Die Spatzen hatten es bereits beim letzten WM-Lauf der Superbike-Weltmeisterschaft am Balaton Park von den Dächern gezwitschert, nun erfolgte auch die offizielle Bestätigung. Danilo Petrucci wechselt zur WorldSBK-Saison 2026 zu BMW und tritt dort das schwere Erbe von Toprak Razgatlioglu an, der sich im kommenden Jahr bei Pramac-Yamaha in der MotoGP versuchen wird. 'Petrux' unterzeichnete einen Einjahresvertrag, das verkündete BMW am Freitagvormittag in einer Pressemitteilung.

"Wir freuen uns sehr, Danilo Petrucci 2026 in unserer BMW Motorrad Motorsport Familie begrüßen zu dürfen", meint Sven Blusch, Leiter der Motorradmotorsportabteilung des Herstellers aus München. "Wir sind überzeugt, dass wir unsere Erfolgsgeschichte in der WorldSBK mit Danilo weiterschreiben können. Danilo hat sich seinen Platz als Werksfahrer mehr als verdient, und wir sind überzeugt, dass er mit seiner Leidenschaft und seinem Können unser Team in die Zukunft führen wird. Seine beeindruckende Karriere in verschiedensten Kategorien des Motorsports ist ein Beweis für sein Talent und seine Fähigkeit, in den anspruchsvollsten Situationen zu glänzen."

Danilo Petrucci im hohen Rennfahreralter nochmal Werksfahrer

Petrucci schlug erst im Alter von 21 Jahren auf der WM-Bühne auf, kämpfte sich über die italienische Meisterschaft zur Saison 2012 mit dem Hinterbänkler Ioda Racing direkt in die MotoGP und bahnte sich mit starken Leistungen auf unterlegenem Material von dort unnachahmlich bis ins Ducati-Werksteam. Dort fuhr der Mann aus Terni insgesamt zwei Jahre neben Andrea Dovizioso, ehe sich die gemeinsamen Wege Ende 2020 wieder trennten. Zwei Grand-Prix-Siege und zehn Podien kann er vorweisen, nach Abstechern zur Rallye Dakar und in die MotoAmerica fährt 'Petrux' seit 2023 für Barni-Ducati in der Superbike-WM.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten - etwa begründet durch das eigene Körpergewicht - legte Petrucci in den letzten anderthalb Jahren eine starke Formkurve hin. 2024 wurde er WM-Fünfter und gewann in Cremona alle drei Rennen, in der laufenden Saison steht der Italiener mit sieben Podiumsbesuchen sogar auf WM-Drei. Mit inzwischen 34 Jahren bringt Petrucci also zweifellos genau die Erfahrung mit, die sich BMW vom Razgatlioglu-Nachfolger erhofft hatte.

Das Erbe von 'El Turco' anzutreten, wird für Petrucci aber wahrlich nicht einfach. Zwar gelangen BMW seit 2024 merkliche Fortschritte mit der M 1000 RR, doch abgesehen von Toprak Razgatlioglu konnte noch kein anderer Pilot dauerhaft vorne mitmischen. Michael van der Mark liegt in der laufenden Saison etwa nur auf Platz 15 der Weltmeisterschaft, holte mit 70 Punkten lediglich einen Bruchteil der Ausbeute von 'Stoprak' (407 Punkte). Doch Petrucci scheut sich nicht vor der Aufgabe, zeigt sich optimistisch: "Ich bin wirklich glücklich, dass ich in der nächsten Saison mit BMW Motorrad Motorsport in der World Superbike antreten werde. Mein Ziel war es, mit einem Werksmotorrad an den Start zu gehen, weil ich wirklich um den Weltmeistertitel kämpfen will. Ich denke, dass dies der Schritt ist, der mich in die Position bringt, dieses Ziel zu erreichen. Ich kann es kaum erwarten, Teil des Teams zu werden."

Danilo Petrucci feiert sein WorldSBK-Podium in Misano
Danilo Petrucci hatte 2025 bereits genügend Grund zum Jubeln, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Wer wird 2026 BMW-Teamkollege von Danilo Petrucci?

Wer 2026 an Petruccis Seite fahren wird, ist derzeit noch unklar. Van der Mark galt in WSBK-Kreisen ursprünglich als Favorit, doch seine schwachen Leistungen in der laufenden Saison haben die Verantwortlichen wohl ins Grübeln gebracht. Aus dem MotoGP-Paddock war zuletzt zu hören, dass Moto2-WM-Anwärter Aron Canet gute Chancen auf den zweiten BMW-Platz hätte. Die nächsten Wochen dürften Klarheit schaffen.

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