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Formel E

Formel E Berlin: Wunsch nach Rennen rund ums Brandenburger Tor

Die Formel E gastierte bereits zum fünften Mal in Berlin. Horst Seidel, Leiter Motorsport & Klassik des ADAC Berlin-Brandenburg, zieht ein Fazit.
von Robert Seiwert & Arno Wester

Motorsport-Magazin.com - Berlin ist und bleibt ein Fixpunkt im Rennkalender der Formel E. Bereits zum fünften Mal gastierte die Elektro-Rennserie am vergangenen Wochenende in der deutschen Hauptstadt. Damit ist Berlin der einzige Austragungsort in der Geschichte der Formel E, in dem jedes Jahr ein Rennen ausgetragen wurde.

Dabei ging das Event einmal mehr erfolgreich über die Bühne - und wurde durch das Greentech Festival von Mitbegründer Nico Rosberg in den Hangars des stillgelegten Flughafens Tempelhof zusätzlich aufgewertet. Schon jetzt ist klar: Der Berlin ePrix steigt auch in der kommenden Saison, wenn mit Mercedes-Benz und Porsche zwei weitere Autobauer werksseitig einsteigen.

"Berlin wird auch 2020 im Kalender stehen", verrät Horst Seidel, Leiter Motorsport & Klassik des sportlichen Ausrichters ADAC Berlin-Brandenburg e.V., im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. Voraussichtlich wird der Rennkalender für die Saison 2019/20 beim kommenden World Motor Sport Council in Paris am 14. Juni offiziell vorgestellt.

Volles Haus beim einzigen Deutschland-Rennen der Formel E in Berlin - Foto: LAT Images

Kostengünstigstes Rennen der Formel E

Eine weitere Rückkehr nach Berlin hat wohl auch mit den geringen Kosten zu tun. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com aus FIA-Kreisen ist der einzige ePrix in Deutschland der kostengünstigste aller Formel-E-Events.

Bestrebungen, nach denen das deutsche Rennen den Standort wechselt, sind damit vorläufig vom Tisch. Audi und BMW hätten gerne ein Rennen vor ihrer Haustüre, beispielsweise in München, aber diese Pläne lassen sich aktuell nicht verwirklichen.

Der Termin für die nächstjährige Austragung steht laut Seidel noch nicht fest. Die bisherigen sechs Rennen in Berlin gingen zwischen dem 19. Mai und 11. Juni über die Bühne. Daran wird sich nach Aussage von Seidel wohl nichts ändern. Man könne auch davon ausgehen, dass wieder auf dem ehemaligen Flughafen in Tempelhof gefahren wird.

Der Berlin ePrix steigt voraussichtlich auch nächstes Jahr in Tempelhof - Foto: LAT Images

Großer Wunsch: Rennen rund ums Brandenburger Tor

Für die Zukunft wünscht sich Seidel allerdings wieder ein Rennen inmitten der Stadt, so wie 2016, als die Formel-E-Piloten rund um den Strausberger Platz um Meisterschaftspunkte gekämpft haben.

"Dorthin werden wir aber nicht zurückkehren", verrät Seidel nach Gesprächen mit den Verantwortlichen des Berliner Senats. "Ich hoffe, dass sich mein großer Wunsch, rund um das geschichtsträchtige Brandenburger Tor und den Pariser Platz zu fahren, verwirklichen lässt. Hier können wir die positive Seite der Elektro-Mobilität noch besser darstellen."

TV-Interesse hält sich in Grenzen

Bei der diesjährigen Austragung erlebte die Formel E in Berlin ein Novum: Zum ersten Mal wurde ein Event mit nur einem Rennen über zwei Tage verteilt ausgetragen. Verantwortlich dafür war die TV-Liveübertragung der ARD, die das Formel-E-Rennen in seine geballte Fußball-Ladung mit dem Tag der Amateure sowie dem DFB-Pokalfinale am Abend einbettete.

Die Quoten des vergangenen Jahres erreichte der öffentlich-rechtliche Sender mit der Formel E und dem unüblichen Startzeitpunkt von 13:00 Uhr allerdings nicht. 680.000 Zuschauer verfolgten den wiederholten Heimsieg von Audi, diesmal durch Lucas di Grassi. Das entsprach einem Marktanteil von 7,3 Prozent.

Zum Vergleich: 2018, als die ARD erstmals ein Rennen der Formel E live im Fernsehen ausstrahlte - damals unmittelbar vor der Vorberichterstattung zum Pokalfinale - schalteten 1,46 Millionen Zuseher (Marktanteil 10,2 Prozent) ein.

2018 Daniel Abt, 2019 Lucas di Grassi: Audi triumphiert wieder in Berlin - Foto: LAT Images

Volle Tribünen in Tempelhof

Immerhin: An der Rennstrecke konnte sich die Formel E über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. "Wir sind sehr zufrieden", sagt Seidel. "Zum einen, weil wir mehr Tickets verkauft haben, als im vergangenen Jahr. Die 18.000 zur Verfügung stehenden Tribünenplätze waren ausverkauft. Hinzu kommen noch Stehplatzkarten in mir noch nicht bekannter Anzahl. Gut für die Zuschauer war, dass wir erstmals mit einem Markenpokal (Jaguar I-Pace; d. Red.) eine zweite Rennkategorie anbieten konnten."

Laut Seidel sind die Verantwortlichen der Formel E und auch der Automobil-Weltverband FIA sehr zufrieden mit der vertrauensvollen Zusammenarbeit aller Beteiligten. "Darauf sind wir sehr stolz."

Das harmonische Miteinander wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass der Vertrag für das diesjährige Rennen erst am vergangenen Donnerstag, also nur einen Tag vor Veranstaltungsbeginn, von den Verantwortlichen unterschrieben wurde. "Ein weiteres gutes Zeichen", findet Seidel. "Wir haben bisher weder mit der Stadt noch mit der Formel E längerfristige Verträge abgeschlossen."


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