Thomas Lüthi, der bei allen Rennen in diesem Jahr entweder aus der ersten oder zweiten Reihe gestartet war, musste sich in der Qualifikation zum Grand Prix von England mit einem ungewöhnlich mageren 14. Platz abfinden. Von Krisenstimmung war in seinem Team Interwetten Paddock Moto2 am Samstagnachmittag trotzdem nichts zu spüren. Eher von konzentrierter Suche und Analyse von Computerdaten, die dabei helfen sollen, die letzten Kinderkrankheiten einer neuen Fahrwerksabstimmung für den 24-Jährigen zu beseitigen. "Noch steckt irgendwo der Wurm drin", erklärte Lüthi, der sein Motorrad für das Rennen in Silverstone umbauen ließ, um statt des bislang gefährlich schmalen Grats am Limit künftig einen breiteren Grenzbereich mit seinem Suter MMXI-Prototypen zur Verfügung zu haben. An möglichen Lösungen für Lüthis derzeitige Probleme mangelt es dabei nicht – sondern nur an genügend Zeit, jeden einzelnen Dreh am Setup auch auf der Strecke gründlich zu testen.
"Irgendwo ist der Wurm drin. 1,6 Sekunden hinter der Bestzeit zu sein, obwohl ich am Limit gefahren bin, das passt nicht und da sind wir nicht zufrieden, ganz klar. Wir haben zwar sicher in eine gute Richtung gearbeitet, doch wir hinken den anderen an diesem Wochenende permanent hinterher. Laut Wetterbericht wird es darauf hinauslaufen, dass wir kein trockenes Training mehr haben, weshalb wir jetzt versuchen müssen, aus der Theorie und der Analyse der Computerdaten eine bessere Abstimmung fürs Rennen zu finden. Die schnellen Kurven sind das größte Problem für mich, es ist sehr schwer, die Linie zu halten, und irgendwann klappt das Vorderrad ein. Wir haben nach den Stürzen in Barcelona eine andere Richtung mit dem Set-Up und der Balance des Motorrads eingeschlagen, und dieser Schritt ist noch nicht abgeschlossen, die neue Abstimmung noch nicht ausgereift. Da hängt´s. Doch im Rennsport ist es oft so, dass man einen Schritt zur&uum l;ckgehen muss, um dann zwei Schritte vorwärts zu machen. Dass man bei der Abstimmung einige Rennen zurückgeht und dort wieder anfängt, wo man einmal war, um dann neue Wege zu gehen. Wir haben in Estoril getestet und Top-Zeiten gefahren, aber seitdem passte es einfach nicht mehr. Deshalb haben wir umgeschaltet und eine andere Richtung eingeschlagen", fasste der Schweizer zusammen.
Teammanger Terrell Thien meinte zum Samstag: "Wir haben noch viel Arbeit mit dem Set-Up, es steht uns eine Nachtschicht bevor. Leider fehlt uns der ganze Freitag. Wir müssen jetzt versuchen, den aufzuholen, über Nacht akribisch genau die Daten anzuschauen und mit Toms Aussagen ein neues Set-Up zu finden. Tatsache ist: Tom fährt am Limit und ist trotzdem zu langsam - wir müssen das Motorrad in jeder Hinsicht verbessern."
Sein Cheftechniker Alfred Willecke ergänzte: "Tom hatte das Gefühl, dass er beim Schnellfahren auf einem schmalen Grat wandern musste, worauf er zum Teil auch seine beiden Stürze am vergangenen Sonntag in Barcelona zurückführt. Wir haben versucht, von diesem schmalen Grat wegzugehen und auf der Basis vorangegangener Rennen eine neue Grundabstimmung zu suchen, die das Motorrad im Grenzbereich gutmütiger macht. Leider sind wir damit derzeit noch auf einem Niveau, mit dem wir nicht zufrieden sein können und wo sich der Tom viel beklagt, weil er in den schnellen Kurven die Linie nicht halten kann. Das ist das Hauptproblem, an dem wir arbeiten müssen."

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