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MotoGP

MotoGP-Zweikämpfe: Hart! Aber trotzdem herzlich?

Nach umstrittenen Manövern keimt in der Motorrad-WM regelmäßig eine Debatte über Respekt und Härte auf. War früher alles besser?
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Der Artikel wurde in der 78. Ausgabe des Printmagazins von Motorsport-Magazin.com am 12. Mai 2021 veröffentlicht.

Wird in der Motorrad-WM zu rücksichtslos gefahren? Mangelt es einigen Fahrern an Respekt für ihre Gegner? Wird die Stimmung in der MotoGP zunehmend aggressiver? Liest man die eine oder andere Aussage von Fahrern aus den vergangenen Jahren, so könnte man beinahe den Eindruck gewinnen, dass diese Fragen mit Ja zu beantworten sind. Dabei geht es um Zitate wie die folgenden:

Stefano Manzi: "Diese Tat, die einen anderen umbringen kann - bei 200 km/h sprechen wir bereits vom Versuch, jemanden umzubringen - kann ich ihm nicht vergeben."

Franco Morbidelli: "Er ist ein halber Mörder. Wenn man bei 300 km/h so bremst, dann hat man wenig für die Fahrer übrig, gegen die man fährt."

Valentino Rossi: "Wenn du versuchst, gegen ihn die Linie zuzumachen, löst er die Bremse und wenn du dich dann nicht bewegst, schiebt er dich von der Strecke. So läuft das heutzutage."

Joan Mir: "Ich glaube, er hat das absichtlich gemacht. Das hätte beinahe zu einem Crash auf der Geraden geführt. Diese Aktion war sehr riskant und gefährlich."

Pol Espargaro: "Er hätte den Kontakt vermeiden können, aber das wollte er nicht. Er drehte das Gas auf, drückte mich von der Linie und hat mich in den Sturz gedrängt."

Bereits beim Saisonauftakt in Katar kam es zu mehreren Szenen, die für Gesprächsstoff unter Fahrern und Fans sorgten. So beschwerte sich etwa Valentino Rossi nach dem Auftaktrennen darüber, von Brad Binder in der Anfangsphase des Rennens eiskalt abgedrängt worden zu sein. "Viele Piloten fahren sauber und mit Respekt für den Gegner, aber es gibt auch Leute wie Binder, die hart fahren und sich nicht um den Gegner scheren", ärgerte sich der 42-Jährige über den Stil des Südafrikaners. "Als ich jung war, musste man den Alten genug Respekt entgegenbringen. Ich bin mit Sakata, Ueda oder Raudies gefahren, das waren für mich Helden. Natürlich hat man sich auch in der Vergangenheit im Rennen berührt, aber man hat immer versucht, das zu vermeiden. Jetzt denken viele Fahrer nur an das eigene Rennen und nicht an die anderen Fahrer." Der Konter von Binder ließ nicht lange auf sich warten. "Es war mein zweiter Zwischenfall mit ihm. Beim ersten Mal in Österreich sind wir beide komplett von der Strecke abgekommen. Da ist es normal, dass er beim zweiten Mal etwas verärgert ist. Man muss aber dazu sagen, dass ich ihn dieses Mal nicht berührt habe - gar nicht! Ich finde, er ist da vielleicht etwas empfindlich. Meiner Meinung nach habe ich nichts falsch gemacht. Wir waren nebeneinander, haben zu bremsen begonnen, er hat die Bremse gelöst und wollte die Linie zumachen, ich habe die Bremse auch gelöst. Ende der Geschichte", sagte Binder nach dem Rennen. Am zweiten Katar-Wochenende kam es bereits im Grand Prix der Moto3 zu einem emotionalen Ausbruch, als John McPhee nach einem Crash in der Auslaufzone auf Jeremy Alcoba losging, der den Schotten Sekunden zuvor abgeräumt hatte. Trotz Helm auf dem Kopf und dicken Lederkombis flogen die Fäuste und Fußtritte - vor den TV-Kameras der Millionen Fernsehzuschauer, welche die Motorrad-WM mittlerweile weltweit verfolgen. Im MotoGP-Rennen kam es zu einer weiteren unschönen Szene, die in den sozialen Medien für den größten Gesprächsstoff sorgte: ein Duell zwischen Joan Mir und Jack Miller. "Ich war in der letzten Kurve etwas weit und als ich wieder zurück wollte, hat Jack seinen Kopf bewegt und mich gesehen. Ich war so weit draußen, wie es ging, aber er zog zu mir herüber und wir berührten uns. Das hätte beinahe zu einem Crash auf der Geraden geführt. Diese Aktion war sehr riskant und gefährlich, mehr muss ich dazu eigentlich nicht sagen", echauffierte sich der amtierende MotoGP-Weltmeister nach einer Szene, die viele für eine Art Revanchefoul hielten, nachdem sich Mir wenige Kurven zuvor verbremst und dadurch Miller von der Ideallinie abgedrängt hatte. Ein Manöver, für das sich Mir aber per ausgestrecktem Fuß entschuldigt hatte. "Ich respektiere meine Gegner, während Jack in diesem Fall keinen Respekt gezeigt hat. Er hat genau gesehen, dass ich gekommen bin und hat trotzdem nach außen gezogen. Ich habe ihn auch gesehen, weshalb ich nicht zu stark nach innen gefahren bin." Miller musste für seine Aktion viel Kritik einstecken, so meldete sich unter anderem Jorge Lorenzo, der seit Neuestem eine eigene Video-Kolumne auf YouTube unterhält, zu Wort und unterstellte ihm schlechtes Benehmen. Anschuldigungen, die der Australier nicht nachvollziehen konnte: "Gut, es gab ein paar Berührungen, aber das war in diesem Rennen eben so. Jeder hat gesehen, was passiert ist und wir sind danach normal weitergefahren. Da war eigentlich nicht viel. Er ging weit und wollte dann zurück. Im Moment schert sich eben niemand darum, wo auf der Strecke schon jemand anderer ist. Wenn ich dafür die Schwarze Flagge bekommen hätte, würde hier irgendetwas falsch laufen."

Valentino Rossi kritisierte die aktuelle Härte immer wieder. - Foto: LAT Images

Eines ist klar: Der Konkurrenzkampf und Leistungsdruck in allen Klassen der Motorrad-WM ist so groß wie nie zuvor. Bereits im Alter von 16 Jahren muss man Woche für Woche seinen Platz gegen eine ganze Armada an Gegnern verteidigen. So schnell wie ein Stern aufgeht, so rasch kann er auch wieder sinken. Ein Beispiel? Can Öncü. Der Türke krönte sich beim Saisonfinale 2018 in Valencia im Alter von 15 Jahren und 115 Tagen in seinem Debütrennen zum jüngsten Grand-Prix-Sieger in der Geschichte der Motorrad-WM. Ein Jahr später bestritt er - ebenfalls in Valencia - sein letztes Rennen in der Weltmeisterschaft und dreht seither in der Supersport-WM seine Runden. Eine zweite Chance ergibt sich für Fahrer ohne finanzielle Mitgift im Grunde nie. Andererseits können aber bereits ein oder zwei gute Rennen den Weg in die nächsthöhere Klasse ebnen, was nicht zuletzt Fabio Quartararo im Jahr 2018 unter Beweis stellte. Dabei werden die Rennverläufe in den drei Klassen aber immer knapper. In der Moto3 gehen regelmäßig mehrköpfige Spitzengruppen in die letzte Runde, die sich beim Anbremsen der Kurven oft zu fünft nebeneinander auffächern. In der Moto2 wird ebenfalls mit dem Messer zwischen den Zähnen gekämpft, geht es in der mittleren Kategorie doch nicht um weniger als eine Chance für die MotoGP zu ergattern. Und schließlich werden die Abstände in der MotoGP aufgrund des engen Regelkorsetts auch immer knapper. In Katar waren die schnellsten 15 Fahrer im zweiten Rennen nur durch 8,928 Sekunden getrennt - neuer Rekord in der Königsklasse des Motorradsports. Zudem gab es im Vorjahr in Abwesenheit von Marc Marquez in 14 Rennen neun verschiedene Sieger sowie 15 unterschiedliche Fahrer, die einen Podestplatz erobern konnten. Der einstige Kampf um Zehntelsekunden eskaliert unter diesen Umständen zum Duell um Millimeter, in dem sich jeder Fahrer zu jedem Zeitpunkt am absoluten Limit bewegt. Die MotoGP-Fans feiern chaotische Zieleinläufe wie etwa in Spielberg im Vorjahr, als Miguel Oliveira seinen ersten Sieg als lachender Dritter eines spektakulären Zweikampfs zwischen Jack Miller und Pol Espargaro holte. Es sind Szenen wie diese, welche der MotoGP auf dem gesamten Globus zu steigendem Zuschauerinteresse verhelfen.

Doch wo ist die Grenze zwischen einem harten und einem respektlosen Manöver? Im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com bringt Gustl Auinger, Experte bei ServusTV und Mastermind des MotoGP Rookies Cup, diese heikle Frage auf den Punkt: "Ich erzähle im Rookies Cup immer gerne ein bestimmtes Beispiel aus meiner aktiven Zeit: In Misano 1986 hatte ich einen starken Lauf und habe bemerkt, dass mir an diesem Tag einfach alles aufgeht. Ich habe einen nach dem anderen überholt und wollte schließlich am in Führung liegenden Luca Cadalora vorbei. Ich habe es an einer Stelle versucht, wo man eigentlich nicht überholen kann und er hat sich in dieser langen Linkskurve nach außen treiben lassen, wo ich gerade von hinten ankam. Er ist beinahe bis an den Rand hinausgefahren, hat mir aber genau jene zehn Zentimeter Platz gelassen, damit ich auf der Strecke bleiben kann und nicht auf dem Rasen stürze. Das ist für mich das perfekte Beispiel für hartes, aber respektvolles Fahren." Vor allem Marc Marquez und Johann Zarco stiegen in den vergangenen Jahren zu jenen Fahrern auf, über die sich ihre Kollegen am meisten beschwerten. Im Gegenzug schwang sich Altmeister Valentino Rossi zum großen Mahner für mehr gegenseitigen Respekt auf. Seine Wutrede nach dem Grand Prix von Argentinien 2018 gegen Marquez, der in diesem Rennen nicht weniger als drei Strafen kassierte, ist legendär: "Er hat sein Bein an mein Bein und mein Motorrad gelegt, denn er wusste, dass er nicht crashen würde, aber ich crashe. Er hofft, dass du stürzt. Wenn du anfängst, so herumzuspielen, hebst du das Level auf ein sehr gefährliches Niveau. Würden alle Piloten so fahren, ohne jeden Respekt für die Rivalen, wird das ein sehr gefährlicher Sport und geht ganz böse aus. Schon letzte Saison hat er so agiert, aber in diesem Jahr treibt er es auf die Spitze. Er will dir Angst einjagen und versucht immer, dich von der Strecke zu drücken. Ich habe Angst, wenn ich auf der Strecke mit Marquez unterwegs bin. Ich hatte Angst, als ich auf dem Pitboard seinen Namen hinter mir gesehen habe. Ich wusste, dass er ankommen wird. Man kann dann nur hoffen, dass man nicht stürzt. Ich bin nicht die Rennleitung, aber mit so einem Verhalten zerstört er unseren Sport. Wir sind die MotoGP und die Spitze des Motorradsports. Wenn nun alle anfangen, sich so zu verhalten, wird das hier zum Destruction Derby." Das war nur ein kleiner Auszug seiner damaligen minutenlangen Tirade gegen seinen Erzrivalen. Dabei war Rossi in früheren Zeiten selbst kein Kind von Traurigkeit. Sete Gibernau hat einen Block-Pass in der Zielkurve von Jerez im Jahr 2005 bis heute nicht verdaut. Die Fehde mit Max Biaggi hat gar epische Ausmaße, die ganze Bände füllen könnte. Sind Rossi die jungen Wilden über den Kopf gewachsen? Oder wird in der MotoGP tatsächlich zu hart und zu respektlos zu Werk gegangen? War früher alles besser? Oder bringt erst die multimediale Aufholjagd der Motorrad-WM Unsportlichkeiten ans Licht, die einst hinter einem Vorhang vor der großen Öffentlichkeit versteckt blieben? Motorsport-Magazin.com hat sich mit drei alten Hasen der Motorrad-WM über die gute alte Zeit unterhalten und geht der Frage nach, ob in der Motorrad-WM aktuell zu respektlos agiert und zu hart gefahren wird.

Nicht selten enden Zweikämpfe im Kiesbett - Foto: LAT Images

GUSTL AUINGER (aktiv von 1978 bis 1989 - 5 GP-Siege 125cc, WM-Dritter 1985 - aktuell Experte bei ServusTV und Instruktor im Red Bull Rookies Cup)

"In der Motorrad-WM hat es immer schon eine relativ raue Gangart gegeben. Zu unserer Zeit war es gang und gäbe, dass ein Gegner zu dir herübergegriffen oder dir eine mitgegeben hat. Du wusstest damals genau: Im nächsten Rennen muss ich das gleiche mit ihm machen, denn sonst versucht er das immer wieder. Das war bei uns damals normal. Die Funktionäre der FIM haben sich zu dieser Zeit um uns Fahrer aber auch überhaupt nicht geschert. Was nicht auf den Fernsehbildern zu sehen war, hat die nicht interessiert. Sie haben uns damals ja auch auf lebensgefährliche Rennstrecken geschickt - und das selbst bei strömendem Regen oder klirrender Kälte. Da hat sich niemand um die Fahrer gekümmert. Es gibt aber noch einen weiteren großen Unterschied zu heute: Damals gab es Werksmotorräder, Kundenmotorräder und dann noch mehr oder weniger selbst gebastelte Maschinen. Damit waren von vornherein andere Rennverläufe vorgezeichnet, als man sie heute kennt. Die Konkurrenz heutzutage ist riesengroß und damit auch der Druck auf die Fahrer. Das Material ist sehr ausgeglichen und jeder will einen der drei Plätze auf dem Podest ergattern. Es wird um jeden Zentimeter gekämpft und in manchen Szenen zeigt sich dann eben, dass das auch alles nur Menschen sind. Das ist alles in Ordnung, solange es nicht gefährlich wird. Die Grenze ist für mich dort erreicht, wo man dem anderen keinen Überlebensraum mehr gibt, ihn einfach rammt oder in ein Loch fährt, das gar nicht existiert. Das ist im Regelfall aber so leicht erkennbar, dass es auch rigoros bestraft wird. Das Schwierige für die Rennleitung und die Stewards ist die Tatsache, dass der Sport von harten Zweikämpfen lebt und das auch einen großen Teil der Begeisterung ausmacht. Würde man all das komplett unterbinden, dann hätte man auch weniger Fans an der Strecke und vor dem Fernseher. Und das wäre auch wieder schlecht für den Sport."

DIRK RAUDIES (aktiv 1989 bis 1997 - 14 GP-Siege 125cc, Weltmeister 1993 - aktuell Experte bei Eurosport)

"Die Motorräder werden vor allem in der MotoGP immer schneller, wodurch Attacken und Manöver für die Fahrer immer schwieriger einzuschätzen sind. Je schneller das Tempo, desto leichter passieren Fehler. Ich würde aber sagen, dass früher noch härter gefahren wurde als heutzutage. Es kam andauernd zu irgendwelchen Zwischenfällen, die damals aber nicht geahndet wurden. Was gängig ist, muss aber noch lange nicht richtig und gut sein. Man muss heutzutage schon unterscheiden: Kommt eine Berührung aufgrund eines Fehlers oder einer Fehleinschätzung zustande? Oder aufgrund eines gezielt aggressiven Manövers? Es sind oft die gleichen Piloten, die immer wieder in so etwas verstrickt sind, weshalb ein aggressiver Fahrstil schon auch eine Charakterfrage ist. Aber solche Fahrer gab es auch zu meiner Zeit. Heutzutage steht die ganze MotoGP-Szene aber viel mehr in der Öffentlichkeit, damals konnte man das noch gar nicht so hochkochen und hat das eher untereinander geregelt. Klar wurde auch damals schon viel skandalisiert, aber mittlerweile darf ja in den sozialen Medien wirklich jeder seinen Senf dazu abgeben. Der Respekt unter den Fahrern war damals aber schon größer als heute. Ich bin mit 23 oder 24 Jahren in die Weltmeisterschaft gekommen und vor allem die Fahrer der 500ccm-Klasse waren für mich Helden. Heute fangen die Jungen schon mit 16 Jahren in der WM an und steigen schnell auf. Wenn man so jung ist, hat man sowieso etwas weniger Respekt und sind die Jungs erst einmal ein paar Jahre in der WM dabei, verlieren sie zunehmend auch Respekt vor den großen Namen, die zu normalen Gegner werden, die man schlagen will. Aber dass jemand einen Gegner absichtlich abschießen will, halte ich nach wie vor für ausgeschlossen. Mit solchen Aktionen gefährdest du dich auf deinem Motorrad ja auch selbst - so etwas macht keiner."

Unter Teamkollegen wird oft vorsichtiger agiert - Foto: LAT Images

PETER ÖTTL (aktiv 1987 bis 1997 - 5 GP-Siege 80cc/125cc, WM-Dritter 1989 - aktuell Teammanager in der Moto3)

"Ich kann nicht bestätigen, dass heutzutage härter gefahren wird als zu unserer Zeit. Ich glaube aber, dass die Ausgeglichenheit zwischen dem Material, das den Fahrern zur Verfügung steht, so groß ist, dass das Überholen in erster Linie auf der fahrerischen Seite stattfinden muss. In der Moto2 und Moto3 sind die unterschiedlichen Motorräder leistungsmäßig sehr knapp beisammen. Wenn dort vier oder fünf Motorräder nebeneinander in eine Kurve einbiegen, dann passiert manchmal eben was, das war früher in der 125er-Klasse nicht anders. Auch in der MotoGP rückt das gesamte Feld immer enger zusammen. 15 Fahrer innerhalb von 16 Sekunden, wie das in Katar der Fall war - so etwas gab es früher in der großen Klasse nie. Und je ausgeglichener das Material ist, desto mehr müssen die Fahrer kämpfen, weil sie eben nicht aufgrund technischer Überlegenheit des eigenen Motorrads auf den Geraden einfach vorbeiziehen. Die Abstände und das Racing sind eben sehr eng und daher kommt es auch immer wieder zu Berührungen. Dann häufen sich solche Vorkommnisse plötzlich wieder in einer kurzen Zeit, wie das aktuell vielleicht der Fall ist. Und plötzlich spricht dann jeder darüber. Der nötige Respekt ist aber bei allen Fahrern im Paddock da und wird in unserem Sport auch immer da sein. Was das Aussprechen von Strafen betrifft, bin ich noch vom alten Schlag: Bei uns hat es im Prinzip keine Strafen gegeben, während ich heute oft das Gefühl habe, dass man sich gar nichts mehr erlauben darf. Früher wurde aber danach auch nicht so viel diskutiert und jedes Detail zerpflückt, so wie das heute der Fall ist. Natürlich gab es unsere Rennen auch schon live im Fernsehen, aber was gerade nicht im Bild war, davon hat eben niemand etwas mitbekommen. Heute kannst du dir auf dem offiziellen MotoGP-Kanal jede Szene aus der Hubschrauber-Perspektive, dem normalen TV-Bild und dann noch aus fünf verschiedenen Motorrad-Kameras anschauen. Da bleibt natürlich absolut nichts unbemerkt. Deswegen dauern aber leider auch Auswertungen durch die Stewards mittlerweile so lange."

FAZIT

In der Motorrad-WM gehörten harte Manöver immer schon zum Tagesgeschäft. Was in früheren Zeiten aber oft im Verborgenen geschah, kann heute durch zig Kameras entlang der Strecke und auf den Motorrädern aus jedem nur erdenklichen Winkel bis ins kleinste Detail analysiert werden. Kommt es zu strittigen Szenen, kann jeder noch so hitzköpfige Fan in den sozialen Medien seine Sicht der Dinge veröffentlichen. Gleichzeitig stehen die Fahrer aber selbst unter enormem Leistungsdruck. Alle Klassen der MotoGP sind technisch so ausgeglichen wie nie zuvor, die Rennen die knappsten der Geschichte. In diesem engen Korsett müssen Erfolge eingefahren werden gegen Gegner, die mindestens genauso sehr von sich überzeugt sind wie man selbst. Die MotoGP agiert stets am Limit und ist nicht zuletzt deshalb weltweit auf der Überholspur in der Gunst der Fans. All das gipfelt letztlich aber auf den Schultern der Fahrer, die in manchen Momenten zeigen, dass sie auch nur Menschen sind. Eine finale rote Linie muss dennoch gezogen werden. Diese Aufgabe obliegt der GP-Kommission mit der Erstellung des Regelwerks, der Rennleitung mit der Durchsetzung desselbigen und den FIM-Stewards mit der Sanktionierung entsprechenden Fehlverhaltens. Ein Drahtseilakt, der hart, aber trotzdem herzlich geführt werden sollte.

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