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Formel E

Formel-E-Sound erklärt: Wieso die Autos unterschiedlich klingen

Die Formel E zeigt in einem Video, wie die Rennautos für die Saison 2022 klingen. So entstehen die unterschiedlichen Sounds bei den Herstellern.
von Robert Seiwert
Formel E Sound: So klingen die Rennautos 2022: (06:43 Min.)

So klingt die Formel E 2022: Am Rande der offiziellen Testfahrten in Valencia zeigt die Elektro-Rennserie den Sound aller Autos der elf Teams in einem Video. Tatsächlich klingen die Boliden für die kommende, achte Saison genauso wie in der abgelaufenen Saison, denn: Aus Kostengründen wurde die Entwicklung für zwei Jahre eingefroren. Die Teams konnten also nur bei der Software und dem mechanischen Setup Änderungen während der Sommerpause vornehmen.

Was viele Motorsport-Fans aber sicherlich nicht wissen und unter anderem in diesem Video hören können: Nicht alle Formel-E-Autos klingen gleich. Tatsächlich gibt es einige hörbare Unterschiede zwischen den einzelnen Teams und ihren selbst entwickelten Antriebssträngen.

Kein Wunder, schließlich konnten die Hersteller in der Formel E die Elektro-Maschine (MGU mit Stator, Rotor und Gehäuse), Inverter inkl. der Funktionssoftware, Getriebe und Teile des Fahrwerks mitsamt Brake-by-Wire-System an der Hinterachse in Eigenregie konstruieren.

Foto: Jaguar Racing

So wartet das Team Techeetah mit seinem von DS Automobiles entwickelten Antriebsstrang mit einem eher schrillen Sound auf, während der in Brackley gebaute Mercedes-Motor vergleichsweise dumpf klingt. Den typischen Flugzeug - Kritiker würden Staubsauger -Sound erzeugt am ehesten der Nissan, während der Werks-Jaguar eher quietschend um die Ecken düst. Und der Audi-Kundenmotor im Envision (ehemals als Virgin bekannt) sorgt für einen ganz eigenen Klang in gewissen Bereichen.

Der Sound eines Formel-E-Autos hängt dabei auch vom jeweiligen Fahrzustand ab. Im Renn-Trim fahren die Autos 2022 mit 220 statt wie bisher 200 kW Leistung, das per Reglement erlaubte Maximum im Qualifying sowie bei Aktivierung des Fanboost oder im Attack Mode liegt bei 250 kW, was etwa 340 PS entspricht.

Foto: Audi Communications Motorsport

Mangels Verbrennungsmotor und Abgasanlage sind in der Formel E andere im Motorsport bekannte Geräusche deutlicher zu vernehmen. Die reine Mechanik macht einen Teil des Sounds aus, ebenso das Quietschen der Allwetter-Reifen, die wesentlich weniger Grip bieten als der gewohnte Renn-Slick. Ein Formel-E-Auto erzeugt bis zu 80 Dezibel, was tatsächlich in etwa einem handelsüblichen Staubsauger entspricht.

Für den futuristisch angehauchten Elektro-Sound, den man mit einem startenden Flugzeug vergleichen könnte, ist vor allem das Getriebe innerhalb des Antriebsstranges verantwortlich. Seit der Einführung des Gen2-Autos nutzen alle Hersteller elektrische Ein-Gang-Getriebe. In der Vergangenheit gab es auch Getriebeeinheiten mit mehreren Gängen. Geradverzahnte Getriebe sind im für den Rennsport genutzten Komponenten üblich und steuern zum einzigartigen Sound bei.

In der Formel E muss das Getriebe auf den bestmöglichen Wirkungsgrad über den gesamten Betriebsbereich hin optimiert werden. Eine geringe Gesamtmasse sowie ein niedriger Schwerpunkt stellen weitere Anforderungen für die Ingenieure dar, die teileweise aus der Serienentwicklung stammen.

Foto: Audi Communications Motorsport

Wie inzwischen allgemein bekannt ist, kann ein Elektromotor im Gegensatz zu einem Verbrennungsmotor bereits im Stillstand sein maximales Drehmoment abgeben. In der Formel E kommt es darauf an, eine Übersetzung zu finden, die sowohl eine optimale Beschleunigung beim Start als auch die Höchstgeschwindigkeit während eines Rennens gewährleistet.

In der Formel E gilt ohnehin die Effizienz als Erfolgsschlüssel. So erreicht ein E-Motor einen maximalen Wirkungsgrad von rund 98 Prozent, und seine Leistungsdichte beträgt mehr als 14 kW/kg. Seine maximale Drehzahl liegt bei mehr als 30.000 U/Min. Der Inverter arbeitet mit Gleichspannungen von bis zu 900 V und erreicht eine Leistungsdichte von mehr als 45 kW/kg.

Die Getriebeboxen sind wenig überraschend aus Karbon gefertigt, um Gewicht einzusparen. Bei den Rennwagen mit einem Mindestgewicht von 903 Kilogramm (inklusive einem Mindestgewicht von Fahrer und Sitz von 80 Kilogramm) und dem eng gestrickten Reglement zählt auch in der Formel E jedes Gramm.


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