Es erinnert ein wenig an die Konstellation aus der Vor-Saison: Nach dem Formel-E-Auftakt in Saudi-Arabien 2021 bahnte sich eine Dominanz des Mercedes-Werksteams an. Ganz so dramatisch sollte sich die Saison nicht entfalten, doch immerhin eroberten die Silberpfeile mit Nyck de Vries sowohl die Fahrer- als auch die Team-Weltmeisterschaft.

Nach den ersten beiden Rennen dieses Jahres im Wüstenstaat könnte man die Lage als noch etwas brisanter beschreiben. Nicht nur Mercedes präsentierte sich erwartungsgemäß in bärenstarker Verfassung, auch das Kundenteam Venturi mischte kräftig an der Spitze mit! De Vries gewann von Startplatz zwei hinter Pole-Setter und Teamkollege Stoffel Vandoorne den ersten Lauf, während Venturi-Vizeweltmeister Edoardo Mortara im nachfolgenden Rennen triumphierte.

Weil auch Mortaras Teamkollege und Venturi-Neuzugang Lucas di Grassi dicke Punkte sammelte, führt der Rennstall aus Monaco die Tabelle mit einem Punkt Vorsprung auf Mercedes an. Vor dem anstehenden Rennwochenende in Mexiko-City (Samstag, 12.02. ab 23:00 Uhr live bei ProSieben) liegen alle vier Piloten mit Mercedes-Power in den Top-5 der Fahrer-Wertung.

"Diriyah war ein gutes Wochenende für das Team", meinte Mercedes-Teamchef Ian James. "Einige mögen jetzt vielleicht überrascht sein, dass ich es nicht als ein großartiges Wochenende bezeichne. Ja, wir haben zwei Pole Positions und einen Doppelsieg im ersten Rennen eingefahren, aber im weiteren Verlauf des Wochenendes befanden wir uns etwas im Hintertreffen."

Etwas forscher formulierte es Venturi-Star di Grassi, der hinter Jake Dennis (Andretti) den fünften Platz in der Meisterschaft belegt: "Wir wollen wieder aufs Podium fahren und ich bin zuversichtlich, dass wir mit unserem Paket eine gute Chance in Mexiko haben." Der ehemalige Audi-Pilot gilt als absoluter Spezialist auf dem verkürzten Formel-1-Kurs: Nach einem im Nachgang verlorenen Sieg 2016, schlug di Grassi zurück und triumphierte 2017 sowie 2019 im Autodromo Hermanos Rodriguez.

Der von Mercedes entwickelte Antriebsstrang gilt als Allrounder auf so ziemlich allen Strecken und dürfte auch in Mexiko das Paket sein, das es zu schlagen gilt. Ein Wörtchen bei der Siegvergabe könnte das Team Envision mitreden, das trotz des Audi-Ausstieges weiter den Antriebsstrang des Autobauers aus Ingolstadt nutzt. Auf der energie-sensitiven Strecke von Mexiko-City überquerte schließlich in vier der bisherigen fünf Rennen ein Fahrer mit Audi-Power (2016, 2017, 2019 di Grassi, 2018 der heutige TV-Experte Daniel Abt) die Ziellinie als Erster.

Envision-Pilot Robin Frijns konnte es zumindest im zweiten Saudi-Rennen mit der Mercedes-Motor-Konkurrenz aufnehmen und zwischen Mortara und di Grassi den zweiten Podestplatz erobern. "Wir haben gesehen, dass die Mercedes schlagbar sind", strahlte der Niederländer und ehemalige DTM-Fahrer eine gewisse Zuversicht aus.

Gute Ansätze hat auch Porsche um den neuen Teamchef Florian Modlinger gezeigt, der aus seiner Audi-Zeit bestens weiß, wie Mexiko funktioniert. Andre Lotterer erzielte in Saudi-Arabien mit P4 das beste Ergebnis für das Werksteam, während Teamkollege Pascal Wehrlein nicht über einen neunten Platz als bestes Resultat am Wochenende hinauskam. Aufholbedarf haben auch die Top-Teams Jaguar und DS Techeetah nach einem schwierigen Auftakt.

Formel E in Mexiko: Alle bisherigen Sieger

JahrSiegerTeam
2016Jerome D'AmbrosioDragon
2017Lucas di GrassiAudi
2018Daniel AbtAudi
2019Lucas di GrassiAudi
2020Mitch EvansJaguar

Formel E in Mexiko-City: Die Rennstrecke

Die Formel E gastiert nach dem Vorjahresrennen in Puebla zum siebten Mal in Mexiko und zum sechsten Mal im aus der Formel 1 bekannten Autodromo Hermanos Rodriguez. Mit 2,606 Kilometern ist die Streckenlänge knapp 1,7 Kilometer kürzer als die F1-Variante. Im Gegensatz zur Formel 1, nutzt die Formel E die berühmte und langgezogene Peraltada-Rechtskurve, seit 2020 erstmals ohne eine temporäre Schikane.

Inklusive des Stadionbereichs namens 'Foro Sol' weist die Formel-E-Streckenvariante 16 Kurven auf. Mexiko-City ist die einzige permanente Rennstrecke im Formel-E-Kalender 2022 stellt für das Energie-Management die größte Herausforderung dar. Da die Luft auf 2.285 Metern Höhenlage dünn ist, ist der Abtrieb im Vergleich zu anderen Strecken geringer. Das führt aufgrund der erhöhten Belastung zu höheren Reifentemperaturen, wobei der geringere Luftwiderstand das Energiesparen erleichtert. Auch die Batterie-Temperaturen steigen, sodass eine effektive Kühlung essentiell ist.

Autodromo Hermanos Rodriguez: So sieht die Formel-E-Strecke aus -
Autodromo Hermanos Rodriguez: So sieht die Formel-E-Strecke aus -Foto: Formel E

Mexiko-City ePrix: Das Wetter am Wochenende

Nach aktuellem Stand erwartet die Teams und Fahrer ein trockener Renn-Samstag. Die Regen-Wahrscheinlichkeit liegt bei 0 Prozent. Bei erwarteten Temperaturen von maximal 16 Grad am Mittag zeigt sich die Sonne nur selten, der Himmel ist meist bewölkt. Die Freien Trainings am Morgen könnten bei kühlen Bedingungen um die 10 Grad über die Bühne gehen.

Formel E 2022 in Mexiko: TV-Übertragung und Zeitplan

Formel-E-Fans in Deutschland, Österreich und der Schweiz können sich auf einen langen Samstag beim Mexiko-City ePrix einstellen. Wegen der sieben Stunden Zeitverschiebung beginnen die Freien Trainings am Nachmittag um 15:00 Uhr, das Rennen selbst startet um 23:00 Uhr deutscher Zeit (16:00 Uhr Ortszeit).

ProSieben zeigt das dritte Saisonrennen live, die Vorberichterstattung beginnt um 22:25 Uhr. Die beiden Trainings und das Qualifying mit dem neuen K.o.-Format können Zuschauer auf der ran.de-Webseite mit deutschem Kommentar live verfolgen. Auf Motorsport-Magazin.com steht zudem ein Live-Ticker mit allen Ergebnissen, Stimmen und weiteren Hintergrund-Infos zur Verfügung.

Formel E Mexiko 2022: TV-Programm und Livestreams (Deutsche Zeit)

TagUhrzeit (MEZ)SessionÜbertragung
Sa, 12.02.202215:00-15:30 Freies Training 1ran.de, YouTube Formel E
Sa, 12.02.202216:50-17:20Freies Training 2ran.de, YouTube Formel E
Sa, 12.02.202218:40-19:55 Qualifying ran.de, Eurosport Player
Sa, 12.02.202223:04-00:00Rennen ProSieben, ran.de, Eurosport 2, DAZN

Formel E in Mexiko: Das sagen die deutschen Fahrer

Andre Lotterer (Porsche, P7 in der Meisterschaft mit 12 Punkten): "Das Qualifying in Diriyah lief gut und wir hatten in beiden Rennen eine Chance auf das Podium. Das war schon einmal positiv. Doch im ersten Rennen fiel ich wegen Schwierigkeiten mit dem Energiemanagement zurück, im zweiten verhinderte das Safety Car eine Schlussattacke. In Mexiko habe ich in meiner ersten Formel-E-Saison für Porsche die Pole-Position geholt. Es wäre großartig, wenn mir das wieder gelingen würde. Grundsätzlich wollen wir natürlich jedes Rennen gewinnen, das ist unser Ziel."

Pascal Wehrlein (Porsche, P12 in der Meisterschaft mit 2 Punkten): "Ich freue mich auf die Rückkehr nach Mexiko. Ich habe gute Erinnerungen an das Land, war immer schnell unterwegs. Natürlich hätte es mir nichts ausgemacht, wieder in Puebla zu fahren, nachdem wir dort im vergangenen Jahr so stark waren. Ich bin aber sicher, dass wir auch für Mexico City ein gutes Paket haben und auch dort um den Sieg mitreden können."

Maximilian Günther (Nissan, P15 in der Meisterschaft mit 0 Punkten): "Unsere Motivation, eine gute Performance zu zeigen und ein starkes Wochenende zu haben, ist extrem hoch. In meinen ersten beiden gemeinsamen Rennen mit dem Team haben wir gut zusammengearbeitet. Wir waren zwar nicht in den Punkten, aber ich habe das Gefühl, dass wir in vielen Bereichen gute Fortschritte gemacht haben. Das möchten wir in Mexiko in eine gute Performance umsetzen."