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MotoGP

Top-5: Die schlimmsten MotoGP-Krisen

2020 stand die MotoGP aufgrund der Corona-Pandemie monatelang still. Die Krise war aber nicht die erste, die die Motorrad-WM überstehen musste.
von Sophie Riga

5. Die Saison 1980

Der Start der MotoGP wurde um mehr als vier Monate nach hinten verschoben. In der langen Geschichte der Zweirad-WM gab es jedoch schon einmal einen Fall, in dem der Saisonstart deutlich später als geplant stattfand. Im Jahr 1980 mussten Legenden wie Kenny Roberts und Randy Mamola auf die ersten zwei Rennwochenenden verzichten, bevor sie sich in den Kampf um den WM-Titel stürzen konnten. Der eigentliche Auftakt der Saison 1980 sollte auf dem San Carlos Circuit in Venezuela stattfinden. Dazu kam es aber nie, denn aufgrund von finanziellen Problemen musste das Rennen ersatzlos gestrichen werden. Weitergehen sollte es daraufhin eigentlich Anfang April auf dem Salzburgring in Österreich, doch auch dieses Rennen fand nie statt. Jedoch aus einem weitaus kurioseren Grund als aus finanziellen Nöten. Stattdessen begrüßte eine fast einen Meter hohe Schneedecke am Sonntagmorgen Fahrer, Teams und Zuschauer. Damit konnten die Veranstalter auch dieses Rennen abschreiben. Zum ersten Fight des Jahres kam es deshalb erst Anfang Mai in Misano.

4. Die Sicherheitsboykotte der 70er-Jahre

Die 1970er-Jahre waren wilde Zeiten für den Motorradrennsport. Die Isle of Man TT im Jahr 1970 war mit insgesamt sechs Todesfällen die tödlichste Ausgabe des Rennens jemals und auch in den darauffolgenden Jahren kam es auf der Isle of Man, aber auch auf anderen Strecken immer wieder zu Todesfällen. Nachdem Gilberto Parlotti bei der TT im Jahr 1972 verstarb, entschied sich Giacomo Agostini dazu, nie wieder auf der Isle of Man anzutreten. Für ihn war das Rennen zu gefährlich, um als Teil der Weltmeisterschaft gewertet zu werden und so professionelle Rennfahrer zu zwingen, an ihm teilzunehmen. Viele Piloten schlossen sich diesem Boykott an, sodass das Rennen ab 1977 nicht mehr Teil des WM-Kalenders war. Damit endeten die Sicherheitsbedenken der Zweirad-Helden in diesem Jahrzehnt aber nicht. Ein Jahr nach Agostinis angekündigtem TT-Boykott forderten die Fahrer der 125cc-Klasse beim Belgien GP zusätzliche Strohballen, um eine höhere Sicherheit zu gewährleisten. Da diese nicht zeitnahe besorgt werden konnten, traten die Piloten das Training am Freitag nicht an.

3. Die 90er-Jahre

Auch Anfang der 1990er-Jahre steckte die WM in reichlich Schwierigkeiten: Kein Geld und keine Bikes sorgten für gähnende Leere im Grid. Und die Bikes, die es gab, schmissen ihre Piloten mit schöner Regelmäßigkeit ab, sodass diese eher im Krankenhaus als auf dem Podium landeten. Beim Jugoslawien GP 1990 kamen etwa nur neun Fahrer ins Ziel. Wayne Rainey siegte, mit über zehn Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten und mehreren Runden Vorsprung auf das hintere Fahrerfeld. Kein Wunder, saßen diese auch auf bis zu fünf Jahre alten Bikes. Das Überleben der Königsklasse hing an einem seidenen Faden. Rettung fand sie in der Anpassung des technischen Reglements, das die Kosten senkte und vor allem in Kenny Roberts, der als Teamchef jahrelang bei den Herstellern um Hilfe bat. Er fand schließlich Gehör, sodass die Zweirad-Königsklasse dem Vorbild der Formel 1 folgte, wo große Hersteller Motoren an private Teams leasten, die sich ihre Chassis anderswo besorgten. Schlagartig wuchs das Fahrerfeld mit dieser Methode von knapp 20 auf fast 30 Piloten an. Damit konnte die Königsklasse dem Tod noch einmal von der Schippe springen.

Anfang der 90er-Jahre war die Königsklasse eine Zweiklassengesellschaft - Foto: Milagro

2. Weltfinanzkrise 2009

Ende der 2000er-Jahre stürzte die globale Finanzkrise die ganze Welt in Schwierigkeiten. Damit blieb natürlich auch die MotoGP nicht unverschont von deren Folgen. Während sich bereits in den Jahren zuvor einige Parteien für eine Kostenreduzierung in der Königsklasse aussprachen, hielten die damaligen Hersteller Honda, Yamaha, Ducati, Suzuki und Kawasaki dagegen. Dies änderte sich erst mit der Finanzkrise, die auch große Unternehmen wie Honda und Co. zwang, ihre Budgets für den Rennsport drastisch zu begrenzen, um Entlassungen in anderen Teilen der Firma vorzubeugen. Kawasaki und Suzuki als kleinere Hersteller hatten weniger Glück und beendeten ihr MotoGP-Engagement. Für Satelliten-Teams, die aufgrund der hohen Kosten für einen Start in der MotoGP ohnehin schon ein schweres Leben hatten, wurde die Sponsorensuche zu dieser Zeit noch härter. Alle Beteiligten gingen durch eine harte Zeit, die sich am Ende aber in eine Chance verwandelte. Denn erstmals waren alle Parteien gleichermaßen von finanziellen Problemen betroffen und so offener für Änderungen am Regelwerk, die die Kosten senkten.

1. Corona-Virus 2020

Trotz aller Schwierigkeiten, die die Motorrad-Weltmeisterschaft in ihren mittlerweile über 70 Jahren überstanden hat, war die Corona-Krise 2020 wohl die größte Hürde, die es bisher zu nehmen galt. Die ersten Rennen der Saison wurden nach und nach entweder ganz abgesagt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Das gab es in dieser Größenordnung in der Geschichte der Motorrad-Weltmeisterschaft noch nie. Und ein Ende war zunächst nicht in Sicht: Wie lange es dauern würde, bis die MotoGP-Saison 2020 tatsächlich starten wird, wusste lange Zeit niemand. Genauso wenig, wie viele Rennen in diesem Jahr überhaupt ausgetragen werden könnten. Sogar mit dem Gedanken an eine komplett gestrichene Saison mussten sich alle Beteiligten auseinandersetzen. Mit so einer schwierigen Situation sahen sich weder die Piloten, noch MotoGP-Vermarkter Dorna bisher konfrontiert.

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