Am Dienstagmorgen herrschte Aufregung in der MotoGP-Szene. Unser Kollege Mat Oxley von 'Motorsport Magazine' publizierte Informationen, wonach mehrere Teams und Hersteller regelmäßig gegen die vorgegebenen Mindestreifendrücke verstoßen und sich so unerlaubte Vorteile erschleichen würden. Zuletzt sei das in Jerez der Fall gewesen, wo unter anderem Sieger Francesco Bagnaia in jeder einzelnen Rennrunde mit einem zu geringen Druck am Vorderrad registriert worden sein soll.

Die Beweislast scheint erdrückend, denn Oxley liegen interne Dokumente von Michelin vor, die den Verstoß klar zeigen. Neben Bagnaia waren im Spanien-GP demnach auch Jorge Martin, Andrea Dovizioso und Alex Rins betroffen. Laut Reglement muss der vorgegebene Druck von 1,9 bar an der Front und 1,7 bar am Heck in der Hälfte der Rennrunden erreicht werden. In Jerez wären das zwölf Umläufe gewesen.

Bagnaia war wohl vom Start weg illegal unterwegs -
Bagnaia war wohl vom Start weg illegal unterwegs -Foto: LAT Images

Wieso kam es bei derartigen Verstößen zu keinen Strafen? Der Grund soll in einem durchaus kuriosen Deal zwischen der Herstellervereinigung MSMA und Reifenlieferant Michelin liegen. Die beiden Parteien dürften ein Gentlemen's Agreement geschlossen haben, das jegliche Verbreitung derartiger Informationen verbietet. Ein Whistleblower machte mit dieser Geheimhaltung nun Schluss.

Am Dienstagabend reagierte Ducati auf die schweren Vorwürfe. In einer eigens einberufenen Medienrunde mit Technikguru Gigi Dall'Igna wollte man Klarheit schaffen. "Es gibt da nicht viel zu erklären", sagte Dall'Igna gewohnt trocken. "Im Moment verwenden alle Hersteller unterschiedliche Systeme und Sensoren. Wenn du diese manipulieren willst, dann kannst du das auch. Unter diesen Umständen kann man natürlich keine Strafen verhängen, wenn jemand einen zu geringen Reifendruck fährt." Dall'Igna hielt fest, dass in dieser Saison bereits andere Rennsieger, auch von anderen Herstellern auf dieselbe Art gegen das Regelwerk verstoßen hätten.

Enea Bastianini gewann 2022 bereits zwei Rennen -
Enea Bastianini gewann 2022 bereits zwei Rennen -Foto: LAT Images

Das MotoGP-Reglement ist im Hinblick auf Reifendrücke sehr vage formuliert. Vorgeschrieben ist dort lediglich die Verwendung von Sensoren zur Überwachung und Aufzeichnung der Drücke. Der Technische Direktor darf diese überprüfen. Von Strafen bei einer Über- respektive Unterschreitung ist aber nichts zu lesen.

Die MotoGP arbeite zusammen mit der MSMA für 2023 an einem zuverlässigen Überwachungssystem, welches dann auch Bestrafungen ermögliche, so Dall'Igna in seiner Medienrunde.