Fabio Quartararo ist in der MotoGP mit Yamaha seit vier Jahren sieglos. Der Weltmeister von 2021 ist damit zu einem trostlosen Nebendarsteller verkommen - ähnlich wie Francesco Bagnaia. Beide verlassen zum Ende der Saison 2026 ihre jeweiligen Hersteller. Quartararo wechselt zu Honda, Bagnaia sucht den Neuanfang bei Aprilia. Für den Franzosen enden die Parallelen zum Ducati-Fahrer hier jedoch. Seine Karriere sieht er im Gegensatz zu jener Bagnaias trotz ausbleibender Erfolge völlig intakt.

"Weil Marc [Marquez] gewinnt", so Quartararo, der mit seinem letzten Sieg 2022 am Sachsenring zugleich auch den bis dato letzten für Yamaha einfuhr. Die Situation von Francesco Bagnaia ist für ihn völlig unvorstellbar. "Meine persönliche Meinung ist: Wenn ich in dieser Position wäre, und mein Teamkollege gewinnt Rennen, würde mich das wahnsinnig machen und ich würde versuchen, zu verstehen, warum mir das nicht gelingt."

Marc Marquez stieß 2025 zum Ducati-Werksteam hinzu und fuhr mit einer erdrückenden Dominanz zum Titel. Bagnaia hatte ihm vom ersten Moment an nichts entgegenzusetzen. Nur in Austin und Motegi konnte der Italiener noch zwei Siege erringen, wobei Marquez in den USA mit einem Sturz nachhalf. Selbst während der langen Verletzungspause von Marquez infolge seines Unfalls mit Marco Bezzecchi in Indonesien konnte Bagnaia für Ducati keine Siege einfahren.

Fabio Quartararo hat bei Yamaha noch kein MotoGP-Fahrer das Gegenteil bewiesen

Nach der Rückkehr von Marquez zur Saison 2026 setzte sich das Kräfteverhältnis aus dem Vorjahr fort. Der siebenfache MotoGP-Weltmeister fährt trotz anhaltender Verletzungsprobleme erneut um den Titel und Bagnaia um die Ohren. Der angezählte Doppelchampion war bei Ducati mit der Verpflichtung von Pedro Acosta für 2027 final abgemeldet. Etwas, das Quartararo von sich nicht behaupten kann.

Solange ihm die Markenkollegen auf identischem Material nicht das Gegenteil beweisen, sieht er seine Reputation und die Karriere nicht in Gefahr: "Wenn Alex [Rins], Jack [Miller] oder Toprak [Razgatlioglu] Rennen gewinnen würden, wäre ich selbst auch in einer schlechten Lage", sagt der 27-Jährige. Er wurde bei Yamaha letztendlich nicht aussortiert. Stattdessen entschied er sich nach acht Jahren mit dem Hersteller aus freien Stücken für den Wechsel zu Honda.

Für Bagnaia ist der Wechsel zu Aprilia ein rettender Anker, um weiter als Werksfahrer in der MotoGP antreten zu können. Bei Ducati hat die Frustration zuletzt einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach Misano schlugen Aussagen des Weltmeisters der Jahre 2022 und 2023 gegenüber Fahrerkollege Fabio Di Giannantonio hohe Wellen, als diese vom spanischen Ableger des TV-Senders DAZN aufgegriffen und veröffentlicht wurden.

MotoGP-Kollege für Fabio Quartararo nicht der richtige Adressat bei Hersteller-Frust

Der Unmut ist auch bei Quartararo angesichts der anhaltenden Erfolglosigkeit mit Yamaha groß. Doch er scheute sich stets davor, in Gesprächen unter Fahrerkollegen den persönlichen Frust abzuladen. "Über die Beziehung zwischen Pecco und Ducati kann ich nicht sagen, wie es um sie steht", sagt er. "Aber ich beschäftige mich mit all dem wenn ich zu Hause bin gar nicht. Ich scheue dann alles, was mit Motorrädern zu tun hat. Und letztendlich spreche ich auch mit anderen Fahrern nicht über diese persönlichen Dinge. Wenn ich etwas loswerden möchte, sage ich es meinem Crew-Chief direkt oder den Leuten von Yamaha."

Das Risiko, sich am Rennwochenende inmitten all der Kameras und Mikrofone zu verplappern und unerwünschte Zuhörer zu haben, ist Quartararo zu groß: "So eine Unterhaltung ist eigentlich Standard, aber dann steht natürlich immer jemand daneben. Und die Journalisten bevorzugen selbstverständlich die schlechten Momente gegenüber den guten. Ich weiß, wovon ich da rede." Tatsächlich hatte 'El Diablo' nicht wenige Schlagzeilen mit Aussagen über sein Motorrad verursacht. Belauscht wie Bagnaia wurde er dabei aber nie.