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MotoGP / Interview

Noch kein perfekter Italiener - Ben Spies

Zum Abschied von Ben Spies erinnern wir uns an ein interessantes Gespräch mit ihm, in dem er sich vor etwa einem Jahr noch über die Gerüchteküche lustig machte.
von Maria Pohlmann

Motorsport-Magazin.com - Du hast dich über die ganzen Gerüchte über deine Zukunft sehr amüsiert. Welche Optionen hattest du wirklich?
Ben Spies: Ja, ich fand das ziemlich lustig. Ich hatte alle. [lacht] Es gab viel Interesse von allen Seiten und das war ein wirklich gutes Gefühl. Schließlich mussten wir uns aber entscheiden, was wir nächstes Jahr machen wollen.

Wie wirst du das Ducati-Projekt angehen?
Ben Spies: Nächstes Jahr steht uns eine große Herausforderung bevor, es ist eine große Veränderung. Veränderungen können manchmal wirklich gut sein. Wir können es noch nicht wissen, bevor wir das Bike nicht gefahren sind. Ich konzentriere mich aber erst einmal auf den nächsten Tag. Wir wissen jetzt, was wir im nächsten Jahr machen und alle anderen wissen es auch. Momentan will ich aber noch nicht zu viel darüber sprechen, denn es ist noch so lange hin. Ich bin aber gespannt auf das nächste Jahr, ich freue mich darauf. Es wird eine große Herausforderung und ziemlich hart.

Ich denke wirklich, dass wir noch viel in der GP zu erreichen haben. Wir müssen es aber tun und deshalb sind wir geblieben
Ben Spies

Hast du wirklich ans Aufhören gedacht?
Ben Spies: Ja, sicher. Ich habe lange darüber nachgedacht, wieder in die World Superbike zurückzukehren und hatte noch viele andere Dinge im Hinterkopf. Ich habe lange nachgedacht, aber das lag nicht an den Angeboten, denn wir hatten viele tolle Angebote in der GP, World Superbike und in der AMA in Amerika. Es lag mehr an mir, ich dachte immer so für mich, dass ich in der GP noch nicht das erreicht habe, was ich erreichen kann. Ob das nun ein WM-Titel, ein Rennsieg oder ein Podium wird wissen wir nicht, aber ich weiß, dass wir noch keine so gute Saison gezeigt haben, zu der wir meiner Meinung nach in der Lage sind. Ich will das in vier oder fünf Jahren nicht bereuen und deshalb bin ich geblieben. Ich denke wirklich, dass wir noch viel in der GP zu erreichen haben. Wir müssen es aber tun und deshalb sind wir geblieben. Es war keine schwere, aber eine lange Entscheidung für mich. Ich musste verstehen, mich dabei wohlzufühlen und schließlich steht alles für nächstes Jahr und es ist perfekt für mich. Ich bin glücklich damit. Wir müssen einfach abwarten, wie der Speed und die Ergebnisse im nächsten Jahr sein werden.

Du hast auch genügend Superbike-Erfahrung. Was hältst du von Jonathan Reas ersten MotoGP Rennen?
Ben Spies: Ich denke, dass es im ersten Rennen ziemlich schwer für ihn war. Er konnte sein volles Potenzial nicht ganz zeigen. In Aragon war er schon gefahren, hatte das Bike schon getestet und er fühlte sich viel besser auf dem Bike. Mein zweites Renn-Wochenende in der MotoGP war auf einer Suzuki in Indy. Wir haben uns auf Platz vier oder fünf qualifiziert und sind im Regen Fünfte geworden und hatten ein gutes Wochenende. Er hatte keinen Druck und ich denke, dass er das Bike und die Strecke nun kannte und sich voll aufs Ergebnis konzentrieren konnte.

Ben Spies versucht noch Sinn in seine italienischen Sätze zu bekommen - Foto: Milagro

Was war für dich das Schwierigste, als du zum ersten Mal auf das GP-Bike gestiegen bist?
Ben Spies: Ich würde sagen die Reifen waren am schwierigsten, das Bike an sich ist war auch komplett anders, aber die Reifen waren am unterschiedlichsten. Also das Gleiche, was Johnny auch sagte. Man fühlt sich ganz anders, aber die Reifen machen wirklich den größten Unterschied.

Wer ist allgemein dein Lieblings-Rivale auf der Strecke?
Ben Spies: Ich habe dieses Jahr schon gegen viele Leute gekämpft. Allgemein würde ich sagen, dass die Leute in Amerika am besten waren. Wir mochten uns gegenseitig sehr und auf der Strecke hatten wir enormen Respekt voreinander, fuhren aber auch sehr hart gegeneinander. In der MotoGP hatten wir die besten Kämpfe mit Marco [Simoncelli]. In der Superbike war es Haga.

Du lebst in Italien, hast dort ein Haus, eine Freundin und bist nächstes Jahr noch in einem italienischen Team. Lernst du bereits die Sprache?
Ben Spies: Ich werde mich demnächst sicherlich mehr anstrengen, kann aber nicht versprechen, dass ich nächstes Jahr ein perfekter Italiener bin. Wenn ich nach Hause komme, werde ich jeden Tag 20 bis 30 Minuten am Tag lernen. Ich kenne schon viele Wörter, kann die Sprache aber noch nicht flüssig sprechen. Wenn die Italiener reden, verstehe ich aber schon, was sie sagen. Das ist das Wichtigste und jetzt brauche ich einfach noch eine Weile, Sinn in meine Sätze zu bekommen. Das ist ein Ziel für diesen Winter.

Es scheint, als hättest du dich in Europa wirklich gut eingelebt. Hast du schon einmal darüber nachgedacht, später wieder in die USA zurückzukehren?
Ben Spies: Amerika ist meine Heimat und sobald ich Zeit habe, komme ich nach Hause. Ich würde sagen, dass Italien zwar nicht meine Heimat ist, aber ein Ort, an dem ich mich wohler fühle. Wenn ich in Como, Italien, bin fühle ich mich zu Hause, aber es ist nicht das gleiche Gefühl wie in Texas. Ich fühle mich jetzt auf jeden Fall wohler als noch vor zwei Jahren, aber Heimat ist Heimat. Wenn ich mal mit dem Rennfahren aufhöre, werde ich sicherlich wieder nach Amerika zurückkehren.

Wir bekommen zwar gutes Geld, können die Welt bereisen und alles, aber es ist nicht immer so leicht
Ben Spies

Was machst du so in deiner Freizeit, wenn kein Rennen ansteht?
Ben Spies: Ausruhen, weil unser Plan echt hektisch ist, es geht von Medienterminen, übers Fliegen, dies und das. Es ist für uns Fahrer schwieriger, als Leute von außen her vermuten. Wir bekommen zwar gutes Geld, können die Welt bereisen und alles, aber es ist nicht immer so leicht. In meiner Freizeit mache ich einfach das, was ich gerne mache. Ich hänge mit Freunden ab, ziehe mir Filme rein, entspanne mich einfach.

Gibt es eine Sportart, die du nicht magst?
Ben Spies: Cricket und Snooker. Ich verstehe Cricket einfach nicht, ich kenne die Regeln nicht und es kommt dauernd im TV und unterbricht immer die Sendungen, die ich sehen will. Snooker ist einfach nur langweilig! [lacht] Es läuft zu oft im TV und es dauert zu lange. Das sind echt die einzigen beiden Sportarten, die ich nicht mag. Die anderen Sportarten interessieren mich vielleicht nicht ganz so sehr, aber ich sehe es mir an.

Wie kann man dich verärgern?
Ben Spies: Wenn jemand mies zu den Leuten ist, die mir wichtig sind, also Freunde, Familie. Sollte jemand gemein zu diesen Leuten sein und sie es wirklich nicht verdient haben, pisst mich das an.

Es gab schon viele Pramac-Fahrer, die nach nur einer Saison auf ein CRT-Bike oder in die Moto2 'abgeschoben' wurden. Macht dir das Angst?
Ben Spies: Nein, das ist etwas anderes. [lacht] Kein Kommentar.


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