Formel E

Formel E: Vorteil Mercedes? Schwerer Porsche-Start erwartet

Mercedes oder Porsche: Wer kommt schneller in der Formel E klar? Silberpfeile theoretisch im Vorteil. In der Praxis krachte es auf beiden Seiten.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Mercedes oder Porsche: Wer erwischt den besseren Start in das neue Werks-Abenteuer namens Formel E? In der Theorie müssten die Silberpfeile zumindest am Anfang die Oberhand behalten. Dank der Vorhut-Saison von HWA Racelab, dessen Startplatz Mercedes zu dieser Saison einnahm, konnte sich das Team mit den besonderen Anforderungen der Elektro-Rennserie vertraut machen.

Die Porsche-Mannschaft hingegen wird beim Start in Saudi-Arabien (22./23. November) ins kalte Wasser geworfen. Als einzigem Team im Starterfeld stehen den Zuffenhausenern keine Daten aus der Vor-Saison zur Verfügung.

"Ich erwarte, dass sie nicht den einfachsten Start in die Saison haben werden", glaubt Mercedes-Fahrer Stoffel Vandoorne im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Sie müssen einiges lernen." Der frühere Formel-1-Fahrer weiß, wovon er spricht: Mit HWA gab er in der vergangenen Saison sein Debüt in der Formel E und musste ebenfalls Lehrgeld in den ersten Rennen zahlen.

Dass Porsche in der Lage ist, schon in seiner ersten Saison für Furore zu sorgen, daran zweifelt unterdessen kaum jemand in der Branche. Die Ingenieure arbeiten seit dem Le-Mans-Ausstieg nach 2017 am neuen Elektro-Projekt und greifen auf ihre große Erfahrung und zahlreiche Erfolge von der Langstrecke zurück.

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"Das wird ein wahnsinniger Kampf", sagte Porsche-Einsatzleiter Amiel Lindesay am Rande der offiziellen Testfahrten in Valencia in dieser Woche. "Wir müssen zuerst auf uns selbst schauen. Wir müssen uns so gut wie möglich im Griff haben, dann können wir uns vielleicht ein bisschen umgucken."

Als Ziel gab Lindesay Podiumsplatzierungen zum Saisonende für die Porsche-Truppe aus, die von Andre Lotterers Erfahrung profitiert. Nach zwei Saisons beim amtierenden Meister-Team Techeetah kehrte der gebürtige Duisburger zurück in die Porsche-Familie, der er seit 2017 angehört.

Auf der Gegenseite ist Vandoorne bereits in den Genuss eines Podiums in der Formel E gekommen. Beim Rom ePrix 2019 errang der Belgier etwas überraschend den dritten Platz und damit die einzige Podestplatzierung für HWA. Mit der Werks-Power von Mercedes soll nun der nächste Schritt erfolgen.

Vandoorne: "Wir haben viele Ressourcen und große Unterstützung, für Mercedes ist die Formel E eine große Sache. Ich sehe hier für mich die beste Chance, die Möglichkeit zu erhalten, wieder um Siege und Titel kämpfen zu können."

Nach den ersten Erfahrungen seien schon Unterschiede zwischen der Arbeit mit HWA und dem reinen Mercedes-Werksteam zu spüren. Nicht zuletzt, weil das Unternehmen aus Affalterbach in der vergangenen Saison auf Kundenautos von Venturi setzte, während der Elektro-Silberpfeil komplett aus dem eigenen Haus stammt.

"Da gibt es große Unterschiede", so Vandoorne. "Das ist ein ganz anderes Konzept und Mercedes ist ein großer Hersteller mit vielen Leuten im Hintergrund. Der Antriebsstrang stammt aus Brixworth, die haben riesige Ressourcen und große Erfolge in der Formel 1 gefeiert, auch, wenn sich das nicht direkt vergleichen lässt. Mit all der Unterstützung ist es für einen Fahrer hier ein guter Platz."

Ganz rund lief es an den ersten beiden Testtagen in Valencia allerdings weder für Mercedes noch für Porsche. Formel-E-Rookie Nyck de Vries verpasste am Dienstag einen Großteil des Tages, weil ein technisches Problem den Silberpfeil plagte. Am Folgetag verunfallte der frischgebackene Formel-2-Champion in der Schikane und büßte weitere wertvolle Zeit ein.

Ähnlich schwer tat sich Porsche. Der Schweizer Neel Jani crashte zum Auftakt, das Team musste über Nacht das Chassis des 99X Electric wechseln. Einen Tag später erwischte es auch Lotterer. Der Le-Mans-Sieger krachte kurz vor der Mittagspause in die Schikane und beschädigte dabei seinen Boliden.

Vandoorne und de Vries legten im Verlauf der ersten beiden Testtage zusammen nur 145 Runden zurück. Das Porsche-Duo Lotterer/Jani kam auf 217 Umläufe auf dem Circuit Ricardo Tormo. Zum Vergleich: BMW mit Max Günther und Alex Sims drehte Runde um Runde und umkurvte den spanischen Kurs bereits 285 Mal.

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Die Rundenzeiten spielen zunächst eine untergeordnete Rolle, das Verständnis des eigenen Pakets, bestehend aus Auto und Software, steht im Mittelpunkt. Die bislang beste Platzierung eines der beiden deutschen Neueinsteiger erreichte Lotterer, der mit seinem Porsche am Dienstag auf Platz 14 im Gesamtklassement landete.

Nach dem Medientag am Donnerstag haben die Teams am Freitag zum letzten Mal die Gelegenheit, sich unter realen Bedingungen auf den Saisonstart einzuschießen.


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