Entscheidungstag in der Formel E: Nyck de Vries hat zum letzten Rennen der Formel-E-Saison 2026 in London (heute live ab 16:00 Uhr) die Pole Position ergattert. Für den Niederländer ist es die dritte Pole in der Elektroweltmeisterschaft und die erste seit 2022! Der Mahindra-Werksfahrer setzte sich im Finale der Duell-Phase gegen seinen Teamkollegen Edoardo Mortara um 0,195 Sekunden durch.

Der Fokus gilt am Sonntag in London aber klar der Titelentscheidung beim Saisonfinale, mit dem Mahindra nichts mehr zu tun hat. Als bester Titelanwärter platzierte sich der aktuelle WM-Führende Pascal Wehrlein auf Rang drei. Der Porsche-Werksfahrer, der das Samstagsrennen für sich entschieden hatte, startet somit direkt vor seinem Teamkollegen Nico Müller. Dies bringt die Zuffenhausener, die auch in der Team-WM noch gegen das Jaguar-Werksteam kämpfen, in eine strategisch gute Ausgangsposition.

Wehrlein-Konkurrent Jake Dennis weit hinten

Für Wehrleins ärgsten Titelkonkurrenten Jake Dennis verkam das Qualifying derweil zu einem Desaster. Obwohl der Brite, der nur fünf Punkte Rückstand auf Wehrlein hat, in seiner Qualifying-Gruppe nur 0,185 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit hatte, reichte es bei extrem engen Abständen zwischen den Piloten nur zu Rang acht. In der Startaufstellung bedeutet dieses Ergebnis nur Startplatz 16. „Ich hatte das ganze Wochenende Probleme mit der Stabilität des Hecks“, klagte Dennis im Anschluss. „Und wenn die Strecke schneller wird, macht es das immer schwieriger.“

Jaguar-Werksfahrer Mitch Evans, der mit 21 Zählern Rückstand als einziger anderer Pilot noch rechnerische Titelchancen hat, platzierte sich direkt hinter Müller auf der fünften Position. Der Neuseeländer hatte zuvor den Großteil des dritten Freien Trainings am Sonntag nach technischen Problemen an der Box verbringen müssen. „Ich brauchte die Punkte (für die Pole; d. Red.)“, so Evans im Anschluss. „Aber nachdem ich im FP3 keine schnelle Runde fahren konnte, konnten wir nicht nochmal am Setup arbeiten. Ich bin überhaupt froh, dass ich es in die Duelle geschafft habe.“

Maximilian Günther strafversetzt

Dahinter ging Rang sechs an Taylor Barnard (DS Penske). Nick Cassidy im Citroen-DS und Dan Ticktum, der sich im Viertelfinale gegen Müller verbremste, belegten die Positionen sieben und acht. Die Top-10 wurden von Antonio Felix da Costa im zweiten Jaguar-Boliden und Sebastien Buemi (Envision-Jaguar) abgeschlossen. Buemi beendet an diesem Wochenende nach zwölf Jahren seine Formel-E-Karriere.

Die Top-10 verpasste hingegen knapp der zweite Deutsche im Feld, DS-Penske-Pilot Maximilian Günther. Der Allgäuer qualifizierte sich auf dem zwölften Platz, wird nach einer Startplatzstrafe jedoch nur P14 einnehmen. Während einer Roten Flagge im dritten Training hatte Günther regelwidrig die Boxengasse verlassen. Auch Josep Maria Marti (Kiro-Porsche) wird auf P13 versetzt, nachdem er im Samstagslauf eine Kollision mit Jean-Eric Vergne im Citroen verursacht hatte.

Für den ersten Zwischenfall des Qualifyings sorgte bereits nach wenigen Minuten in der ersten Gruppe Nissan-Werksfahrer Norman Nato, der in Kurve 10 mit Bremsproblemen ausrollte. Kurz darauf konnte sich der Franzose, der dem Vernehmen nach vor dem Aus bei Nissan und in der Formel E steht, zwar wieder an die Box zurückschleppen, fuhr jedoch bis zum Ende der Zeitenjagd nicht wieder auf die Strecke. Nato nimmt somit in der Startaufstellung nach der Di-Grassi-Strafe nur Rang 19 ein.

Zahlreiche Abschiede vor Ende der Gen3-Ära

Das Wochenende in London ist von zahlreichen Abschieden geprägt. Nicht nur ist es das finale Rennen mit der aktuellen Generation an Fahrzeugen, bevor in der nächsten Saison die Gen4-Ära beginnt. Damit ist auch für Reifenhersteller Hankook Schluss, die in der Gen3-Ära die Einheitsreifen für die Formel E bereitgestellt hatten. Ab der Gen4-Ära übernimmt Bridgestone.

Zudem trägt die Formel E zum letzten Mal ein Rennen auf der Strecke im Kongresszentrum London ExCeL aus. Ab 2027 wird Brands Hatch zur neuen Heimat der Formel E in Großbritannien. Mit DS Automobiles ist auch für einen langjährigen Hersteller Schluss. Die Franzosen machen für Stellantis-Konzernschwester Opel Platz, die ab nächster Saison mit einem eigenen Werksteam einsteigt.

Abt beim letzten Formel-E-Rennen hinten

Mit Abt Sportsline verabschiedet sich auch ein deutsches Team nach insgesamt elf Formel-E-Jahren aus der Rennserie. Lola Yamaha, der aktuelle Partner der Kemptener, führt das Team ab der nächsten Saison in Eigenregie weiter. Das letzte Qualifying der Äbte endete enttäuschend. Zane Maloney kam in seiner Gruppe nicht über den letzten Platz hinaus und startet von P18. Veteran Lucas Di Grassi, der an diesem Wochenende im Alter von 42 Jahren seine Karriere beendet, fuhr keine gezeitete Runde, nachdem ihn infolge eines Wechsels des Inverters an seinem Fahrzeug eine Strafversetzung um 20 Plätze in der Startaufstellung erwartet.

Da Di Grassi seine Strafe jedoch nicht vollständig wird absitzen können, erwartet den Formel-E-Champion von 2017 zu allem Überfluss auch noch eine 10-Sekunden Stop-and-Go-Strafe im Rennen. Die in den letzten Jahren enttäuschenden sportlichen Ergebnisse spielten letztlich auch eine bedeutende Rolle in Di Grassis Rücktrittsentscheidung. Was der Brasilianer vor seinem letzten Rennen zu seiner Formel-E-Reise sagt, könnt Ihr hier nachlesen: