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Formel E

Formel E, Riad 2021: Mercedes-Sieg, Audi-Frust, BMW-Unfälle

Der Saisonauftakt der Formel E in Saudi-Arabien hatte Höhen und Tiefen für die deutschen Autohersteller. So schnitten Audi, BMW, Mercedes und Porsche ab.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Der Auftakt in die Formel-E-Saison 2021 am Freitag und Samstag war für die deutschen Autobauer eine Gefühlsachterbahn. In Diriyah erlebten sie Erfolge, Dramen und Enttäuschungen. Mercedes, Audi und Porsche kämpften beim ersten ePrix in Saudi-Arabien um die Spitzenpositionen. Beim zweiten Rennen rutschten sie im Klassement ab. BMW verließ die Strecke in der Nähe der Hauptstadt Riad punktlos.

Mercedes erlebte Drama nach Sieg-Euphorie

Nyck de Vries bescherte Mercedes beim Start in die erste WM-Saison der Elektrorennserie am Freitag einen blitzsauberen Start-/Ziel-Sieg. Der Niederländer war zuvor bereits in beiden Freien Trainings und im Qualifying der schnellste Fahrer gewesen. Solche Dominanzen halten in der Formel E gewöhnlich nicht lange an. Das Qualifying-System sorgt für Ausgeglichenheit. Doch die Umstände für das Werksteam der schwäbischen Traditionsmarke waren am Samstagmittag schwieriger. Für die Truppe von Teamchef Ian James hing die Teilnahme am zweiten Rennen am seidenen Faden.

Zuvor war Edoardo Mortara vom Mercedes-Kundenteam Venturi im 3. Freien Training nach einer Startübung mit etwa 140 km/h in die Streckenbegrenzung eingeschlagen. Das vordere Bremssystem funktionierte nicht und die Sicherheitsmechanismen versagten. Die Autos von Mercedes und Venturi erhielten wenige Minuten vor Beginn des Qualifyings ein Startverbot. Mercedes fand bis zum Rennstart eine Lösung und erhielt die Freigabe von der FIA. De Vries und sein Teamkollege Stoffel Vandoorne durften das Rennen vom Ende des Feldes in Angriff nehmen.

De Vries beendete das Samstagsrennen als 14., wurde aber auf Platz neun nach vorne gespült, da nach dem Rennen unzählige Strafen ausgesprochen wurden. "Am Ende konnten wir von den Strafen doch noch profitieren und drei Punkte aus diesem Tag mitnehmen", sagte der Niederländer. "Es war dennoch ein positives Wochenende für uns. Natürlich war es schade, dass wir im Qualifying nicht starten durften, aber wir waren hier von Anfang an schnell und hatten auch heute eine starke Pace. Darauf können wir aufbauen." Vandoorne fuhr nach Platz acht am Vortag im zweiten Rennen keine Punkte ein.

Ergebnisse FP1 FP2 Q1 R1 FP3 Q2 R2 WM
Mercedes 2 (36 Punkte)
Nyck de Vries 1 1 1 1 2 - 9 1 (32 Punkte)
Stoffel Vandoorne 12 2 15 8 7 - 13 15 (4 Punkte)

Audi: Rast Vierter trotz Ambitionen auf Sieg

Bei Audi ließ der neue Vollzeitfahrer Rene Rast in der Qualifikation für das erste Rennen aufhorchen. Er erreichte die Super-Pole und fuhr dort die drittbeste Zeit. Beim ersten Nacht-ePrix der Formel-E-Geschichte lag der dreifache DTM-Champion zwischenzeitlich auf dem zweiten Platz und rechnete sich Chancen auf den Sieg aus. Am Ende verpasste er als Vierter knapp das Podest. "Die Safety Cars haben nicht geholfen", zeigte er sich am Sat.1-Mikrofon enttäuscht. "Ich glaube, dass wir ohne sie gewonnen hätten. Vor dem Safety Car hatten wir mehr Energie und eine bessere Pace als Nyck. Dann kam das Safety Car und bei uns dauerte es ein, zwei Runden, bis alles wieder funktionierte. Vielleicht haben wir mit der Strategie falsch gelegen."

Die Strategie war auch in der Qualifikation zum zweiten Lauf Audis Schwachstelle. Rast trat aufgrund seines vierten Rangs in der Meisterschaft in der ersten Qualifying-Gruppe an. Sie eröffnet das Zeittraining. Die Piloten dieser Gruppe finden aus diesem Grund schlechte Streckenbedingungen vor. Rast fuhr als Letzter der sechs Fahrer aus der ersten Gruppe aus der Boxengasse. Weil er laut eigener Aussage von Konkurrenten aufgehalten wurde, schaffte er es nicht, rechtzeitig über die Start-/Ziel-Linie zu fahren, um eine Runde mit voller Energie zu starten. Er qualifizierte sich lediglich als 19, da lediglich seine erste Runde zählte.

Im Rennen kämpfte er sich auf Platz zehn nach vorne. Nach dem vorzeitigen Abbruch des ePrix wurden zwei Strafen gegen ihn ausgesprochen: Er war bei einer Full-Course-Yellow-Phase zu schnell gefahren und hatte wegen des vorzeitigen Rennendes den Attack Mode nicht wie vorgesehen zwei Mal aktiviert. Durch die Strafen fiel er aus den Punkterängen.

Ergebnisse FP1 FP2 Q1 R1 FP3 Q2 R2 WM
Audi 5 (19 Punkte)
Rene Rast 14 13 3 4 13 19 7 8 (13 Punkte)
Lucas di Grassi 3 15 16 9 10 15 8 14 (6 Punkte)

Porsche: Wehrlein fährt zwei Mal Punkte ein

Porsche schloss seine Formel-E-Premiere in Diriyah in der Vorsaison mit Platz zwei ab. Auch 2021 sah es für das Werksteam des Sportwagenbauers aus Zuffenhausen zwischenzeitlich vielversprechend aus. Neuzugang Pascal Wehrlein startete als Zweiter in den ersten Lauf. Er lag lange Zeit auf Podestkurs und kam als Fünfter ins Ziel. Am Samstag ging es für den DTM-Champion des Jahres 2015 vom 16. Startplatz nicht nach vorne. Nach einer Kollision mit Jake Dennis (BMW) wurde ihm eine Drive-Through-Strafe auferlegt. Durch die nach Rennende ausgesprochenen Strafen rückte auf Platz zehn nach vorne.

Andre Lotterer erlebte ein Wochenende zum Vergessen. Am Freitag startete der Duisburger von Platz sieben, musste im Rennverlauf wegen eines Reifenschadens aber die Boxengasse aufsuchen, was ihn zurückwarf. Am Sonntag schlug er im 3. Freien Training so heftig in die Streckenbegrenzung ein, dass sein Bolide bis zum Start der Qualifikation nicht mehr rechtzeitig repariert werden konnte. Lotterer beendete das Rennen als Elfter und damit knapp außerhalb der Punkteränge.

Ergebnisse FP1 FP2 Q1 R1 FP3 Q2 R2 WM
Porsche 9 (11 Punkte)
Pascal Wehrlein 17 16 2 5 18 16 10 10 (11 Punkte)
Andre Lotterer 2 5 7 16 24 - 11 - (0 Punkte)

BMW: Nullnummer beim Auftakt

Im ersten Saisonrennen lag der zweifache ePrix-Sieger Max Günther als zwischenzeitlich Sechstplatzierter lange auf Punktekurs, ehe er einen Fahrfehler machte, der mit einem Einschlag in die Streckenbegrenzung endete. Auch beim zweiten Lauf in Saudi-Arabien sah der Oberstdorfer die Zielflagge nicht. "Ich bin natürlich sehr enttäuscht darüber, wie die beiden Rennen in Diriyah gelaufen sind", sagte er. "Unmittelbar vor dem Zwischenfall heute musste ich mich gegen Oliver Rowland verteidigen, der hinter mir den Attack Mode genutzt hat. Meine Räder haben beim Bremsen in die Kurve auf der Innenseite blockiert, und ich konnte das Fahrzeug nicht mehr stoppen. So habe ich leider Tom Blomqvist getroffen. Zuvor hatte ich kein Glück mit meinen eigenen Attack Modes, die ich nie wirklich ausnutzen konnte. Trotzdem wären noch ein paar Punkte drin gewesen."

Sein neuer Teamkollege Jake Dennis bescherte BMW mit Platz zwölf im ersten Rennen die einzige Zielankunft. Der Rookie aus Großbritannien schied am Samstag nach einer Kollision mit Pascal Wehrlein vorzeitig aus. In den beiden Vorjahren hatte BMW zwei der drei Rennen in Saudi-Arabien gewinnen können. Bei seinem letzten Auftritt als Werksteam in der Formel E nahm der Autobauer aus München dieses Mal nichts Zählbares aus Saudi-Arabien mit nach Hause.

Ergebnisse FP1 FP2 Q1 R1 FP3 Q2 R2 WM
BMW - (0 Punkte)
Max Günther 10 10 9 - 17 11 - - (0 Punkte)
Jake Dennis 24 22 4 12 12 17 - - (0 Punkte)

nach 4 von 10 Rennen