MotoGP

Karbongabeln: Das bringen die neuen Teile in der MotoGP

2017 setzt erstmals ein großer Teil der MotoGP-Hersteller auf Federgabeln aus Karbon. Motorsport-Magazin.com erklärt Vor- und Nachteile der Konstruktion.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Was Feder- und Dämpfungselemente betrifft, wurde die MotoGP in den letzten Jahren zum Monopol. Sämtliche Hersteller wechselten früher oder später auf Material des schwedischen Herstellers Öhlins, im Vorjahr war das gesamte Feld damit unterwegs. Erst in dieser Saison kam mit den beiden Werks-KTM, die mit hauseigenen Teilen von WP Suspension bestückt sind, wieder etwas Konkurrenz in die Königsklasse. Und prompt zauberte Öhlins eine spannende Neuentwicklung aus dem Hut: Federgabeln aus Karbon.

Karbongabel: Alte Idee, neu gemacht

Die Idee ist zwar nicht wirklich neu - Karbonelemente kamen erstmals schon in den 80er-Jahren an 250ccm-Aprilias zum Einsatz - nun scheint sich das Konzept aber erstmals durchzusetzen. Der Grund liegt im mittlerweile deutlich einfacheren Fertigungsprozess von Karbonteilen, der einen Einsatz auch praktisch sinnvoll macht.

Gelingt einem mit dieser Gabel ein perfektes Setup, kann sie über die Renndistanz bis zu zehn Sekunden bringen.
Thomas Alatalo

Öhlins bekam in den letzten Jahren Anfragen von unterschiedlichen Herstellern bezüglich der Karbongabeln und begann daraufhin mit der Entwicklung. Das größte Interesse kam dabei stets von Ducati, die Italiener waren auch der erste Hersteller, der die neue Gabel einsetzte. Andrea Dovizioso und Co. testeten die Teile im Winter und fuhren sie vom Saisonauftakt in Katar an auch im Rennen.

Karbongabel als Ducatis Problemlöser

Die Gründe für das besonders große Interesse seitens Ducatis liegen auf der Hand. Zwar bekam die Truppe aus Borgo Panigale das chronische Untersteuern ihrer Desmosedici in den letzten Jahren einigermaßen in den Griff, von der Agilität einer Yamaha M1 ist man beispielsweise aber immer noch weit entfernt. Die Federgabel ist ein relativ schwerer Teil an einer MotoGP-Maschine, das Gewicht befindet sich noch dazu sehr weit vorne und hoch am Motorrad - absolutes Gift für dynamisches Einlenken.

Bei der neuen Gabel werden die aufgrund der bei Rennmaschinen üblichen Upside-Down-Konstruktion oben liegenden äußeren Rohre aus Karbon gefertigt, die inneren Rohre bestehen weiterhin aus Aluminium. Durch das neue Material werden rund 400 Gramm eingespart - im Tausendstelkrimi MotoGP ein beträchtlicher Wert. Die Gewichtsersparnis macht sich neben dem Handling klarerweise auch in allen anderen Leistungsparametern bemerkbar. "Gelingt einem mit dieser Gabel ein perfektes Setup, kann sie über die Renndistanz bis zu zehn Sekunden bringen", meint Öhlins-Ingenieur Thomas Alatalo gegenüber 'bikesportnews.com'. Eine Einschätzung, die doch sehr optimistisch wirkt. Dass die Gewichtsersparnis Zeit bringt, liegt aber auf der Hand. Gut möglich, dass sie zum Aufschwung Ducatis 2017 beigetragen hat.

Links: Die schwarze Karbongabel / Rechts: Die mattgoldene Aluminiumvariante - Foto: Motorsport-Magazin.com

Das scheint man sich auch bei der Konkurrenz von Honda und Yamaha gedacht zu haben. Denn in den letzten Rennen wechselten auch die Japaner auf Karbonmaterial, Honda in Brünn und Yamaha in Spielberg. Hier gab es aber nicht nur positive Rückmeldungen. Maverick Vinales etwa klagte über geringere Stabilität, hervorgerufen durch das geringere Gewicht - ein klassischer Kompromiss.

Und wie reagiert man beim KTM-Subunternehmen WP Suspension auf die Innovation aus Schweden? Auch die Österreicher arbeiten bereits an Karbonteilen, ob beziehungsweise wann sie zum Einsatz kommen ist aber noch nicht bekannt.


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