Fast hätte man vergessen können, dass die Saison 2022 der Formel E längst begonnen hat. Doch ewige acht Wochen Pause seit dem letzten Rennen in Mexiko-City (12. Februar) haben der Elektro-Rennserie ein wenig den Schwung aus den Segeln genommen. Nach der langen Auszeit, bedingt durch ein geplantes und wegen Corona abgesagtes Rennen in China, geht es an diesem Wochenende endlich weiter. In Rom warten die Saisonrennen Nummer vier und fünf am Samstag und Sonntag (jeweils ab 15:00 Uhr live bei ProSieben).

Zur Erinnerung: Zuletzt in der mexikanischen Hauptstadt bescherte Pascal Wehrlein seinem Arbeitgeber Porsche den ersten Sieg in der Formel E; gleichzeitig stand auch der frühere DTM-Champion und Formel-1-Fahrer erstmals ganz oben auf dem Podest. Andre Lotterer machte den historischen Erfolg perfekt und überquerte - in bester Teamplayer-Manier - die Ziellinie als Zweiter.

"Natürlich juckt es mir in den Fingern nach der langen Pause, vor allem weil wir in Rom schon im vergangenen Jahr gut unterwegs waren und ich mein erstes Podium mit Porsche geholt habe", blickt Wehrlein voraus. "Wir werden alles tun, um auf dieser tollen Strecke da weiterzumachen, wo wir in Mexiko aufgehört haben."

In der Gesamtwertung belegen Wehrlein und Lotterer mit jeweils 30 Punkten die Plätze drei und vier. Als Spitzenreiter reist der amtierende Vize-Weltmeister Edoardo Mortara (43 Punkte) zum temporären und bei den Fahrern äußerst beliebten Kurs im Süden von Rom. Für sein Team Venturi gab es am Donnerstag vor dem Wochenende bereits gute Neuigkeiten zu vermelden: Der Monaco-Rennstall um Geschäftsführerin Susie Wolff tritt ab 2023 als Einsatzteam für Neueinsteiger Maserati an.

Gesamtzweiter hinter Ex-DTM-Pilot Mortara ist Mercedes-Weltmeister Nyck de Vries, der inklusive seines Auftaktsieges in Saudi-Arabien bislang 38 Zähler sammeln konnte. "Wenn Sie mich fragen, war die Pause seit dem letzten Rennen viel zu lang", meint Mercedes-Teamchef Ian James. "Rom war in der Vergangenheit ein gutes Pflaster für das Team und im Vorjahr ganz besonders für Stoffel (Sieg im Sonntagsrennen; d. Red.). Das gibt uns einen positiven Schub."

Maximilian Günther, der dritte verbliebene Deutsche in der Formel E, erzielte bislang zwei Punkte in seinem Nissan. Teamkollege Sebastien Buemis Ausbeute mit vier Punkten für das japanische Werksteam war kaum erfolgreicher. Der Lokalmatador und voraussichtliche Medien-Magnet in Rom, Antonio Giovinazzi (Dragon/Penske), wartet nach zwei 20. Plätzen und einem Ausfall auf seinen ersten Punktgewinn nach dem Formel-1-Aus.

Formel E in Rom: Alle bisherigen Sieger

JahrSiegerP2P3
2018Sam BirdLucas di GrassiAndre Lotterer
2019Mitch EvansAndre LottererStoffel Vandoorne
2021 IJean-Eric VergneSam BirdMitch Evans
2021 IIStoffel VandoorneAlexander SimsPascal Wehrlein

Formel E 2022 in Rom: Die Rennstrecke

Die 3,380 Kilometer lange Strecke im südlich gelegenen Stadtbezirk Esposizione Universale di Roma (EUR) ist die zweitlängste in der Geschichte der Formel E. Nur in Peking war 2014 und 2015 eine Runde noch etwas länger. Der Kurs in Rom zählt wegen seiner Bergauf- und Bergab-Passagen und einem Mix aus schnellen wie langsamen 90-Grad-Kurven unter den Fahrern zu den beliebtesten im Kalender.

Der Streckenverlauf sieht die gleichen 19 Kurven wie auf dem zur Saison 7 überarbeiteten Kurs vor, allerdings wurde die Startlinie verlegt. Im Jahr 2021 wurde das Rennen noch zwischen den Kurven 6 und 7 gestartet, in dieser Saison liegt die Pole Position zwischen Kurve 3 und 4. Dadurch entsteht ein Unterschied zwischen der Start- und der unveränderten Ziellinie von 2,806 km. Im vergangenen Jahr wurden beide Rennen trotz trockener Bedingungen hinter dem Safety Car gestartet - angeblich aus Sorge vor feuchten Stellen auf dem Asphalt, nachdem es vor dem Rennen geregnet hatte.

Der Vollgas-Anteil liegt bei rund 70 Prozent, beim Topspeed werden etwa 230 km/h erwartet. Die Aktivierungs-Zone für den Attack Mode befindet sich außen in Kurve 15. Hier dürfte ebenso fleißig überholt werden wie in den Kurven 3, 7 und 14. Rom gilt als Crash-Kurs, auf dem es immer wieder knallt. In den bisherigen vier Rennen musste das Safety Car insgesamt zehnmal ausrücken!

Foto: Formula E

Rom ePrix: Wetter-Vorhersage zum Wochenende

Der Regen vom Mittwoch könnte pünktlich zum ersten Rennen am Samstag zurückkehren: die Wahrscheinlichkeit liegt tagsüber bei 30 Prozent und erhöht sich in der Nacht auf Sonntag auf 75 Prozent. Das könnte Streckenauswirkungen auf den zweiten Renntag in Rom haben. Bei rund 17 Grad und Sonnenschein pur am Sonntag (Samstag: maximal 16 Grad, bewölkt) sollte der Asphalt aber spätestens zum Rennstart aufgetrocknet sein. Der Shakedown am Freitagabend soll bei trockenen Bedingungen um die 17 Grad über die Bühne gehen.

Formel E 2022 in Rom: TV-Übertragung und Zeitplan

TagUhrzeit (MEZ)SessionÜbertragung
Sa, 09.04.202207:15-07:45 Freies Training 1ran.de, YouTube Formel E
Sa, 09.04.202209:00-09:30Freies Training 2ran.de, YouTube Formel E
Sa, 09.04.202210:40-11:55Qualifying 1ProSieben MAXX, ran.de, Eurosport Player
Sa, 09.04.202215:00-16:00Rennen 1ProSieben, ran.de, Eurosport 1, DAZN, ORF eins
So, 10.04.202208:30-09:00Freies Training 3ran.de, YouTube Formel E
So, 10.04.202210:40-11:55Qualifying 2ran.de, Eurosport Player
So, 10.04.202215:00-16:00Rennen 2ProSieben, ran.de, Eurosport 2, DAZN, ORF eins

Formel E in Rom: Das sagen die deutschen Fahrer

Pascal Wehrlein (Porsche, P3 in der Meisterschaft mit 30 Punkten): "Das waren wirklich aufregende Tage in Mexiko. Ein fantastisches Wochenende mit der Pole, meinem ersten Sieg für Porsche und dem ersten Erfolg von Porsche in der Formel E. Jetzt wollen wir natürlich weitere Rennen gewinnen. Ich habe das Gefühl, dass wir unser Auto immer besser verstehen und genau wissen, was wir machen müssen, um ganz nach vorne fahren zu können. Und natürlich juckt es mir in den Fingern nach der langen Pause, vor allem weil wir in Rom schon im vergangenen Jahr gut unterwegs waren und ich mein erstes Podium mit Porsche geholt habe. Wir werden alles tun, um auf dieser tollen Strecke da weiterzumachen, wo wir in Mexiko aufgehört haben."

Andre Lotterer (Porsche, P4 in der Meisterschaft mit 30 Punkten): "Ich gehe mit einem guten Gefühl an den Start, weil wir auf dieser Strecke schon im vergangenen Jahr schnell waren. Diese Stadt hat ein tolles Flair. In dieser antiken Kulisse zu fahren, ist ein großes Privileg für die Formel E und für mich einer der Höhepunkte der Saison. Nach dem Erfolg in Mexiko sind wir natürlich hochmotiviert. Wir sehen, dass wir von Rennen zu Rennen noch besser werden, und diese konstante Weiterentwicklung ist genau das, was wir brauchen, um weitere Siege einfahren zu können. In Rom erwarte ich ein gutes Ergebnis. Eine Top-3-Platzierung wäre auf jeden Fall gut für unsere Position in der Weltmeisterschaft."

Maximilian Günther (Nissan, P16 in der Meisterschaft mit 2 Punkten): "Ich freue mich sehr auf die beiden Rennen in Rom. Nach der ziemlich langen Pause bin ich heiß darauf, wieder Rennen zu fahren. Das Team hat seit dem letzten Rennen in Mexiko einen guten Job gemacht, und wir haben hart daran gearbeitet, unser Paket durch einige Verbesserungen stärker zu machen. Die Strecke in Rom ist fantastisch - einer meiner absoluten Favoriten in der Meisterschaft. Sie ist typisch für die Formel E, mit vielen Bodenwellen, engen und offenen Bereichen und mit einigen guten Überholmöglichkeiten. Es macht unglaublich viel Spaß, dort zu fahren, aber man muss in Sachen Strategie und Rennmanagement auch sehr viel nachdenken."