WEC

Die zweite erste Saison - Saisonvorschau: Rebellion Racing

Rebellion Racing wollte eigentlich einen großen Schritt Richtung Werksteams machen. Stattdessen müssen die Schweizer ein zweites Mal von vorn anfangen.
von Heiko Stritzke

Motorsport-Magazin.com - Bart Hayden denkt langfristig. Und das ist gut so, denn ein Privatteam muss nachhaltig geführt werden. Bisweilen bringen langfristig angelegte Strategien aber kurzfristige, schmerzhafte Einbußen mit sich: Der R-One schien nach einem Jahr endlich ausgereift, da flatterte plötzlich die Nachricht von Toyota herein, dass der Support für die Kundenmotoren Ende 2015 auslaufen werde. Hayden dachte sofort zwei Schritte weiter. Statt 2016 in einer möglicherweise starken privaten LMP1-Meisterschaft wieder neu anzufangen, beißt Rebellion in den sauren Apfel und stellt schon 2015 auf den neuen Motor um.

Fans wird dieser Schritt das Herz bluten lassen: Der leidenschaftlich schreiende 3,4l-V8 von Toyota weicht nun dem zwar auch nicht gerade leisen, aber vergleichsweise doch wesentlich unspektakuläreren AER-Aggregat. Damit herrscht nun Parität mit ByKolles. Advanced Engine Research hatte schon 2014 großes Lob für den V6-Biturbo erhalten und Rebellion Racing wird nicht umsonst große Umbauten am R-One durch Oreca vornehmen lassen. Es wären einfachere Lösungen mit Saugmotoren möglich gewesen, doch Hayden wird seine Gründe gehabt haben.

Nicolas Prost, Nick Heidfeld und Mathias Beche sind die Titelverteidiger in der privaten LMP1-Kategorie - Foto: Andre Lemes

Mit ByKolles hat man nun die Rollen getauscht: Während die Rebellen 2014 sehnsüchtig auf die Konkurrenz warteten, ist nun Colin Kolles derjenige, der die Wiederkehr der überarbeiteten R-One herbeisehnen wird. Klar ist: Silverstone und Spa fallen ins Wasser, der R-One-AER wird frühestens beim Le-Mans-Test debütieren. Fahrerisch bleibt in der Startnummer 12 alles beim Alten: Nick Heidfeld, Mathias Beche und Nicolas Prost werden versuchen, ihren Titel unter erschwerten Umständen zu verteidigen. Im schlechtesten Fall müssen sie ein 50-Punkte-Defizit gegen ByKolles aufholen.

Neue Fahrer im zweiten Fahrzeug

Im zweiten Fahrzeug gibt es gleich zwei Neuverpflichtungen: Daniel Abt kehrt der GP2 nach einer wenig erfreulichen Zeit den Rücken und wird versuchen, wieder zu seiner GP3-Form zurück zu finden. Alexandre Imperatori stößt aus der LMP2 zu Rebellion Racing - er hatte in Diensten von KCMG nachhaltig Eindruck hinterlassen. Somit ist nun Dominik Kraihamer der erfahrene Mann in der Startnummer 13. Der Österreicher wird erstmals seine Erfahrung an Teamkollegen weitergeben müssen - eine neue Rolle für den 25-Jährigen.

Wie schnell wird das neue Paket mit AER standfest? - Foto: Andre Lemes

Es ist davon auszugehen, dass der AER-Motor die Performance des R-One nicht zum Schlechten verändern wird. Was ist also möglich? Angesichts der Einstufungen der LMP1 ohne Hybrid, die ihre Zugeständnisse vom Ende der Saison wieder aufgeben müssen, werden die Werksteams bis auf Nissan wohl außer Reichweite sein - außer, es werden ACO-eigene Anpassungen vorgenommen. Tendenziell profitiert Rebellion von Gewichtserleichterungen mehr als ByKolles, weil sie mehr ausladen können.

Das Debüt einer neuen Motor-Chassis-Kombination in Le Mans ist sicher nicht ideal, doch 2014 brachte Rebellion Racing es fertig, einen der brandneuen R-One ohne Probleme durchzubringen. Der vierte Platz im Gesamtklassement wurde gefeiert wie ein Sieg, schließlich hatte kaum jemand eine Zielankunft prognostiziert. Die Zuverlässigkeitsprobleme stellten sich erst bei den weiteren WEC-Rennen ein. Mit dem neuen Antrieb muss abermals Aufbauarbeit geleistet werden, wenn auch nur in einem Teilbereich des Fahrzeugs. Es wäre aber nicht überraschend, wenn die private LMP1-Wertung durch die Zuverlässigkeit und nicht durch den Speed entschieden wird.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter