Viele hatten sich wohl gefragt, ob wir ihn überhaupt noch einmal in der MotoGP sehen werden. Doch da war er dann da am Donnerstag in Motegi und beantwortete mit Vorfreude die Fragen der Journalisten zu seinem Comeback. Trotz eines weiterhin fraglichen Gesundheitszustandes und keinem Stammplatz für 2027 versicherte Maverick Vinales: Er will um ein weiteres Kapitel in der Königklasse kämpfen.

Maverick Vinales fährt 850er vor MotoGP-Comeback, doch: Aktuelle Bikes eine 'Bestie'

"Natürlich bin ich sehr gespannt darauf, zu sehen, wo ich in meinem Genesungsprozess stehe. Ich bin sehr motiviert, wieder loszulegen", begann der Tech3-KTM -Pilot seine Ausführungen, nachdem er zuletzt in mehr als zwei Monaten Pause seit seinem letzten Auftritt auf dem Sachsenring vier Rennwochenenden auslassen musste. Der Zustand seiner linken Schulter ließ kein konkurrenzfähiges Rennfahren zu. Seitdem hat der Spanier hart trainiert. "Jedes Monat gibt es eine kleine Verbesserung. Da liegt noch ein Weg vor mir, aber vielleicht ist es jetzt genug, um das Bike zu fahren", hofft 'Topgun'.

Am Sachsenring fuhr Vinales das letzte Rennen, Foto: KTM Media Library
Am Sachsenring fuhr Vinales das letzte Rennen, Foto: KTM Media Library

Einen kompletten Sprung ins kalte japanische Wasser wagt er nicht, und dennoch fährt er die Aussichten klar herunter: "Es gibt keine Erwartungen. Meine Hoffnung ist es, das Rennen zu beenden. Das ist mein Ziel. Ich habe das Bike jetzt schon so lange nicht bewegt. Ich bin einen kleinen Test [am Montag nach dem Rennen in Spielberg, Anm. d. Red.] gefahren, der eigentlich recht gut war, aber das waren nur ein paar Runden. Ich fuhr eine Art Sprint-Simulation und die lief gut, aber Österreich ist nicht so hart wie Japan." Beim Montagstest am Red Bull Ring durfte er dabei sogar das 850er-Motorrad für 2027 fahren. "Um das Bike vom nächsten Jahr zu fahren, reicht es. Das habe ich ausprobiert und es ist leichter zu fahren. Aber die aktuellen MotoGP-Bikes sind Bestien", merkte Vinales den Unterschied in der körperlichen Anstrengung mahnend an. Gewissheit gibt es bei der Rückkehr in Motegi also keine.

Rennfahrer-Leidenschaft ungebrochen: KTM-Pilot kann nicht ohne

Wo wir bei der wichtigsten Frage wären: Warum tut sich Vinales diese Monster von Motorrädern nach so vielen Absagen und Problemen mit der Schulter überhaupt noch einmal für ein paar letzte Rennen an? "Leider fühlte sich das sehr gut an. Keine Reisen zu haben, bei der Familie sein zu können und viel zu trainieren", gibt er im Rückblick auf seine Zwangspause selbst zu. Und gesteht dann auch noch: "In meinem Kopf hatte ich mich schon damit abgefunden, dass ich gar nicht mehr zurückkomme. Dieses Gefühl war da."

Maverick Vinales in der Tech3-Box
Motorrad-Fahren bereitet Maverick Vinales immer noch große Freude, Foto: IMAGO / PRESSE SPORTS

Neben dem Familienmenschen gibt es aber auch noch den Rennfahrer Maverick Vinales, und der schreit weiterhin nach seinem Sportgerät: "Das Einzige, das mir fehlte, war einfach das Motorrad. Dieses Gefühl, wenn du ans Limit gehst und pusht. Zwei Monate lang bin ich kein Bike gefahren, weil ich keinerlei Bewegung riskieren wollte, die zu erneuter Entzündung [der verletzten Schulter, Anm. d. Red] führen würde. Ich habe nur trainiert, um wieder die nötige Stärke zu erhalten. Als ich dann auf der Rennstrecke auf eine R1 [ein Superbike von Yamaha, Anm. d. Red.] springen konnte, da hatte ich so viel Spaß. Und auch in Österreich genoss ich es sehr. Dieses Gefühl hielt mich in der MotoGP."

Ohne MotoGP-Stammplatz 2027: Vinales will jede kleine Chance ergreifen

Am Ende kann ihm nichts anderes das geben, was nur die Rennstrecke bietet. Und deswegen will der 31-Jährige auch um eine Zukunft in der Königklasse kämpfen. Dass er 2027 keinen Stammplatz mehr bekommen wird, ist dabei als Realität akzeptiert: "Ich bin hier noch nicht fertig. Ich will noch vieles Erreichen, aber offensichtlich gibt es keinen freien Platz mehr. Leider ließ KTM mich erst gehen, als es schon zu spät war. Da gab es keine Chance mehr."

Aufgeben heißt das für den Spanier aber nicht: "Du kannst für die Zukunft nie wissen. Hier passieren viele Dinge. Vielleicht öffnet sich wieder eine Tür. Mein erstes Ziel muss sein, mich vollständig zu erholen, in Topform zu sein und bis zum Maximum pushen zu können." Die fragenden Journalisten brachten logischerweise eine Rolle als Test- und Ersatzfahrer ins Spiel. Ohne direkt darauf einzugehen, dementierte Vinales diese Möglichkeit keineswegs: "Ich muss irgendeinen Weg finden. Und wenn es eine Chance gibt, werde ich sie ergreifen."

Wie ihr das Comeback-Wochenende von Maverick Vinales und den nächsten Schlagabtausch im WM-Kampf verfolgen könnt, erfahrt ihr in unserer Übersicht: