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Pit Beirer erklärt: Darum musste Johann Zarco bei KTM gehen

Nach dem MotoGP-Aus für Johann Zarco musste sich KTM in Aragon erklären. Sportchef Pit Beirer im Wortlaut zum Flop des Jahres.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Warum musste Johann Zarco bei KTM schon jetzt gehen? Diese Frage stellten sich viele MotoGP-Fans, weshalb Sportchef Pit Beirer am Freitag im Paddock des Motorland Aragon zu einer Pressekonferenz lud. Dort gab es 25 Minuten lang Auskunft über das vorzeitige Ende der vermeintlichen Traumehe. Motorsport-Magazin.com fasst die wichtigsten Aussagen von Beirer zusammen:

Beirer über das Scheitern der Zusammenarbeit

"Wir dachten, er und Pol würden einander pushen, aber es ist kein Geheimnis, dass wir Probleme hatten, seit er das erste Mal ein Bein über das Motorrad geschwungen hat beim ersten Test in Valencia. Es kam überraschend für uns, dass er von Beginn an nie auf dem Level von Pol agieren konnte. Von Beginn an gab es Stürze, sobald er versucht hat ans Limit zu gehen. Es tut uns leid, dass wir ihm nie das Motorrad zur Verfügung stellen konnten, das er gebraucht hätte. Im Gegenzug hat aber auch er nie den Schritt vollbracht, selbst dem Motorrad zu helfen, dieses Niveau zu erreichen. Ich hoffe, dass er einen Platz für ein Comeback in diesem Paddock findet."

Beirer über den Charakter von Johann Zarco

"Johann hatte seine Emotionen nicht im Griff. Ich rede da nicht von der einen oder anderen nicht ganz so netten Aussage über unser Motorrad, sondern über den selbst auferlegten Stress, wegen dem einfach nichts mehr locker von der Hand lief. Natürlich muss man emotional und kraftvoll agieren, um auf diesem Level in der MotoGP bestehen zu können. Aber manchmal muss man gewisse Dinge auch auf ruhige Art und Weise analysieren können. Genau in diesem Punkt war er zu heißblütig. Wenn man mit ihm außerhalb der Box gesprochen hat, lief stets alles ruhig ab. Aber sobald er im Rennmodus war, konnte er seine Emotionen nicht bändigen."

Beirer über die Umstellungen in Zarcos Umfeld

"In meinen Augen war es bereits ein Fehler, dass er sich von Laurent Fellon (langjähriger Manager Zarcos) getrennt hat. Der konnte ihn mental besser steuern. Wir hatten leider das Pech, Johann im falschen Moment zu bekommen, als er glaubte, seine Dinge selbst organisieren zu müssen und auf Laurent zu verzichten. Er wollte seine alten Verbindungen kappen, aber genau diese Verbindungen wären hilfreich gewesen, ihn fokussiert zu halten."

Beirer über Zarcos Einstellung zum Job als Werksfahrer

"In einem Werksteam machst du dir als Fahrer dein eigenes Motorrad. Es gibt eine Basis, aber dann kannst du aus hunderten Teilen auswählen. Wenn du zehnmal das falsche nimmst, hast du plötzlich ein komplett anderes Motorrad als dein Teamkollege. Wenn du als Werksfahrer überleben willst, musst du sehr behutsam mit diesen Möglichkeiten umgehen. Er war es nicht gewohnt, viele Sachen zu testen, denn bei Herve (Tech3-Teamchef Poncharal) musste er nur auf ein fertiges Motorrad springen und sich nur um die Abstimmung kümmern. Damit erreicht man aber nur ein gewisses Niveau und wenn du die WM gewinnen willst, musste du dir in einem Werksteam dein eigenes Bike zusammenstellen."

Pit Beirer über Zarcos Aufgabe in Assen

"Damals war ich echt sauer. Man kann alles rechtfertigen, aber wir dürfen nicht einfach aufgeben, so lange der Fahrer gesund ist und sich die Räder des Motorrads noch drehen können. Das war das Schlimmste, was er uns als Team antun konnte. Es hat damals beschlossen, intensiver zu trainieren und physisch stärker zu werden für das Motorrad. Ich denke, es gab einen Zeitpunkt, als er zu hart trainiert hat und nicht gut erholt zu den Rennwochenenden gereist ist."

Pit Beirer über den zündenden Funken für den Rauswurf

"Wir sind sehr stolz auf die Fortschritte der letzten Wochen und das alles hat ja auch ihm geholfen. Der Samstag in Misano war für mich außergewöhnlich und Johanns Zeit in Q2 auf gebrauchten Reifen hat gezeigt, was er auf einem Motorrad zustande bringen kann. Das Rennwochenende war also in Ordnung, aber er hat uns am Montag das Gefühl vermittelt, alles schon wieder neustarten zu müssen. Das war der Moment, in dem ich die Hoffnung verloren habe, mit ihm noch einmal die Kurve zu bekommen. Wenn man so ein Wochenende nicht als positives Signal nutzen kann, dass ist das wie aufgeben."

Pit Beirer über die Idee hinter der Verpflichtung Zarcos

"Mir war nicht klar, dass der Unterschied in der Fahrbarkeit zwischen den beiden Motorrädern (Yamaha und KTM) so groß ist. Wir dachten: Johann ist einer, der auf einer alten Yamaha die Werksfahrer schlägt. Er muss also ein Kämpfer sein, der sich nicht um das Material schert, das er bekommt. Er hat sich damals einfach das Bike geschnappt und war damit schnell. Deshalb haben wir gesagt: Das ist der Mann, den wir brauchen, um unser Projekt voranzubringen. Aber es hat leider nicht funktioniert."


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