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MotoGP

MotoGP-Fahrer in Sorge: Auslaufzonen in Jerez zu klein

Nach dem heftigen Abflug von Marc Marquez und vielen Crashes schrillen bei einigen MotoGP-Fahrern die Alarmglocken. Es gibt bereits Lösungsvorschläge.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Die MotoGP wurde am Samstag in Jerez von einigen schweren Unfällen heimgesucht. Vor allem der Crash von Marc Marquez ließ den Atem der Fans stocken, als der achtfache Motorrad-Weltmeister gegen Ende des 3. Trainings in den Airfence einschlug. Insgesamt gab es in allen Klassen am Samstag 27 Stürze - neun davon in der MotoGP-Kategorie.

Das veranlasste einige Fahrer dazu, das Thema Sicherheit zur Sprache zu bringen. So meinte Pol Espargaro, der wie Marquez in Kurve 7 einschlug: "Wenn man - wie wir heute - dort zu Boden geht, noch bevor man richtig bremsen kann, dann ist die Streckenbegrenzung dort zu nahe. Es gibt dort zwar einen Airfence, aber man will sich nicht ausmalen, wenn das Motorrad in die gleiche Richtung abfliegt wie du."

Von Airfences zurückgeschleuderte Motorräder sind in der aktuellen MotoGP die größte Gefahr für Leib und Leben der Piloten. Zudem sorgen Kollisionen zwischen Fahrern und ihren Motorrädern im Kiesbett immer wieder für schlimme Verletzungen wie etwa im Vorjahr in Jerez bei Marquez.

Nach schweren Stürzen: MotoGP-Sicherheitsdebatte in Jerez: (09:24 Min.)

Probleme: Auslaufzonen und Kies

Weltmeister Joan Mir mahnte am Samstag, dass es in Jerez einige Stellen gibt, an denen nachgebessert werden sollte: "Die Auflaufzonen in Jerez sind nicht weit genug für die MotoGP. In Turn 1, 5, 7 und 10 sind wir hier am absoluten Limit. Ich bin hier 2019 gecrasht, wurde unter den Airfence gedrückt und habe die Mauer berührt."

Jack Miller ortet in Jerez ein anderes Problem: den Kies. "Das größte Problem ist für mich die Größe der Steine. Hier sind die Kiesel so groß wie Steine aus irgendeinem Fluss und wir prallen an der Oberfläche regelrecht ab, anstatt einzutauchen. Man müsste feineren Kies verwenden wie in Aragon, denn dieser absorbiert die Energie besser und bremst uns deutlich schneller ab."

Die Fahrer artikulierten ihre Wünsche bereits am Freitagabend in der Safety Commission. Die Streckenbetreiber in Jerez sollen bereits signalisiert haben, für das nächste Jahr einige Passagen zu überarbeiten. Kurve 7, in der Marquez am Samstag verunfallte, soll auf der Prioritätenliste aber nicht ganz oben stehen.

MotoGP zu schnell?

Für Valentino Rossi stellt Jerez kein besonderes Problem im Hinblick auf die Sicherheit dar, denn die Situation sei auf vielen anderen Strecken ähnlich: "Es ist natürlich immer schlecht, wenn Fahrer am Ende der Auslaufzone einschlagen, denn das ist sehr gefährlich. Aber ich denke, dass viele andere Strecken in diesem Bereich auf dem gleichen Niveau sind wie Jerez. Einige Stellen haben eben nicht mehr genug Sturzraum für das Tempo der aktuellen MotoGP-Bikes. Bremsen, Reifen, Motoren - alles wird besser, deshalb muss man auch bei den Auslaufzonen nachbessern", forderte der 42-Jährige.

Beschleunigungs- und Topspeed-Werte der MotoGP nehmen trotz eines Verbots der Motor-Entwicklung in diesem Jahr weiter zu. Neue Aerodynamik-Konzepte oder mechanische Kniffe wie der "Ride Height Adjuster" helfen dabei. In Katar und Portimao fielen Pole- und Rennrunden-Rekorde, zudem erzielte Johann Zarco mit 362,4 km/h einen neuen Geschwindigkeitsrekord für MotoGP-Bikes.

Valentino Rossi mahnte bereits in Katar, dass die Motorräder zu brutal seien. Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta verfolgt diese Entwicklung mit Sorge. "Wir behalten das ganz genau im Auge. Meine persönliche Meinung ist, dass sich der Speed der Bikes nicht weiter steigern sollte. Aber wir müssen diese Frage gemeinsam mit der MSMA (Hersteller-Vereinigung) in Angriff nehmen. Ich weiß nicht, wie das ohne große Probleme funktionieren soll", sagte der Spanier unlängst in einem Interview mit dem britischen Fachportal "motomatters.com".

So wird vorerst nichts anderes übrigbleiben, als sämtliche kritischen Stellen genau im Auge zu behalten und zu entschärfen, wo dies möglich ist. Jack Miller sieht diese Aufgabe durch die Offiziellen bislang gut erledigt: "Früher sind die Fahrer mit Reifenstapeln als Begrenzung gefahren. Was wir jetzt haben, ist im Vergleich dazu fantastisch." Daher gingen auch alle 27 Unfälle am Samstag glimpflich aus. Doch der Teufel schläft bekanntlich nicht.


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