Formel E

Formel E - In den Fußstapfen der Väter: Piquet trifft Viessmann

Weltmeister-Sohn trifft Unternehmer-Sohn: Nelson Piquet Junior und Max Viessmann über die großen Fußstapfen ihrer Väter in Motorsport und Business.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Nelson, was begeistert dich an der Formel E und warum steht die Serie auch für 'Next Generation Racing'?
Nelson Piquet Junior: Als ich in die Formel E eingestiegen bin, ging es mir ehrlich gesagt nur ums Racing, nicht um die große Vision dahinter. Wegen des Anspruchs der Nachhaltigkeit und der Elektro- Mobilität sind inzwischen viele Partner dazugekommen. Wir Fahrer sind auch nicht mehr nur wegen des Rennsports hier, sondern auch wegen der Werte, die mit der Nachhaltigkeit verbunden sind. Egal, ob es ums Wasser sparen, das richtige Heizen oder Recycling geht. Es ist nicht so, dass ein Mensch allein die Welt verändern kann. Aber wir alle können unseren Teil dazu beitragen. Die Formel E wird weiter wachsen und ich bin froh, ein Teil dieser Familie zu sein. Hoffentlich fahre ich auch in zehn Jahren noch hier - wenn meine zukünftige Ehefrau mich dann noch so viel reisen lässt.

Max, was fasziniert dich an der Formel E und warum engagiert sich Viessmann als Partner beim Jaguar Racing Team?
Max Viessmann: Was Nelson bereits erwähnt hat, ist auch wichtig für uns. Die Kernbotschaft unseres Engagements in der Formel E ist: Wir wollen die Lebensräume der zukünftigen Generationen gestalten. Als große Viessmann-Familie mit mehr als 12.000 Mitarbeitern können und wollen wir mit unserer Technologie und unserem Engagement Einfluss nehmen. Eine Lösung dafür wird aus unserer Sicht nachhaltig in den Haushalten erzeugte Energie sein, die dann nicht nur warme Füße macht, sondern gleichzeitig den Kühlschrank und das Elektroauto antreibt. Mit dem Panasonic Jaguar Racing Team in der Formel E haben wir dafür eine perfekte Plattform gefunden, die unsere Ideen über Rennstrecken in die weltweiten Metropolen transportiert.

Die nächste Generation: Max Viessmann trifft Nelson Piquet Junior - Foto: Viessmann

Effizienz ist ein wichtiges Thema während der Rennen. Was genau bedeutet das für dich als Fahrer?
Nelson Piquet Junior: Das Auto einfach nur zu fahren, ist eher einfach. Wir haben in unserer Teamfabrik eine sehr ausgeklügelte Software entwickelt, die uns unterstützt. Richtig schwierig wird es, wenn man in Zweikämpfe mit anderen Fahrern verwickelt ist, also überholt wird oder sich verteidigen muss. In diesen kniffligen Situationen muss man es schaffen, effizienter als die Gegner mit dem Energie-Management umzugehen. Du musst cool bleiben, denn die Rennen sind lang. Wenn man zu früh seine Energie verbraucht, fehlt sie am Ende. Auf der einen Seite stehst du also unter großem Druck, auf der anderen musst du immer konzentriert sein, um möglichst effizient zu fahren.

Max Viessmann: Da gibt es einige Ähnlichkeiten zur Führung eines Familienunternehmens. Auch uns stehen nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung. Aus Verantwortung für unsere Mitarbeiter müssen wir so effizient wie möglich arbeiten. Aber Wettbewerb erfordert auch spontanes Handeln. Man könnte sagen, dass wir das Gaspedal voll durchdrücken, wenn es drauf ankommt. Aber genauso müssen wir in bestimmten Situationen auch mal den Fuß vom Gas nehmen, wenn es um den langfristigen Erfolg geht. Ein Familienunternehmen ist kein Sprintrennen, sondern eher vergleichbar mit einem Langstreckenrennen.

The Next Generation of Motorsport - presented by Viessmann: (02:07 Min.)

Max ist bei Viessmann ebenso in die Fußstapfen seines Vaters getreten wie es bei dir der Fall gewesen ist, Nelson. Wusstest du immer, dass du einmal Rennfahrer wirst?
Nelson Piquet Junior: Mein Vater hat all meinen Geschwistern und mir die gleichen Möglichkeiten gegeben. Und wer eine Leidenschaft fürs Rennfahren entwickelt hat, bekam die Chance. Mein Vater hat quasi seinen Thron geräumt, damit wir unsere eigene Geschichte schreiben können. Er war immer fair, hat aber auch deutlich gemacht, dass man sich für den Motorsport verschreiben und sich engagieren muss. Meine Eltern haben mir später erzählt, dass ich schon von klein auf süchtig nach Motorsport war und immer nur Go-Kart fahren wollte. Das hat meinen Vater überzeugt, seine Zeit, Geld und Unterstützung in den Aufbau meiner Karriere zu investieren. Nicht, weil ich schnell war - sondern weil ich diese Leidenschaft hatte.

Max, war für dich immer klar, dass du die Verantwortung für 12.000 Mitglieder der Viessmann-Familie übernimmst?
Max Viessmann: Mein Vater hat mich nie dazu gedrängt, etwas zu tun, von dem er dachte, dass es das Richtige für mich sei. Er sagte immer: 'Wenn du etwas findest, das du liebst, dann mach es'. Es ist ganz natürlich, dass du ein Interesse für die Profession deiner Eltern entwickelst - vor allem, wenn du nicht in diese Rolle gedrängt wirst. Zum Beispiel: Als ich jünger war, bin ich Motocross-Rennen gefahren. Nach einem schlechten Rennen war ich mal unsicher, ob das das Richtige für mich ist. Mein Vater sagte mir: 'Du hast dich dafür entschieden, also bringe die Saison zu Ende und überlege, wie du dich beim nächsten Rennen verbessern kannst'. Auch das hat mir geholfen und motiviert mich heute, unser Unternehmen nach vorne zu bringen.

Kann es auch eine Bürde sein, in die Fußstapfen seines erfolgreichen Vaters zu treten?
Nelson Piquet Junior: Bei mir ist es einfach. Ich empfinde so viel Leidenschaft und Liebe für meinen Job, dass mich das nicht stört. Bei manchen Leuten in ähnlichen Situationen gibt es innerlich vielleicht diesen Druck, besser zu sein als seine Eltern. Aber meine Leidenschaft und mein Wille übertreffen dieses Gefühl, deshalb war das für mich nie ein Problem. Ich möchte nicht arrogant klingen, aber ich hatte immer das nötige Selbstbewusstsein und den Glauben an mich selber.

Max Viessmann: Wenn man in ein gut geführtes und erfolgreiches Familienunternehmen einsteigt, sieht man aus Sicht seiner eigenen Generation Dinge, die man verändern oder verbessern möchte. Das ist die eine Seite. Auf der anderen steht die Verantwortung, die man für mehr als 12.000 Familienmitglieder übernimmt. Ich versuche stets, beide Seiten miteinander zu verbinden. Es ist wie bei den Rennfahrern der früheren Generation: Du bist nicht wegen deiner Erfahrung da, sondern wegen deiner Leidenschaft und deinen Ambitionen. Wir überarbeiten kontinuierlich unsere Produktlinien und Lösungen, aber der Zweck bleibt derselbe: die Lebensräume für die zukünftigen Generationen zu gestalten.


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