der BMW M8 GTE in massiven Entwicklungsrückstand geraten. Das hat Motorsport-Direktor Jens Marquardt nun im Gespräch mit 'Sportscar365' eingeräumt. Demnach habe man bei der Entwicklung des Rennfahrzeugs für die WEC, die IMSA und 24h von Le Mans rund ein halbes Jahr verloren.

BMW hatte einen Waiver, eine technische Sonderregelung, beantragt, um das Auto an den Fahrzeugseiten absenken zu können. Jedoch legte mindestens ein konkurrierender Hersteller sein Veto gegen diese Ausnahmeregelung ein. Die Folge: BMW musste das Konzept des M8 GTE noch einmal von Grund auf überarbeiten. Deshalb sammelte sich der immense Entwicklungsrückstand des BMW M8 GTE erst an.

Marquardt: Mussten BMW M8 von Grund auf neu konzipieren

"Der Zeitplan war schon von Anfang an eng gestrickt, und offensichtlich mussten wir in der anfänglichen Konzeptphase noch einmal unser Fahrzeug komplett überdenken. Das, von dem man gesagt hat es wäre Okay, war plötzlich nicht mehr Okay. So läuft es zwar manchmal, aber am Ende des Tages hat uns das vier bis fünf Monate an Entwicklungszeit gekostet", beklagt Marquardt den Lauf der Dinge.

Das ist der neue BMW M8 GTE für Le Mans: (00:40 Min.)

Uns war klar: Wenn wir eine neue Lösung finden, dann muss sie auch gleich beim ersten Versuch sitzen.
Jens Marquardt

Entsprechend verschob sich auch die Jungfernfahrt des M8 GTE. Geplant war der Rollout bereits für den Februar oder März 2017, erst im Juli konnte man die erste Ausfahrt auf dem Lausitzring realisieren. Dadurch erhöhte sich der Druck auf die BMW-Motorsport-Crew noch weiter. "Uns war klar: Wenn wir eine neue Lösung finden, dann muss sie auch gleich beim ersten Versuch sitzen. Wir hatten keine Zeit, um verschiedene Dinge auszuprobieren und Entwicklungen zu testen", fährt Marquardt fort.

Trotz dieses Rückstands konnte man bei BMW noch ein straffes Entwicklungsprogramm auf der Strecke durchziehen. Nach der ersten Testfahrt auf dem Lausitzring war man unter anderem auch in Budapest und für einen 24h-Test in Le Castellet unterwegs. In den USA konnte BMW mit seinem Einsatzteam RLL auch in Daytona, Sebring und Homestead testen.

Neue BoP-Einstufung für 24h Daytona gefordert

Hier fährt der neue BMW M8 GTE: (00:53 Min.)

Das Ergebnis des verkürzten Testplans: Bei den ersten gemeinsamen Testfahrten mit der direkten Konkurrenz in der vergangenen Woche in Daytona fehlten dem BMW M8 GTE 1,5 bis 2,5 Sekunden auf die Spitze. Um beim Saisonauftakt der IMSA-Serie nicht komplett chancenlos zu sein, fordert Motorsport-Direktor Marquardt daher eine neue BoP-Einstufung.

Es kommt wirklich darauf an, die richtige BoP-Einstufung zu kriegen. Die passt im Moment sicher noch nicht.
Jens Marquardt

"Natürlich haben wir noch nicht alles aus dem Fahrzeug herausgeholt, aber das schaffen wir in den nächsten drei Wochen auch nicht mehr. Es kommt wirklich darauf an, die richtige BoP-Einstufung zu kriegen. Die passt im Moment sicher noch nicht, aber mit dem was wir haben, haben wir unsere Simulationen und Vorhersagen bestätigt", so Marquardt. Ob eine Anpassung passieren wird und wie konkurrenzfähig man dann beim 24-Stunden-Rennen in Daytona sein wird, steht allerdings noch in den Sternen. Fakt ist: Die Neukonzipierung des M8 GTE hat BMW sicher nicht bei der Fahrzeugentwicklung geholfen.

BMW M8 GTE: Die wichtigsten Etappen

Die Basis-Version des BMW M8 dreht am Nürburgring im Mai 2017 seine ersten Runden - Foto: BMW

27. September 2016: BMW sorgt für einen Paukenschlag! Man gibt offiziell eine Neuausrichtung des Motorsport-Engagements bekannt. Im Klartext bedeutet das den Einstieg in die GTE-Klasse in der Langstrecken-Weltmeisterschaft FIA WEC, bei den 24 Stunden von Le Mans und in der US-amerikanischen Sportwagen-Serie IMSA, wo man zu diesem Zeitpunkt mit dem M6 GTLM unterwegs ist. Welches Fahrzeug die Basis bilden wird, steht noch nicht fest.

27. Mai 2017: Im Rahmen der 24h Nürburgring wird bekannt, auf welches Auto BMW beim Comeback in Le Mans setzen wird. Beim Eifelklassiker hat man als Basisfahrzeug den M8 präsentiert. Am Samstag vor dem großen Hauptrennen durfte das Fahrzeug dann in Erlkönig-Lackierung erste Runden über die Nordschleife drehen.

Juli 2017: Die GTE-Version des BMW M8 hat seine Jungfernfahrt auf der Strecke absolviert. Wie immer bei den Premierenfahrten ging es nicht vorrangig um die Performance des Fahrzeugs. Viel mehr standen Checks und die Evaluierung des Potenzials des M8 GTE auf dem Programm. Martin Tomczyk und Maxime Martin absolvierten den ersten Drei-Tages-Test auf dem Eurospeedway Lausitz.

12. September 2017: Jetzt wird es ernst. BMW stellt den M8 GTE der Weltöffentlichkeit offiziell vor. Als Rahmen dafür hat man sich die IAA, die internationale Automobilmesse in Frankfurt am Main, ausgesucht. Motorsport-Direktor Jens Marquardt und Martin Tomczyk waren vor Ort, um den neuen Rennwagen der Münchner zu enthüllen. Außerdem gab man erste technische Daten zum M8 GTE preis.

15. Dezember 2017: Beim Saisonabschluss von BMW werden die Piloten für die neue Saison bekannt gegeben. Martin Tomczyk, Antonio Felix da Costa, Nick Catsburg und Augusto Farfus bilden in der WEC das Stammfahrer-Quartett, in Le Mans werden sie von Tom Blomqvist, Alexander Sims und Philipp Eng unterstützt. In den USA setzt man auf Sims, Connor De Phillippi, Jesse Krohn und John Edwards. Bei den Langstrecken-Rennen der IMSA sitzen zusätzlich Bill Auberlen, Catsburg, Eng und Farfus im Auto.

Januar 2018: Beim Roar before the Rolex 24, den offiziellen Testfahrten für die 24 Stunden von Daytona, trifft BMW erstmals auf die direkte Konkurrenz in der GTLM-Klasse der IMSA. Schnell wird klar, dass auf die Spitze noch einiges an Boden fehlt. Letztlich pendelte sich der Rückstand auf die Spitze des M8 GTE bei rund 1,5 Sekunden ein.


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