Formel E

Formel E 2019 Marrakesch: So wichtig ist der neue Attack Mode

Der neue Attack Mode ist auch in Marrakesch ein großes Thema. Fahrer üben schon im Shakedown. Das sagen Lucas di Grassi und Co. vor dem Rennen am Samstag.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die Formel E startet zum zweiten Rennen der Saison 2018/19 in Marrakesch - zum dritten Mal in der Geschichte der Rennserie und zum ersten Mal mit den neuen Gen2-Autos sowie dem Attack Mode. Die neue Power-Zone sorgte beim Auftakt in Saudi-Arabien vor und nach dem Rennen für große Diskussionen. Schlecht platziert, zu wenig Mehr-Leistung mit 225 statt 200 kW - die Liste war lang.

Jetzt in Marrakesch (Samstag, ab 16:00 Uhr live bei Eurosport und im ZDF-Livestream) könnten die Voraussetzungen nicht unterschiedlicher sein: Die Aktivierungszone liegt auf der Außenbahn der schnellen Linkskurve Turn 3 und nicht mehr auf der Innenseite und zu Beginn einer Geraden wie in Riad, wo die Fahrer zunächst extrem stark abbremsen mussten, um die Auslösungsspulen überfahren zu können.

Zudem weist Marrakesch zwei der längsten Geraden im gesamten Rennkalender auf, hier kommt die Zusatz-Power des Attack Mode, der im Rennen verpflichtend genutzt werden muss, richtig zum Tragen. Zuvor in Riad gab es kaum Überholmöglichkeiten, wodurch der Vordermann sich relativ einfach gegen den Fahrer mit aktiviertem Attack Mode verteidigen konnte.

Formel-E-Analyse 2019: So funktionierte der Attack Mode: (02:16 Min.)

Fahrer üben Attack Mode im Shakedown

"Hier könnte der Attack Mode eine größere Rolle spielen als in Riad, weil es mehr Geraden gibt", glaubte Virgin-Pilot Sam Bird nach dem Shakedown am Freitagnachmittag. "Wir haben heute schon gesehen, wie Fahrer für den Attack Mode geübt haben. Sie fahren bei ihren In- und Outlaps mit Rennpace durch die Aktivierungszone. Sie versuchen herauszufinden, wie sie das Auto am besten platzieren müssen, um möglichst wenig Zeit zu verlieren."

Ein Kniff beim neuen Attack Mode: Da die Aktivierungszone abseits der Ideallinie liegt, verlieren die Fahrer auf natürliche Art Zeit und vielleicht auch Positionen. Dafür können sie nach erfolgreicher Aktivierung (in Riad schaffte es Jose Maria Lopez nicht, weil er falsch drüber fuhr) über 25 kW zusätzliche Leistung für einen Zeitraum von sechs bis acht Minuten nutzen.

Simulation hilft nur bedingt

Wie genau die Zeit eingeteilt wird und wie oft der Attack Mode in den 45-minütigen Rennen eingesetzt werden muss, gibt die FIA erst rund eine Stunde vor dem Rennstart bekannt. In Riad waren es zweimal 4 Minuten. Das schränkt die Möglichkeit ein, sich vorher am Simulator geschickte Strategien auszudenken. "Wir simulieren aber, wie man die Kurven durchfahren muss, um auf der Aktivierungszone möglichst wenig Zeit zu verlieren", erklärte Bird.

Beim ersten Saisonrennen in Riad verliefen die Attack Modes der einzelnen Fahrer teilweise ziemlich chaotisch. Manche nutzten ihn zu früh und blieben im Verkehr hängen, andere aktivierten ihn mitten während der Safety-Car-Phase, womit sie die Zusatz-Power effektiv verloren. "Wir finden bei jedem Rennen neu raus, wie wir ihn am besten nutzen", sagte Audi-Teamchef Allan McNish. "Hier in Marrakesch ist die Wahrscheinlichkeit eines Safety Car recht gering. Das muss man auch einplanen."

Andre Lotterer beim Shakedown in Marrakesch in der Aktivierungszone für den Attack Mode - Foto: LAT Images

Safety Car als Schlüsselelement

Safety-Car-Phasen spielen mit Blick auf den Attack Mode eine wichtige Rolle. Am effektivsten gilt der Einsatz in der letzten Runde, bevor das Safety Car an die Box abbiegt. Fahrer, die in diesem Moment den Attack Mode nicht nutzen können, werden innerhalb der ersten Runde nach dem Safety Car durchs Feld durchgereicht.

"So haben es auch die meisten Fahrer in Riad gemacht", sagte Audi-Werkspilot und Vize-Champion Lucas di Grassi. "Dabei verlierst du keine Zeit und beim Re-Start hast du mehr Power zur Verfügung als andere Fahrer."

Besonders interessant in Riad wird die Entwicklung der Streckenbedingungen sein. Da es sich um eine permanente Rennstrecke handelt, werden die Reifen auf dem speziellen Asphalt stärker beansprucht. Dadurch entstehen vermehrt die so genannten Marbles ('Gummiwutzel') abseits der Ideallinie - jenem Bereich, den die Piloten in Kurve 3 passieren müssen, um den Attack Mode zu aktivieren.


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