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MotoGP / Kolumne

Steve Jenkner: Shanghai: Es war nur eine Frage der Zeit

Die Hondas haben in China dominiert, doch wirklich beeindruckt ist Steve Jenkner von den diesjährigen MotoGP-Rookies.
von Steve Jenkner

Motorsport-Magazin.com - Was sich bereits im vergangenen Rennen angedeutet hat, hat sich auch in China fortgesetzt. Honda scheint eine gute Basis gefunden zu haben, welche die Maschine für mehrere Piloten gut fahrbar macht, was das Ergebnis von Shanghai ja eindrucksvoll bestätigt hat. Die anderen Werke haben es momentan viel schwerer, so eine Konstanz an den Tag zu legen.

Besonders beeindruckend sind aber nach wie vor die Rookies in dieser Saison. Es ist lange her, dass die Aufsteiger, sowohl Pedrosa als auch Stoner, so schnell und konstant an der Spitze fahren. Der erste Sieg war eigentlich nur eine Frage der Zeit.

Probleme scheint dagegen Valentino Rossi zu haben. Er hatte ja schon im vergangenen Rennen einige Schwierigkeiten und machte Fehler. Irgendetwas läuft nicht für ihn. Sein Teamkollege Colin Edwards ist dagegen ganz gut unterwegs. Er hatte ja schon Anfang des Jahres angekündigt, dass er diese Saison aggressiver zu Werke gehen will, nachdem er vergangenes Jahr oft zurückstecken musste, um Punkte für die Marken-WM zu holen. Dadurch setzt er natürlich jetzt alles daran, einen Sieg zu landen. Das sah man in China auch an seiner Fahrweise, die sehr entschlossen war.

Ein Grund für das durchschnittliche Abschneiden der Ducati-Piloten ist sicher im wechselhaften Wetter in den Trainingssitzungen zu suchen. Die Ducati ist nach wie vor noch relativ schwierig abzustimmen und verlorene Trainingszeit wirkt sich schnell als Nachteil im Rennen aus.

Alex Hofmann hat anscheinend einen guten Weg gefunden, um aus dem Material und der Verbindung Motorrad-Reifen, das Beste herauszuholen. Die acht Sekunden, die er im Rennen Rückstand auf Carlos Checa hatte, sind nicht wirklich viel.

Die 125er

Mika Kallio ist wieder sehr stark gefahren, und ich hatte mir nach dem Rennen in Istanbul, wo er in der Spitzengruppe fahrend mit einem Defekt ausschied, schon gedacht, dass er auch in Shanghai wieder ganz vorne dabei sein würde. Zwar waren am Anfang der Saison die Aprilias weit voraus, aber Kallio und KTM haben ihre alte Stärke wieder. Damit ist die Dominanz von Alvaro Bautista eigentlich auch wieder vom Tisch. KTM und Aprilia sind meiner Meinung nach jetzt wieder gleichwertig.

Ein wenig im Hintertreffen ist Honda. Noch im vergangenen Jahr hatten die Honda Fahrer in China ziemlich dominiert. In diesem Jahr waren sie weit von der Spitze weg, obwohl ihnen die Strecke eigentlich liegen müsste. Gabor Talmacsi der auch im letzen Rennen bester Honda Pilot war, war konnte den Abstand zur Spitze zwar verkürzen, aber dieses gute Resultat würde ich eher der Streckencharakteristik zuschreiben, als großen Verbesserungen am Motorrad.

Die 250er

Für Hector Barbera war es sehr gut, dass er endlich gewinnen konnte, vor allem mental. Er hat mit Jorge Lorenzo einen sehr starken Konkurrenten in der eigenen Mannschaft und die beiden können sich nicht unbedingt gut leiden. Nach dem Rennen haben sie sich weitestgehend ignoriert und die Stimmung im Team ist dementsprechend eisig. Deswegen hat es Barbera sicherlich gut getan, im Rennen vorne zu bleiben. Ich hatte sogar den Eindruck, dass Barbera noch schneller hätte fahren können, da er den Sieg am Ende recht spielerisch geholt hat.

Allgemein muss man sagen, dass die 250er-Klasse im Moment sehr ausgeglichen ist. Das liegt vor allem daran, dass auch die ersten acht Fahrer alle auf einem sehr ähnlichen Niveau fahren. Bei Jorge Lorenzo sah es am Anfang der Saison zwar so aus als ob er den Unterschied ausmachen könnte, aber nach Istanbul war er auch bei diesem Rennen nicht überlegen. Ich denke, dieses Jahr gibt es vorerst keine überlegenen Fahrer wie Pedrosa und Stoner, die sich regelmäßig um mehrere Sekunden vom Feld absetzen können.

Anthony West hat gezeigt, dass er im Regen ein wirklicher Ausnahmefahrer ist. Im Trockenen fehlt ihm als Privatfahrer allerdings das Material, um an der Spitze mitzufahren. Im Regen kann man sehr viele Dinge vertuschen, die am Motorrad nicht so gut funktionieren. Im Trockenen zählt hingegen das Material etwas mehr. Allerdings hatte West ja vor einigen Jahren auch Werksmaterial zu Verfügung, und obwohl man ihn als sehr talentiert einstufte, konnte er die erwarteten Ergebnisse kaum erzielen.

IDM

Der Saisonauftakt in der IDM am vergangenen Wochenende in Hockenheim ist für meine Mannschaft vom Team Sachsenring Motorrad Unger leider nicht ganz nach Wunsch verlaufen. Patrick Unger hatte sich zwar schon recht gut von seinem Schlüsselbeinbruch erholt, aber natürlich belastet einen eine solche Verletzung auch mental. Wenn man gerade erst vor 14 Tagen eine Operation hatte, eine Platte im Körper hat und die Schrauben noch spürt, dann ist man nicht ganz so frei und kommt nur schwer auf die Rundenzeiten, die man sich eigentlich wünscht. Das hat sich vor allem im Training bemerkbar gemacht.

Im Rennen konnte Patrick dann umschalten, aber leider hatte er da beim Start ein Riesenproblem. Bis 50 km/h hat er richtig gut beschleunigt, dann ist ihm aber der Motor zusammengebrochen und die Leistung war kurz weg. Dadurch ist er nur als 26. aus der ersten Runde gekommen. Ab der dritten oder vierten Runde ist er aber dann wirklich sehr gut gefahren und fuhr Rundenzeiten, die auch im Spitzenpulk gefahren wurden. Das macht natürlich Mut für die nächsten Rennen und besonders gefreut hat mich, dass Patrick schon bei diesem Rennen seine Verletzung vergessen und seine Lockerheit wieder gefunden hat, auch wenn er am Ende nur 12. wurde.

Eric Hübsch hätte die Top Ten erreichen können, wenn ihm nicht Elektronikprobleme einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten. Allerdings muss er noch viel arbeiten, um das Motorrad besser zu verstehen und um eine gewisse Lockerheit zu haben wenn es ins Zeittraining geht. Wenn es um nichts geht, fährt Eric sehr gute Zeiten, aber im Zeittraining ist er noch etwas nervös und verkrampft.

Fantic

Von dem Niveau, das wir mit der Maschine von Fantic erreichen möchten, nämlich WM-tauglich zu sein, sind wir zwar noch ein ganzes Stück entfernt, aber das wir gleich das erste Rennen in der italienischen Meisterschaft gewonnen haben, hat allen Auftrieb gegeben.

Der Schritt von unserem ersten Test bis zum Rennen in Mugello ging auf jeden Fall in die richtige Richtung. Die Maschine hat ohne Probleme das komplette Rennen durchgehalten, was beim Test noch nicht so war, und jetzt können wir daran arbeiten, dem Motor Schritt für Schritt mehr Leistung zu entlocken und zu schauen, dass die Standfestigkeit dabei erhalten bleibt.

Es macht mir jedenfalls sehr viel Spaß, zu fahren und selber entscheiden zu können, was gemacht werden muss und in welche Richtung gearbeitet wird. Die Maschine wird praktisch nach meinen Wünschen weiterentwickelt. Das Potential ist auf jeden Fall vorhanden, jetzt geht es darum, noch mehr Kilometer zu absolvieren und mehr Leistung zu finden. Die Fantic ist auf alle Fälle ein schönes Motorrad mit einer guten Basis, die es auszubauen gilt.

Euer Steve Jenkner