Langsam geht es los. Schnee bedeckte Berge bildeten in Madonna di Campiglio den Hintergrund für die traditionelle Saisoneröffnung von Ducati. Wrooom.
Natürlich waren alle Augen auf Casey Stoner und seinen neuen Teamkollegen Nicky Hayden gerichtet. Zunächst ging es jedoch nur um bestimmte Teile beider Fahrer. Als erstes um das Handgelenk, genau genommen das Kahnbein des Ex-Weltmeisters.
Eine Hand, ein Körper
"Ich bin ziemlich zufrieden", sagte Stoner über seinen Genesungsprozess. "Ich würde mich gerne besser bewegen können, aber der Test gestern verlief gut. Das Knochentransplantat ist gut ausgeheilt und das ist eine sehr gute Nachricht. Sie bedeutet, dass ich mit meiner Hand und meinem Arm etwas mehr arbeiten und so Muskelmasse aufbauen kann, um in die bestmögliche Position für den nächsten Test zu gelangen."
Beim zweiten Ex-Champion in den Reihen der Italiener ging es nicht nur um die Hand, sondern gleich um den ganzen Körper: "Am Sonntag habe ich zum ersten Mal meine Ducati-Lederkombi für ein offizielles Foto-Shooting anprobiert und ich fühlte mich dabei sehr stolz", verriet er. "Ich weiß, welch große Chance ich erhalten habe und ich bin Ducati, Marlboro und allen, die Vertrauen in dieses neue Kapitel meiner Karriere stecken, sehr dankbar."
Wenig Tests, gute Fortschritte
Bislang konnten Stoner und Hayden die neue GP9 noch nicht oft Probe fahren. "Bisher habe ich die GP9 erst zweimal gefahren - einmal in Barcelona während der Saison und einen Tag im November in Valencia", erinnerte Stoner. "Es war nicht viel, aber genug, um zu verstehen, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben. Gleichzeitig ist das neue Chassis aber ein Fortschritt. Wir müssen das Setup verbessern und das Bike in einigen Bereichen feintunen."

Für Hayden waren die Wintertests vor dem Beginn des Testverbots die ersten Kontakte mit dem alles andere als einfach zu fahren geltenden Motorrad. "Natürlich muss ich noch schneller werden, um wirklich konkurrenzfähig zu sein, aber ich liebe das Bike bereits", erklärte er. "Ich kann nicht sagen, dass es einfach zu fahren ist, da es am Kurvenausgang sehr unruhig ist, aber der Motor ist stark und das ist wichtig, besonders in einem Rennen. Das Chassis ist gut und steif, so dass ich viel Rückmeldung bekomme und die Front fühle, die in schnellen Kurven sehr stabil ist."
Zwei Weltmeister, ein Ziel
Als Teamkollegen fühlen sich Stoner und Hayden bereits jetzt zugehörig. "Ich freue mich darauf, mit Casey zu arbeiten - wir kennen uns schon seit einigen Jahren, man könnte sagen, dass wir aus ähnlichen Verhältnissen kommen. Wir stammen beide nicht aus Europa und haben unsere Anfängen auf Dirt-Tracks", so Hayden.
Stoner sieht das ähnlich: "Ich bin echt glücklich über den Neuzugang von Nicky. Er war immer nett zu mir, selbst als wir in den kleineren Klassen gegeneinander gefahren sind - ich glaube, wir können gut zusammenarbeiten." Die Kommunikation zwischen ihnen sei toll und sie könnten gemeinsam bestimmte Situationen meistern und das Beste aus der GP9 herausholen, um beide konkurrenzfähig zu sein.
"Wir sind beide konkurrenzfähig und wir möchten beide den jeweils anderen schlagen, aber wir werden zusammenarbeiten, um ein starkes Team zu bilden", meinte Hayden. "Ich habe viel Selbstvertrauen und mein erstes Ziel ist es, wieder den Level von 2006 zu erreichen, konstant um Podestplätze zu fahren und wieder Rennen zu gewinnen."
Stoner setzt sich ein bisschen andere Ziele. "Ich möchte in dieser Saison ein bisschen aggressiver sein und vielleicht eher die Initiative ergreifen, wenn das in einem Rennen sonst niemand übernehmen sollte", kündigte er an. Zudem habe man aus den Fehlern des Vorjahres gelernt. "Im letzten Jahr waren wir vielleicht ein bisschen zu zuversichtlich und haben einiges übersehen, was wir hätten erledigen müssen", so der Australier. "Das führte zu einigen Höhen und Tiefen zu Saisonbeginn, die uns viel gekostet haben. Trotz eines Ausfalls und zweier Stürze haben wir sechs Rennen gewonnen und sind Zweiter in der WM geworden. Das bedeutet, dass wir positiv auf dieses Jahr schauen können."
Keine Kawasakis, ein Schock

Nicht mehr zu den Konkurrenten gehört Kawasaki, zumindest als Werksmannschaft. "Das war ehrlich gesagt ein Schock", gestand Stoner, der nicht mit dem Rückzug der Japaner gerechnet hatte. "Es hat uns alle schockiert, denn wir wollen so viele Bikes wie möglich auf dem Grid sehen." Auf Ducati habe es aber keine Auswirkungen. "Wir müssen uns um unsere Dinge kümmern. Dennoch würde ich gerne mehr Motorräder sehen als es aktuell sind."
Stoner vermisst die alten Tagen, in denen 25 oder gar 30 Motorräder gegeneinander antraten. "Manchmal wäre es schön, so viele Motorräder zu haben", sagte er. "Gleichzeitig hätte man aber sehr gute Bikes an der Spitze und nicht so gute Maschinen am Ende." Ein ausgeglicheneres Feld würde hingegen für engere Rennen sorgen.
Trotzdem betonte Hayden: "Je mehr Motorräder und je mehr Konkurrenz es gibt, desto besser ist es." Auf die MotoGP sieht er jedoch keine Probleme zukommen. "Es wird neue Regeln geben, um Geld zu sparen und am Ende wird es die Serie noch stärker machen."



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