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MotoGP-Analyse: Hatte Fabio Quartararo Podestpotenzial?

Fabio Quartararo hatte sich für sein MotoGP-Heimrennen in Le Mans viel vorgenommen. Warum hat es dennoch nicht geklappt? Die GP-Analyse.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Marc Marquez holte beim MotoGP-Rennen in Le Mans seinen dritten Saisonsieg und baute damit seine WM-Führung aus. Im Gegensatz zu den letzten Rennen, in denen er zur Soloflucht ausholen konnte, musste er diesmal etwas härter kämpfen - zumindest in den ersten Runden. Spannendere Duelle blieben uns an diesem Sonntag verwehrt, weil ein bärenstarker Rookie früh seine Chancen auf das Podest vergab, wie unsere Rennanalyse zum Grand Prix von Frankreich zeigt:

Marc Marquez erneut dominant

MotoGP-Weltmeister Marc Marquez hatte seit dem verlorenen Zieleinlauf in Katar jede einzelne Runde angeführt, in der er aktiv im Rennen war. Von Pole Position gelang ihm das zunächst auch in Le Mans. Allerdings bekam er dann unerwartete Gegenwehr von Jack Miller, der ihm in den Runden 5 und 6 die Führung abluchsen konnte. In den Runden 4 und 5 war Jack Miller sogar der schnellste Mann im Feld und hielt zu diesem Zeitpunkt mit 1:32,383 (Lap 4) auch die schnellste Rennrunde.

Doch er sollte diese starke Performance nicht halten können. In Lap 7 eroberte Marquez die Spitzenposition zurück und zündete - wie bereits in den vergangenen Rennen - sofort den Turbo. Von Runde 8 bis 15 war Marc Marquez achtmal in Folge der schnellste Mann im gesamten Feld und schnappte Miller in 1:32,362 (Lap 11) auch die schnellste Rennrunde weg.

Marquez konnte seinen Vorsprung zwischen Runde 8 und 15 von 0,3 auf 1,5 Sekunden ausbauen. Außer Miller und Andrea Dovizioso konnte sich nach der ersten Rennhälfte kein Fahrer innerhalb von drei Sekunden Rückstand zu Marquez halten. Damit hatte er nicht nur das Feld gesprengt, sondern auch den Grundstein zu seinem Sieg gelegt.

Fabio Quartararo: Großes Potenzial verschenkt

Ein Blick auf die schnellsten Einzelzeiten des Rennens zeigt allerdings, dass ein Mann im Hinblick auf die Pace das Tempo von Marquez annähernd mitgehen hätte können - zumindest über Teile der Renndistanz: Fabio Quartararo. Der Lokalmatador aus dem Petronas-Yamaha-Team zeigte nicht nur in Runde 20 die final schnellste Rennrunde, sondern fuhr insgesamt fünf der zehn besten Einzelzeiten.

Die zehn schnellsten Einzelrunden in Austin:

P Fahrer Zeit Runde
1. Fabio Quartararo 1:32,355 Lap 20
2. Marc Marquez 1:32,362 Lap 11
3. Jack Miller 1:32,383 Lap 4
4. Fabio Quartararo 1:32,389 Lap 22
5. Fabio Quartararo 1:32,417 Lap 24
6. Marc Marquez 1:32,432 Lap 13
7. Fabio Quartararo 1:32,445 Lap 17
8. Marc Marquez 1:32,455 Lap 12
9. Fabio Quartararo 1:32,470 Lap 16
10. Marc Marquez 1:32,476 Lap 14

Im direkten Vergleich Marc Marquez vs. Fabio Quartararo war der spätere GP-Sieger in den insgesamt 27 Runden 15 Mal der schnellere Mann, während Quartararo in 12 Runden schneller war als Marquez. Eine derart gute Bilanz gegen MotoGP-Weltmeister hatte an diesem Tag niemand. Doch was kompromittierte das Rennen des Franzosen, der am Ende nur Rang 8 holte und damit nicht einmal sein bestes Saisonergebnis holte?

Drei Faktoren zerstörten Quartararos Rennen früh: Zunächst die Startposition, denn während er vor zwei Wochen in Jerez noch von Pole Position starten konnte, musste er diesmal von P10 und somit aus der vierten Reihe ins Rennen gehen. Ein schlechter Start kostete ihn - und das ist Faktor zwei - weitere fünf Plätze. Faktor drei kam schließlich in Lap 4 hinzu, als Quartararo in einem Duell mit Maverick Vinales weit gehen musste und sich somit nur noch auf P17 fand. Das Rennen war somit nach sechseinhalb Minuten zerstört.

Quartararo fand sich zu diesem Zeitpunkt mit 7,2 Sekunden Rückstand wieder, zeigte danach aber, dass er ohne die Zwischenfälle die Pace für die vordersten Plätze gehabt hätte. Zwischen der 5. und der vorletzten Runde büßte er auf Marquez nur 2,2 Sekunden ein - und das obwohl er mit Miguel Oliveira, Johann Zarco, Aleix Espargaro, Taka Nakagami, Alex Rins, Jorge Lorenzo und Cal Crutchlow in diesem Zeitraum sieben Fahrer überholte, während Marquez nur ein Überholmanöver (jenes gegen Miller in Lap 7) setzen musste und den Großteil des Rennens frei fahren konnte.

Dass Quartararo Marquez um den Sieg fordern hätte können, darf allerdings bezweifelt werden, denn der Soloflüchtige an der Spitze hatte wohl noch Reserven, während Quartararo am absoluten Limit unterwegs war, wie er nach dem Rennen zugab: "Nach den Zwischenfällen in den ersten Runden habe ich einfach nur noch bis zum Anschlag gepusht. Es war mir egal, dass ich dadurch riskierte, meine Reifen zu zerstören. Das ist zum Glück aber ohnehin nicht geschehen."

Immerhin: Zwischen der 5. und der vorletzten Runde war Quartararo hinter Sieger Marquez und den beiden Podestfahrern Dovizioso und Petrucci der viertschnellste Mann im Feld und damit die stärkste Yamaha in diesem Zeitraum - auch wenn Valentino Rossi nur um lediglich vier Zehntelsekunden langsamer war.

Ergebnis Lap 5 - 26

P Fahrer Rückstand
1. Marc Marquez
2. Danilo Petrucci +1,481
3. Andrea Dovizioso +1,862
4. Fabio Quartararo +2,231
5. Valentino Rossi +2,673

Anmerkung: Die letzte Runde fließt nicht in diese Statistik ein, da einige Piloten über Start/Ziel nicht mehr voll durchgezogen haben und teilweise 1 Sekunde langsamer waren als in der Runde davor.

Fazit: Quartararo bringt sich um mehr

Beim französischen Rookie Fabio Quartararo kann man mittlerweile nicht mehr von einer Eintagsfliege sprechen. Einem starken Rennen in Jerez folgte ein weiteres starkes in Le Mans. War sein Ausfall vor zwei Wochen noch völlig unverschuldet, so muss er sich diesmal zumindest das schwache Qualifying und den schlechten Start vorwerfen. Was die Pace im Rennen anbelangt, konnte er aber einmal mehr voll mit den Yamaha-Werksfahrern mithalten.

Für Marc Marquez sind das gute Nachrichten, denn jeder Fahrer, der seinen Konkurrenten Dovizioso, Rins und Rossi Punkte wegnehmen kann, ist herzlich willkommen. Der MotoGP-Champion zeigte ein weiteres glanzvolles Rennen, auch wenn er diesmal härter eine Spur härter kämpfen musste als für seine ersten beiden Saisonsiege. Ducati bewies durch die Plätze zwei bis vier, warum viele Experten die Rote Rennfraktion aus Bologna vor diesem Wochenende so weit oben auf der Favoritenliste hatten.


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