Motorsport-Magazin.com Plus
Formel E

Formel E, Rom ePrix: Italien-Rückkehr nach Diriyah-Chaos

Die Formel E erlebte in Saudi-Arabien einen spektakulären Saisonstart. Am Samstag und Sonntag tritt die Rennserie in Italien an. Das sorgt für Verwunderung.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Sechs Wochen nach dem Chaos-Wochenende in Diriyah setzt die Formel E ihre siebte Saison mit einem Double-Header am Samstag und Sonntag in Rom fort. Die Elektrorennserie ist zum dritten Mal zu Gast in der italienischen Landeshauptstadt und nutzt in diesem Jahr eine neue Streckenführung als bei ihren vorherigen Rennen.

Die ersten beiden ePrix des Jahres in Saudi-Arabien waren von zahlreichen Ereignissen auf und neben der Strecke geprägt. Die große Aufregung begann im 2. Freien Training am Samstagmorgen, als Venturi-Pilot Edoardo Mortara nach einer Startübung mit einer Geschwindigkeit von 140 km/h am Ende der Ziel-Geraden in die Streckenbegrenzung einschlug. Aufgrund eines Softwareproblems an seinem Mercedes-Antrieb griffen die Sicherheitsmechanismen nicht, als die vorderen Bremsen versagten. In diesem Fall hätte eigentlich das hintere Bremssystem die volle Bremsleistung übernehmen sollen. Beim Aufprall verzögerte der Bolide mit 40 G. Mortara blieb unverletzt und peilte sogar einen Rennstart an, was sich aber nicht umsetzen ließ.

In der kurzen Zeit bis zum Start des Qualifyings musste Mercedes gegenüber der FIA darlegen, dass ein solches Szenario nicht an den beiden Werksautos von Nyck de Vries und Stoffel Vandoorne sowie am zweiten Venturi-Kundenfahrzeug von Norman Nato auftreten kann. Diesen Beweis konnten Ian James und seine Ingenieure nicht erbringen. Damit durfte kein Mercedes-Auto an der Qualifikation teilnehmen. Später erhielten sie nach weiteren Erklärungen die Freigabe für den Rennstart.

Im ePrix ereignete sich am Abend ein weiterer schwerer Unfall, in dessen Folge das Rennen vorzeitig abgebrochen wurde. Alex Lynn überschlug sich und sein Fahrzeug rutschte kopfüber über den Asphalt. Dabei wurde das Monocoque zertrümmert, der Überrollbügel beschädigt und das Halo eingedellt. Lynn wurde vorsorglich in einem Krankenhaus untersucht, wo keine Verletzungen diagnostiziert wurden. Er erhält für den Rom-Wochenende ein neues Chassis.

Am selben Tag kam es zu einem weiteren Zwischenfall, der schlimme Folgen hätte haben können: Die saudi-arabische Luftabwehr wehrte einen ballistischen Raketenangriff über der Hauptstadt Riad ab. Dieser wurde auf die Huthi-Rebellen zurückgeführt. Ein Zusammenhang mit der Motorsportveranstaltung wird ausgeschlossen.

Die Ausgangslage vor den beiden Rom ePrix

De Vries, der in Saudi-Arabien gemeinsam mit Mercedes in seine zweite Formel-E-Saison startete, dominierte den ersten Teil des Wochenendes. Nach dem 1. Freien Training am Donnerstag war er auch im 2. Freien Training, in der Qualifikation und im Rennen am Freitag nicht zu schlagen. Den zweiten Platz belegte Mortara im Venturi mit Mercedes-Antrieb vor Jaguar-Fahrer Mitch Evans. De Vries' Teamkollege Stoffel Vandoorne rundete die starke Mercedes-Leistung mit der schnellsten Rennrunde ab.

De Vries startete mit Platz zwei im 3. Training stark in den Samstag, ehe ihn das Startverbot in der Qualifikation zurückwarf. Die Pole Position sicherte sich Robin Frijns, der auch im Rennen lange in Führung lag, sich letztlich aber Sam Bird geschlagen geben musste.

In der WM-Wertung liegt de Vries nach den ersten beiden Rennen mit 32 Punkten vor Bird (25 Punkte) und Frijns (22 Punkte). Audi-Neuzugang Rene Rast ist auf dem achten Rang der Gesamtwertung der beste Fahrer aus Deutschland. Pascal Wehrlein (Porsche) folgt auf Platz zehn. Andre Lotterer und Maximilian Günther blieben in Saudi-Arabien punktlos. Der BMW-Fahrer sah in keinem der beiden Rennen die Zielflagge.

Der amtierende Champion Antonio Felix da Costa liegt im Gesamtklassement auf der fünften Position. Sein Techeetah-Team wird ab dem Wochenende in Rom eine weiterentwickelte Antriebseinheit einsetzen. Die meisten Konkurrenten hatten ihre Antriebe für die aktuelle und die kommende Saison bereits beim ersten Rennwochenende des Jahres eingesetzt. Techeetah nutzte wie Dragon und Nissan die Zeit, um zwischen den ePrix die Entwicklung voranzutreiben. Während bereits seit einiger Zeit feststeht, dass Nissan zunächst darauf verzichtet, den Antrieb einzusetzen, berichtet das Portal TheRace.com, dass auch Dragon in Rom noch mit dem Elektromotor der sechsten Saison an den Start gehen wird.

Die Strecke des Rom ePrix

Nach der Pandemie-bedingten Pause im Vorjahr kehrt die Formel E zurück nach Rom. Die Strecke im Stadtviertel Esposizione Universale di Roma beinhaltet 19 Kurven und ist 3,38 Kilometer lang. In der bisherigen Geschichte der Formel E gab es mit dem 2014 genutzten Straßenkurs in Peking lediglich eine längere Strecke.

Die neue Streckenführung des Stadtkurses in Rom beinhaltet nicht mehr die bekannte Sprungkuppe, die Audi-Fahrer Lucas Di Grassi 2018 für zwei spektakuläre Überholmanöver nutzte. "Jetzt ist es ein negativer Sprung. Es ist eine Kompression", sagte der Brasilianer vor dem Wochenende. "Leider ist es nicht mehr so wie vorher, als es spektakuläre Bilder gab." Ein Grund für den neuen Verlauf ist übrigens, dass die Formel E dem größten Impfzentrum Italiens aus dem Weg gehen wollte, das in der Nähe des vorherigen Streckenverlaufs liegt.

Bis zuletzt war unklar, ob die Rennen in der italienischen Landeshauptstadt würde stattfinden können. Wie Motorsport-Magazin.com aus Kreisen der FIA und der Teams erfahren hat, waren viele Beobachter geradezu überrascht, dass das Wochenende nach dem harten Lockdown an den für die italienische Bevölkerung wichtigen Osterfeiertagen ausgetragen wird. Es kursierte intern der alternative Plan, an das rund 30 Kilometer nördlich gelegene Autodromo Vallelunga auszuweichen.

Die TV-Übertragung aus Rom

Der neue deutsche TV-Partner Sat.1 überträgt auch die beiden Rennen aus Rom mit seiner bekannten Besetzung. Andrea Kaiser führt gemeinsam mit Kommentator Edgar Mielke und Co-Kommentator Daniel Abt aus dem Münchner Studio durch die Sendung. Matthias Killing und Experte Christian Danner gehen vor Ort auf Stimmenfang. Der Privatsender zeigt die Rennen im Free-TV. Die Freien Trainings und die Qualifyings gibt es zudem als Live-Stream auf ran.de

Für den Pay-TV-Sender Eurosport 2 berichtet wie in der Vergangenheit Oliver Sittler über die Rennen. Über den kostenpflichtigen Eurosport Player sind alle Sessions des Wochenendes als Live-Stream abrufbar.

Tag Uhrzeit (MEZ) Session Übertragung
Sa, 10.04. 08:00-08:45 Freies Training 1 ran.de, YouTube Formel E
Sa, 10.04. 10:15-10:45 Freies Training 2 ran.de, YouTube Formel E
Sa, 10.04. 12:00-13:00 Qualifying 1 ran.de, Eurosport Player
Sa, 10.04. 16:00-17:00 Rennen 1 Sat.1, ran.de, Eurosport 2, DAZN
So, 11.04. 07:00-07:45 Freies Training 3 ran.de, YouTube Formel E
So, 11.04. 09:00-10:00 Qualifying 2 ran.de, Eurosport Player
So, 11.04. 13:00-14:00 Rennen 2 Sat.1, ran.de, Eurosport 2, DAZN

Weitere Inhalte:
nach 7 von 15 Rennen