MotoGP

Nicky Hayden: Ride On, Kentucky Kid

Die Motorrad-Community verlor am 22.5. einen ihrer sympathischsten Helden. Nicky Hayden verstarb im Alter von nur 35 Jahren an den Folgen eines Rad-Unfalls.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Am 22. Mai 2017 wurde kurz nach 18:00 Uhr traurige Gewissheit, was viele schon seit Tagen befürchtet hatten: Die Folgen eines Unfalls mit seinem Rennrad rissen Nicky Hayden aus dem Leben. Fünf Tage zuvor hatten sich am frühen Nachmittag die ersten Nachrichten über den Unfall im Internet verbreitet. Fotos und ein Video von einem völlig verbeulten Rad und der zerborstenen Windschutzscheibe eines Peugeot 207 machten die Runde und ließen Nicky Haydens Fans rund um den Globus erstmals bangen.

Von diesem Moment an hofften alle auf eine rasche Entwarnung und positive Nachrichten, die aber nie kommen sollten. Mehrere Knochenbrüche und innere Verletzungen im Bauchbereich trug Hayden davon, deutlich schwerer wog aber ein Schädel-Hirn-Trauma und Haydens generelle Verfassung, die tagelang immer wieder von den Ärzten als "extrem kritisch" beschrieben wurde. Von dem Moment an, als ihn das Auto an jener Kreuzung nur wenige hundert Meter entfernt vom "Misano World Circuit Marco Simoncelli" traf, kam Hayden nie wieder zu Bewusstsein. Nach fünf Tagen bangen Wartens war der wichtigste Kampf seines Lebens letztlich zu Ende. Hayden wurde nur 35 Jahre alt.

Nicky Hayden: Zitate

"Motorräder zu fahren ist ein Lebensgefühl für mich. Das ist, was ich kann, das ist, was ich immer tun werde und das ist mehr als ein Job für mich. Es ist meine Passion."

"Es ist wie ein Tanz. Du musst mit dem Motorrad zusammenarbeiten, gemeinsam tanzen. Wenn du richtig schnell sein willst, verschmelzen die Bewegungen."

"Mein Sprung in die MotoGP war einer ins kalte Wasser. Ich war noch immer ein Kind, das im Herzen Dirttracker war und sich bis vor kurzem ein Zimmer mit seinem Bruder geteilt hatte."

"Rennfahren liegt uns im Blut. Meine Mutter ist Rennen gefahren, mein Vater auch. Sobald wir laufen konnten, saßen wir bereits auf Motorrädern."

"Die Leute haben meinen Vater oft gefragt: 'Musst du ihn zum Trainieren zwingen?' Er antworte: 'Nein, ich musste ihn zwingen, die Hausübung zu machen und seine Zähne zu putzen."

Andere über Nicky...

"Obwohl dies eine sehr traurige Zeit ist, hätten wir gerne, dass alle Nicky zu seinen glücklichsten Momenten in Erinnerung behalten - im Sattel eines Motorrads. Schon als Kind träumte er davon, professioneller Rennfahrer zu werden." - Tommy Hayden

"Du warst eine Legende als Rennfahrer und als Bruder. Du warst immer für mich da, egal was in unseren Leben gerade abging." - Roger Lee Hayden

"Unser Vater ist ein Pferdenarr. Wir haben darüber nachgedacht, Jockeys zu werden, doch dann hat sich unsere Schwester bei einem Reitunfall das Handgelenk gebrochen. Da dachten wir uns, fahren wir lieber Motorradrennen. Das ist ungefährlicher." - Die Hayden-Brüder scherzten 2005 bei Jay Leno

"Die schönste Erinnerung, die ich an ihn habe: Als er mir nach dem Rennen in Valencia 2015 auf der Ehrenrunde die Hand reichte. Für ihn war es das 'Goodbye' zur MotoGP, während ich die WM verloren hatte. Sein unterstützender Blick durch seinen Helm hindurch, ist eine der schönsten Erinnerungen, die ich an diesen Tag habe." - Valentino Rossi

"Du warst der einfachste und netteste Mann, den ich je in einem Paddock getroffen habe." - Aleix Espargaro

"Ich erinnere mich an Phillip Island und eine legendäre Party zurück. Er meinte irgendwann, dass er jetzt schlafen gehe. Um sechs Uhr morgens war er immer noch dort." - Marc Marquez

2006 am Gipfel: Nicky Hayden als MotoGP-Weltmeister - Foto: Repsol Honda

Nicky Haydens Karriere:

Nicky Hayden bestritt in seiner Karriere 218 MotoGP-Rennen. Nur Alex Barros und Valentino Rossi starteten öfter in der Königsklasse.

Drei Brüder, ein Titel: Nicky wurde 1999 Meister der AMA Supersport. Ein Kunststück, das ihm beide Brüder nachmachten. 2004 und 2005 holte Tommy die Meisterschaft, 2007 auch Roger Lee.

Nicky Hayden holte 2006 den bislang letzten WM-Titel der USA. Kenny Roberts Vater und Sohn, Freddie Spencer, Eddie Lawson, Wayne Rainey, John Kocinski und Kevin Schwantz sind allesamt noch am Leben, Nicky somit der einzige verstorbene US-Weltmeister.

2016 gewann Nicky in Sepang sein erstes und einziges Superbike-Rennen. Siege in WSBK und MotoGP holten vor Hayden nur 16 Fahrer.

Heim-Spezialist: Zwei seiner drei Siege in der MotoGP holte Hayden in Laguna Seca. In Indianapolis stand er zweimal auf dem Podest.

Freunde fürs Leben: Valentino Rossi war 2003 Haydens Teamkollege in dessen Premieren-Saison bei Repsol Honda. 2011 und 2012 fuhr das Duo erneut gemeinsam - für Ducati.

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