2025 bedeutete das MotoGP-Rennen in Motegi den totalen Triumph für Ducati. Marc Marquez sicherte sich vorzeitig den Titel, während Francesco Bagnaia auf wundersame Weise zu alter Form fand und das Wochenende dominierte. Nur ein Jahr später will davon aber keiner etwas wissen. Die Favoritenrolle wird den Außenseitern im Titelkampf zugeschrieben.

Motegi keine Ducati-Strecke mehr? Marc Marquez & Co. weisen Favoritenrolle von sich

"Ich hoffe sehr, dass die Ducati hier stark ist. Aber wir haben ja schon erfahren müssen, dass es sowas nicht mehr gibt. Österreich sollte ja auch eine Ducati-Strecke sein", winkte Fabio Di Giannantonio gleich einmal zum angeblichen Favoritenstatus der Desmosedicis ab. Francesco Bagnaia konnte angesichts seiner Krise auch nichts aus den Erinnerungen des Vorjahres ziehen: "Jedes Jahr ist anders, also darf ich mir deswegen gar nichts erwarten." Und der Italiener fügte noch hinzu: "Realistisch wäre ein Kampf um die Top sieben."

Das Ducati-Team feiert Sieg und WM-Erfolg
2025 feierte Ducati in Motegi, Foto: IMAGO / PsnewZ

In diesen Chor stimme dann auch Superstar und Titelkandidat Marc Marquez ein. Er hofft, dass ihn die Bremsprobleme aus Spielberg auf dem erneuten Stop-and-Go-Kurs in Japan nicht noch einmal treffen werden: "Sie [die Ducati-Ingenieure, Anm. d. Red.] haben herausgefunden, was in meinem Rennen passiert ist. Es war klar auf den Daten zu erkennen. Sie haben das Problem gefunden und nun werden wir versuchen, es für dieses Rennen zu beheben. Das wäre sehr wichtig, aber ich bin da zuversichtlich." Doch selbst ohne diese Schwierigkeiten mit den Bremsen sieht er andere vorn: "[Pedro] Acosta und die vier Aprilias werden sehr schnell sein, besonders rechne ich mit Ogura. Er kam in Österreich sehr stark zurück."

Aprilia noch ohne MotoGP-Podium in Japan: Jorge Martin dennoch vorsichtig optimistisch

Damit setzte er mit den genannten Namen den Ton. Denn auch seine beiden direkten Titelrivalen wollten sich nicht wirklich aus der Deckung wagen. Traditionell gilt das für Marco Bezzecchi. "Natürlich war das in der Vergangenheit eine Ducati-Strecke, aber jetzt weiß ich ehrlicherweise nicht, was ich erwarten soll. Ich blicke aber auch nicht wirklich darauf, ob das jetzt für Aprilia, Ducati oder KTM gut ist. Ich blicke auf mich selbst und versuche, das Beste herauszuholen", ließ uns der Italiener wissen, was er ehrlicherweise auch an jedem anderen Donnerstag des Jahres gesagt haben könnte.

Aprilia war in Japan noch nie auf dem Podium, Foto: IMAGO / PsnewZ
Aprilia war in Japan noch nie auf dem Podium, Foto: IMAGO / PsnewZ

Etwas mehr Einblick gibt da sein Teamkollege. Jorge Martin versprüht durchaus Optimismus, trotz der tristen Aprilia-Bilanz in Motegi: "Es überrascht mich, dass Aprilia hier nie auf dem Podium stand. Aber das Bike hat sich seit der Vergangenheit stark verändert. Wir wissen, dass das hier keine Aprilia-Strecke war, aber das war Österreich auch nicht. Wir haben das Paket sehr verbessert." Deswegen meint er: "Wenn wir einen guten Job erledigen, dann kämpfen wir normalerweise um das Podium. Also warum nicht erneut bei diesem Rennen?" Im Vergleich zu den Titelrivalen stellt der 'Martinator' sich aber auch nicht heraus: "Die Asien-Tour ist normalerweise recht gut für mich, aber im Vergleich zu Marco [Bezzecchi] und Marc [Marquez] fehlt mir ein bisschen der Speed. Ich bin ihnen nicht überlegen."

Pedro Acosta nach erstem Sieg als erneuter Favorit? Wäre diesmal keine Überraschung!

Immerhin spricht der Madrilene vom Podium, aber was ist mit dem Sieg? Da deuten die Finger in Richtung des letzten Triumphators. "[Pedro] Acosta hat schon in den letzten drei Rennen einen sehr guten Job erledigt und mit Sicherheit wird er auch hier stark sein. Das ist eine Stop-and-Go-Strecke. Er ist stark auf der Bremse, also wird er auch hier gut sein", bringt ihn mit Raul Fernandez noch ein weiterer Spitzenfahrer in den Fokus.

2024 stürzte Acosta im Kampf um den Sieg, Foto: IMAGO / Panoramic by PsnewZ
2024 stürzte Acosta im Kampf um den Sieg, Foto: IMAGO / Panoramic by PsnewZ

Pedro Acosta selbst hat noch eine Rechnung mit Motegi offen. "Seit ich in der MotoGP bin, habe ich hier Potential, aber ich konnte das Rennen nie beenden", erinnert sich der KTM-Pilot. 2024 holte er seine erste Pole-Position, stürzte dann aber im Kampf um seinen ersten Sieg. Diesen hat er vor knapp zwei Wochen endlich erreicht. Über den nächsten würde er sich weniger wundern: "Diesmal wäre es keine Überraschung. Selbst für uns war es eine Überraschung, derart konkurrenzfähig in Österreich zu sein. Wenn du dir meine Rennen in der MotoGP dort ansiehst, dann habe ich dort 2024 stark gelitten, 2025 dann etwas weniger und dieses Jahr haben wir dann endlich unser großes Potential bei KTMs Heimrennen zeigen können. Hier waren wir normalerweise immer schnell."

Ai Ogura zeigt sich mutig beim Heimrennen: Habe große Erwartungen!

Damit gilt der 'Hai' im Paddock als Favorit Nummer eins. Doch immerhin einer positioniert sich im Vorfeld selbstbewusst als Konkurrent. Lokalheld Ai Ogura hat die Fans auf seiner Seite. 2025 musste er das Rennen verletzt aufgeben. Diesmal soll alles viel besser werden: "Sicher ist die Erwartung größer als letztes Jahr. In dieser Saison haben wir den Speed. Es ist schade, dass ich mich vor Aragon verletzt habe und zwei Rennen auslassen musste, aber in Österreich haben wir sofort wieder zu Tempo gefunden. Zwei vierte Plätze in beiden Rennen vor meinem Heimrennen. Ich glaube wir sind in guter Form. Meine Erwartungen für das Wochenende sind wirklich groß."

In der Moto2 liest sich seine Heimbilanz mit einem Sieg und zwei zweiten Plätzen bei drei Starts überragend. Ob er daran anknüpfen kann? "Das ist das Ziel", gibt es die klare und typisch wortkarge Antwort. Und auch von den Titelambitionen im Hause Aprilia will der Trackhouse-Pilot sich nicht beirren lassen, obwohl er nurmehr eine kleine Außenseiterchance in der Fahrer-WM hat. "Ich werde meinen Stiefel fahren. Wenn ich Bezzecchi oder Jorge [Martin] überholen muss, dann muss ich sie nun Mal überholen", kündigt Ai Ogura an.

Nichts mit dem Sieg zu tun haben wird sicherlich Maverick Vinales. Für ihn stellt das Comeback in Japan den Beginn des Kampfes um eine Zukunft in der Königklasse dar: