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MotoGP / Interview

Moto2 und Fahrerwahl - Herve Poncharal

Tech 3-Boss Herve Poncharal sprach in Misano mit Motorsport-Magazin.com.
von Falko Schoklitsch

Motorsport-Magazin.com - Du planst ein Moto2-Team. Wie stehen die Dinge?
Herve Poncharal: Ich denke, dass es bei uns wie bei fast allen anderen auch aussieht. Die Moto2 wird, wie ich denke, sehr interessant werden. Und ich bin schon ganz gespannt auf das erste Rennen in dieser Klasse. Was wir im Moment tun, ist Arbeiten. Arbeiten, weil wir entschieden haben, unser eigenes Chassis zu bauen und nicht eines von jemand Anderes zu kaufen. Daher sind wir damit sehr beschäftigt. Wir verfolgen die Entwicklung des Motors, der Reifen und deren Lieferung und machen unsere Pläne. Ich erwarte aber nicht, dass wir vor Valencia auf der Strecke sind.

Daher ist es auch noch nicht möglich mit Fahrern zu sprechen?
Herve Poncharal: Doch, doch, wir sprechen sehr viel mit Fahrern. Viele Fahrer sind interessiert an der Moto2 und viele kamen, um mit uns zu sprechen und ich glaube, dass auch viele bei uns fahren wollen. Aber bisher ist noch keine Entscheidung gefallen. Denn ich warte auch noch auf einen potenziellen Sponsor und natürlich möchte ich nicht schon Fahrer unter Vertrag haben und der Sponsor kommt erst später. Denn dann kann es passieren, dass dieser Geldgeber nicht zufrieden mit der Fahrerwahl ist. Daher warte ich noch etwas ab. Eines, was ich aber sagen kann, ist, dass wenn in den nächsten zwei oder drei Wochen nichts mit einem Sponsor arrangiert werden kann, dass ich einen Fahrer schon unter Vertrag nehmen werde. Und das wäre dann vielleicht Jules Cluzel.

Das Tech 3-MotoGP-Team im Jahre 2010

Wie wird das Tech 3-Team nächstes Jahr aussehen? - Foto: Monster Yamaha Tech 3

Es gibt auch viele Fahrer, die sich für Dein MotoGP-Team interessieren und es gibt viele Gerüchte, wer bei Dir nächstes Jahr fahren könnte. Zuerst einmal muss es für Dich als Teamchef doch großartig sein, dass quasi alle zu Dir wollen, oder?
Herve Poncharal: Ja, darüber bin ich sehr glücklich. Ich habe fast mit dem ganzen Fahrerlager gesprochen, außer Valentino, Casey, Jorge und Dani. Aber mit all den anderen gab es Gespräche. Das ist natürlich interessant. Jetzt gibt es aber schon viele Fahrer, die ihren Platz für nächstes Jahr gefunden haben. Für mich war letzte Woche ein wichtiger Schritt als klar war, dass Jorge im Werksteam bleiben wird. Denn Yamaha hat vier Bikes in der Startaufstellung, je zwei im Werksteam und zwei bei mir. Jetzt kann ich mich darauf konzentrieren, meine Fahrer zusammen zu bekommen. Wie gesagt, es gibt viele, die sich für unser Team interessieren und jetzt liegt die schwere Entscheidung bei mir. Ich denke, dass Colin weiter von Yamaha unterstützt wird und ich habe in Indy auch sehr viel mit ihm gesprochen. Und auch, wenn das noch nicht klar ist, hoffe ich, dass Colin bleibt.

Also wäre es auch möglich, dass Colin und Ben Spies in Deinem Team fahren?
Herve Poncharal: Viele Dinge sind möglich. Und daher auch die Möglichkeit, dass Colin und Ben bei mir fahren. Aber es gibt auch die Möglichkeit, dass Colin und James bleiben. Ich spreche aber auch mit Randy de Puniet, mit Alex de Angelis, mit Kallio, gerade jetzt hatte ich den Manager von Talmacsi hier. Es gibt wirklich so viele Möglichkeiten, dass es schwer ist zu sagen, was es wird.

Sponsoren, Geld und Marktveränderungen

Monster macht auch nächstes Jahr bei Tech 3 weiter. - Foto: Milagro

Manche Leute glauben, dass es unmöglich sein wird, Colin Edwards und Ben Spies zusammen in einem Team zu haben?
Herve Poncharal: Warum?

Weil die Frage offen bleibt, wer die Rechnungen bezahlt.
Herve Poncharal: Hm, das ist ein guter Punkt. Aber von einem Jahr zum anderen können sich die Dinge sehr verändern. Und am Ende ist der Punkt, der Preis des Marktes. Und viele Leute müssen ihre Anforderungen, was das Geld angeht, einfach nach unten schrauben.

Letztes Jahr war es schon schwierig, einen Sponsor zu finden. Und jetzt sieht es bestimmt noch schlechter aus, oder?
Herve Poncharal: Ja, aber der gute Punkt gegenüber dem letzten Jahr ist, dass sich viele Dinge geändert haben. Natürlich ist es immer noch sehr teuer, Rennen zu fahren. Aber der Faktor ist, dass die Fahrer und die Sponsoren, und das ist vermutlich das erste Mal in meinem Leben, dass sich alle um unser Team reißen und dass sie zu mir kommen wollen. Sie bieten sich mir teilweise kostenlos an. Letztes Jahr um diese Zeit, wollten diese Fahrer mindestens eine Million Euro. Ich denke, dass sich die ganze Situation und der Markt verändert hat. Und jetzt sind wir als Team in einer stärkeren Position, zu verhandeln.

Du hast Monster als Hauptsponsor und viele andere kleinere Geldgeber. Gibt Dir das eine gewisse Sicherheit für die Zukunft?
Herve Poncharal: Der gute Punkt ist, dass wir die meisten davon für zwei Jahre haben, also 2009 und 2010. Monster wird nächstes Jahr mit uns weiter machen und ich habe auch noch ein paar andere, die ganz zuversichtlich scheinen. Aber ganz klar ist das nicht genug. Wir müssen einen neuen Sponsor finden und trotzdem immer mehr sparen, sparen, sparen.

Die aktuellen Leistungen

Mit der Leistung von Colin Edwards ist Poncharal zufrieden. - Foto: Milagro

Lass uns mal zu den Leistungen Deiner Fahrer zurückkommen. Es ist da etwas schwierig drüber zu sprechen, da Colin meistens sehr gute Leistungen bringt und bei James schwankt dies etwas. Wie zufrieden bist du?
Herve Poncharal: Ich denke, dass Colin eine weiter tolle Saison nach letztes Jahr hat. Wir waren mit ihm zweite in England, was etwas glücklich war, aber egal. Aber wir haben mit ihm den besten Privat-Fahrer, denn er ist sogar vor Vermeulen und Capirossi, die Werkspiloten sind. Also sind wir glücklich mit ihm. Natürlich will man immer mehr, aber ich bin glücklich mit Colins Leistung. Das ist natürlich eine Ehre und es macht sehr viel Spaß mit Colin zu arbeiten und ich hoffe, dass wir mit ihm weiter machen können. James ist ein perfekter Typ, mit dem man arbeiten kann. Und ich bin wirklich enttäuscht, denn außerhalb der tatsächlichen Resultate ist alles richtig gut. Und manchmal haben wir ihn fast dort gesehen, aber eben nicht ganz. Er war letztes Jahr ein paar Mal Sechster aber das ist weiterhin seine beste Platzierung. Es ist klar, dass die MotoGP die härteste Meisterschaft ist und dass diese Bikes wirklich schwer zu pushen sind. Es ist halt enttäuschend, weil James extrem professionell ist und hart pusht, er ist motiviert. Es ist nicht schlecht, aber es sollte doch ein wenig besser gehen.

Letztes Jahr war er ja bei seinem ersten Rennen gleich in der ersten Reihe. Also offensichtlich ist da Potenzial vorhanden.
Herve Poncharal: Wir müssen da etwas vorsichtig mit dem Vergleich sein, denn letztes Jahr hatten wir noch Qualifyer-Reifen. Die gibt es dieses Jahr nicht mehr. Und die Michelin-Qualifyer waren wirklich sehr sehr gut. Es ist daher immer schwer zu vergleichen, wenn man verschiedenes Material betrachten muss. Dieses Jahr sind alle auf den gleichen Reifen unterwegs und es gibt kaum Auswahlmöglichkeiten. Daher kann man besser einschätzen, wie die Situation ist.

Letztes Jahr fuhr er ziemlich konstant um den sechsten Rang herum. Er hat also gezeigt, dass er es kann. Aber die Frage ist jetzt, was ihm fehlt, dass er daran wieder anknüpfen kann? Ist es das Vertrauen?
Herve Poncharal: Ich weiß es nicht. Wir haben Stundenlang mit Yamaha Japan und mit Bridgestone und mit ihm darüber gesprochen. Aber wenn ich es wüsste, wäre er jedes Wochenende auf dem Podium. Am Ende sind es die Fahrer. Valentino, Jorge, Dani, Casey sind einfach mit mehr Talent gesegnet. Manche Piloten sind einfach talentierter. Wenn du Usain Bolt rennen siehst, fragst du dich auch, wie der das macht. Die sind einfach von Mutter Natur beschenkt worden. Was kann ich da tun? Das ist nun mal so.


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