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Formel E, WM-Kampf: Deutsche Fahrer verlieren in London Boden

Die Formel-E-WM ist zwei Rennen vor Saisonende noch nicht entschieden. Der Rückstand der deutschen Fahrer auf die Spitze ist in Großbritannien gewachsen.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Bei ihrem Heimspiel in Berlin (14./15. August) haben die vier deutschen Fahrer der Formel-E-Saison 2021 noch Chancen auf den Gewinn des Titels. Das Rennwochenende in London konnte aber keiner von ihnen nutzen, um im WM-Kampf Boden gutzumachen. Jeder hat einen größeren Rückstand auf den Führenden der Gesamtwertung als es vor dem Wochenende der Fall war.

Rene Rast liegt 23 Punkten hinter Spitzenreiter Nyck de Vries auf der aussichtsreichsten Position. Der Audi-Fahrer büßte in Großbritannien drei Punkte ein. Das gilt auch für Pascal Wehrlein, der mit 24 Punkten Rückstand in der WM-Wertung direkt hinter Rast platziert ist. Maximilian Günther verlor in der britischen Hauptstadt weitere sechs Punkten. Er liegt 33 Punkte hinter de Vries auf Platz 15. Andre Lotterer handelte sich zwar nur einen weiteren Zähler Rückstand ein. Doch mit 50 Punkten Rückstand liegt er bereits weit hinter dem Führenden. Beim Finale kann ein Fahrer bis zu 60 Punkte einfahren.

Der Porsche-Fahrer erlebte in London ein durchwachsenes Rennwochenende. Nach den Disqualifikationen von Sebastien Buemi und Oliver Rowland am Samstag wurde Lotterer als Vierter gewertet. Dadurch gewann er die Position, die er zuvor gegen Buemi verloren hatte, weil er die Aktivierungsschleife des Attack Mode nicht korrekt durchfahren hatte. Deswegen musste er ein zusätzliches Mal den weiten Weg durch Kurve 16 nehmen, was dem Nissan-Fahrer die Gelegenheit zum Überholen gab.

Am Sonntag lief für den dreifachen Sieger des 24-Stunden-Rennens von Le Mans nicht viel zusammen. Das Qualifying beendete er auf Platz 16. Im Rennen kämpfte er sich nach vorne und lag zwischenzeitlich auf der elften Position. Als ihn der amtierende Champion Antonio Felix da Costa auf der Start-/Ziel-Geraden überholen wollte, blockierte Lotterer die Innenbahn und drückte den Techeetah-Fahrer in die Streckenbegrenzung. Die Stewards sprachen wegen des Zwischenfalls eine Durchfahrtstrafe gegen ihn aus.

"Mit meinem Qualifying bin ich nicht zufrieden", resümierte Lotterer, der im zweiten ePrix als 17. gewertet wurde. "Im Rennen hat mein Auto aber super funktioniert und ich konnte einige Positionen gut machen. Die Durchfahrtstrafe hat meine Aufholjagd jedoch abrupt gestoppt. Gestern Vierter, heute Siebzehnter - in der Formel E ist sowas immer möglich." Trotz der Rückschläge bewertet er die siebte Saisonstation als gutes Wochenende.

Wehrlein fährt zwei Mal in die Punkte

Sein Porsche-Teamkollege Pascal Wehrlein war der einzige Deutsche, der in beiden Rennen Punkte für die Gesamtwertung einfuhr. Am Samstag profitierte er von den beiden Nissan-Disqualifikationen, die ihn auf Platz zehn vorspülten. Am Sonntag reichte es nach der siebten Startposition zu Rang fünf im Rennen.

"Das war heute schon eine Steigerung. Das lag auch am Qualifying. Ich hätte es fast in die Superpole geschafft. Was das Rennen angeht, bewegt man sich auf dieser Strecke auf einem schmalen Grat, wie die vielen Kollisionen gezeigt haben. Das Überholen ist schwierig, und das Risiko, sein Auto dabei zu beschädigen, sehr groß. Für mich war es wichtig, gut durchzukommen und so viele Punkte wie möglich mitzunehmen", sagte der 26-Jährige.

Auch für Maxi Günther verlief das zweite Rennen erfolgreicher. Der Sieger des ersten Rennens in New York startete am Samstag von der letzten Position. Grund war ein Unfall im Qualifying, der dazu führte, dass die Session unterbrochen wurde. Deswegen wurde ihm die Zeit aus dem Zeittraining aberkannt. Während sein Teamkollege Jake Dennis zum zweiten Saisonsieg fuhr, ging es für den Allgäuer nicht weit nach vorne. Nach einer Kollision mit Oliver Turvey wurde ihm zudem eine Durchfahrtstrafe auferlegt.

Günther sieht Schwächen bei Strategie

Am Sonntag legte Günther mit dem Einzug in die Superpole und Startplatz sechs den Grundstein für ein solides Ergebnis. Nach Lucas di Grassis Disqualifikation wurde er im Rennen ebenfalls als Sechster gewertet. In Turn 11, einer engen Haarnadelkurve, nahm ihn Jaguar-Fahrer Mitech Evans auf die Hörner. Günther verteidigte seinen Platz zunächst. Später musste er sich dem Neuseeländer geschlagen geben.

Günther sah nach seiner siebten Zielankunft in den Top-10 in diesem Jahr Verbesserungspotenzial. "Wir haben im Rennen mit Regen gerechnet, der kam leider nicht. Deshalb war die Pace nicht ganz ideal. Ich hatte auch das Gefühl, wir hätten den Attack Mode besser nutzen können, um weiter vorn zu landen. Aber hätte, wäre, wenn, das gibt es im Motorsport nicht. Wir haben alles gegeben und gute Punkte geholt", sagte der 24-Jährige.

Audi-Fahrer Rene Rast zeigte in London ein weiteres Mal eine seiner berüchtigten Aufholjagden. Vom 13. Startplatz kämpfte er sich am Samstag weit nach vorne und wurde auf dem fünften Platz gewertet. "Das war heute ein guter Tag, aber auch ein verrücktes Rennen", sagte der amtierende DTM-Champion. "Ich habe bei einigen Berührungen am Start ein paar Teile verloren, außerdem stand mein Lenkrad ein wenig schief, aber wir haben trotzdem acht Plätze gutgemacht. Das ist eine gute Ausgangsposition für morgen und die nächsten Rennen."

Zwischenzeitlich wechselten sich Rast und sein Teamkollege di Grassi ab, um Führungsarbeit in der Verfolgergruppe zu leisten. Nachdem sie keinen Weg an den Vorderleuten vorbei gefunden hatten, überließ der Brasilianer Rast wider die bessere Position.

Der gebürtige Mindener startete von Position zwölf ins zweite Rennen, musste dieses aber bereits nach fünf Runden vorzeitig beenden. Grund war eine durch Sebastien Buemi ausgelöste Kollision, wegen der die Stewards eine 10-Sekunden-Stop-&-Go-Strafe gegen den Schweizer aussprachen. Die Fahrzeuge touchierten sich mehrfach. "Ich habe mich gegen Buemi verteidigt. Er ist mir einfach hinten reingefahren, hat mich an der Kurve vorbeigeschoben und ist innen durchgefahren. Am Ausgang hat er mir keinen Platz gelassen und ich bin in die Mauer eingeschlagen. Es ist das zweite Mal nach New York, dass er mich aus dem Rennen nimmt", sagte Rast bei Sat.1.

Beim Finale auf dem Tempelhofer Feld haben die Deutschen zumindest im ersten Rennen den Vorteil, dass sie das Zeittraining nicht in der ersten Qualifying-Gruppe bestreiten müssen. In dieser trat Rast zuletzt mehrmals an, weshalb er in der Startaufstellung häufiger in der hinteren Hälfte des Feldes zu finden war.


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