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Formel E

Fred Vasseur: Formel E muss sich nicht vor Formel 1 fürchten

Das neue Rennauto der Formel E ab 2018/19 stammt aus der Feder von Spark, dem Unternehmen von Sauber-Teamchef Frederic Vasseur. Seine Ansicht zur Zukunft.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Frederic Vasseur ist den meisten aktuell aus der Formel 1 bekannt, wo er bei Sauber als Teamchef die Zügel in der Hand hält. Tatsächlich gehört der Franzose aber auch zu den absoluten Pionieren der Formel E. Vasseur ist Chef von Spark Racing Technology, dem 2012 gegründeten Unternehmen, das für den Bau der Formel-E-Autos zuständig ist. Motorsport-Magazin.com traf Vasseur auf dem Genfer Auto-Salon, wo er sich bei der offiziellen Präsentation des Generation-2-Auto das neueste Werk seiner Designschmiede anschaute.

Frederic, was ist Ihr Eindruck vom neuen Generation-2-Auto der Formel E?
Frederic Vasseur: Das Auto sieht viel aggressiver aus als sein Vorgänger. Das Konzept der Serie sieht vor, immer einen Schritt voraus zu sein. Wenn man sich das neue Auto anschaut, dann geht es genau in diese Richtung. In der Formel E kommen ja Einheitsautos zum Einsatz und die Performance steht nicht an erster Stelle. Deshalb konnten wir den Look des Autos und seine Formen viel aggressiver gestalten, das Reglement ist ja auch sehr flexibel. Das Generation-2-Auto ist der nächste Schritt in der Welt des Formelsports.

Und wie gefällt Ihnen das Design persönlich?
Frederic Vasseur: In der Formel E müssen wir anders an die Sache rangehen und 10 Jahre voraus sein. Generell im Motorsport vergleicht man ein neues Auto ja immer mit seinem direkten Vorgänger oder dem Auto von vor zwei Jahren. Das neue Formel-E-Auto ist jetzt aber komplett anders und dieser aggressive Ansatz gefällt mir. Wir mussten innovativ vorgehen und nicht versuchen, irgendwas anderes zu kopieren.

Frederic Vasseurs Firma Spark konstruiert die Rennautos der Formel E - Foto: Sutton

Halo war ein großes Thema in der Formel 1. Erwarten Sie Ähnliches auch in der Formel E?
Frederic Vasseur: Das hängt immer davon ab, welche Referenzen du hast. Wenn du die aktuellen Formel-1-Autos mit den letztjährigen Boliden vergleichst, denkst du, dass das Halo etwas komisch obendrauf sitzt. Wenn du aber am Zeichenbrett ganz von vorne beginnst, ist das eine ganz andere Geschichte. Ich finde, dass das Halo beim neuen Formel-E-Auto sehr gut integriert worden ist.

Am auffälligsten ist der fehlende Heckflügel beim GEN2-Auto...
Frederic Vasseur: Es ging ja darum, etwas sehr Innovatives zu entwickeln. In den letzten 40 Jahren war der Heckflügel eine der Gemeinsamkeiten durch den Formelsport hinweg. Manchmal waren die Räder mehr oder weniger abgedeckt, aber der Heckflügel zog sich durch alle Singleseater-Kategorien. Und da wir ja die Kontinuität etwas durchbrechen wollten, war das wahrscheinlich der richtige Schritt.

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Ist es eher ein Formel- oder ein GT-Rennauto?
Frederic Vasseur: Ich denke, dass es ein guter Mix ist. Das Ziel war, nah am Singleseater-Spirit dran zu bleiben. Wir wollten nicht versuchen, etwas zu kopieren oder den Weg der Formel 1 einzuschlagen. Das war natürlich keine einfache Aufgabe. Ich denke aber, dass sie uns gut gelungen ist.

Sind Sie aktuell überhaupt noch in das Spark-Projekt für die Formel E involviert?
Frederic Vasseur: Nein. Ich fokussiere mich voll auf mein Projekt mit Sauber in der Formel 1. Ich begleite die Formel E aber weiter, zu Beginn der Serie waren es ja wirklich spannende Zeiten. Ich freue mich immer, zurückzukehren und mit den Teams, den Formel-E-Leuten und der FIA zu sprechen. Ich bin also der Kerl, der auf die Party geht!

Überrascht es Sie, dass die Formel E innerhalb weniger Jahre so groß geworden ist?
Frederic Vasseur: Im Vergleich zu den ersten Testfahrten in Donington 2014 hat die Formel E einen riesengroßen Fortschritt gemacht. Den allerersten Test sind wir übrigens auf dem Parkplatz eines Supermarkts neben unserer Fabrik gefahren! Ich weiß den Einsatz und Aufwand von Alejandro Agag und seinem Team sehr zu schätzen, all die Hersteller ins Boot zu holen. Zu Beginn war es sehr schwierig, Leute davon zu überzeugen. Erst hatten wir Renault und inzwischen sind mehr oder weniger alle dabei.

Auch, weil die Formel E aus Marketing-Sicht sehr gut in den aktuellen Zeitgeist passt?
Frederic Vasseur: Die Formel E ist derzeit wahrscheinlich auch etwas in Mode. Es ist aber nicht nur das. Die Formel E ist die Rennserie, in der sich die technische Seite viel mehr als in allen anderen Serien entwickelt. In der Formel 1 oder LMP1 schaffen wir ein halbes oder ein Prozent pro Jahr - in der Formel E waren es 60 Prozent innerhalb von vier Jahren. Diese Verbesserungen sind eine große Motivation für alle Autohersteller auf der Welt. Denn: Nichts anderes als Wettbewerb kann für einen solch großen Fortschritt sorgen. Wenn du alle zwei Wochen ein Rennen hast, pusht dich das wie Hölle. Das ist die Essenz des Wettbewerbs und in der Elektromobilität hat es so etwas vorher nicht gegeben. Bei den Verbrennungsmotoren war es vor 40 Jahren vermutlich ähnlich, aber jetzt wurde wahrscheinlich das Limit erreicht.

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Die Formel E fährt 2019 in Monaco erstmals das gleiche Streckenlayout wie die Formel 1. Der richtige Schritt?
Frederic Vasseur: Das ist mir persönlich egal. Das Wichtigste ist, dass wir mitten in den Städten fahren. Wir müssen die Rennen zu den Menschen bringen - die Leute sollen nicht selbst zu Strecken wie Silverstone, Magny-Cours oder sonst wo hin reisen müssen. Und nur in Monaco stellt sich die Frage, ob die Formel E auf dem Formel-1-Layout fahren kann. Und warum auch nicht? Wir wissen natürlich, dass wir mit der Performance der Formel 1 weit hinterherhinken. Aber: Die Formel E entwickelt sich schneller als jede andere Serie. Die neuen Autos leisten im Vergleich zum ersten Jahr 60 oder 70 Prozent mehr.

Es wird aber direkte Vergleiche zwischen Formel E und Formel 1 geben...
Frederic Vasseur: Ja, stimmt. Aber der Spirit der Formel E ist nicht nur an Performance gebunden und vor einem Vergleich mit der Formel 1 müssen wir uns nicht fürchten. Schau dir allein die Reifen an: In der Formel E kommen Straßenreifen zum Einsatz, um weniger Reifen zu verbrauchen, das Gewicht für die Fracht zu reduzieren und so weiter. Hinter dem Ganzen steckt ja eine bestimmte Idee. Deshalb kann man auch die Rundenzeiten nicht vergleichen. Natürlich wären Formel-E-Autos mit Slicks viel schneller, aber das ist eben nicht der Sinn der Serie.

Welches Element aus der Formel E würden Sie sich in der Formel 1 wünschen?
Frederic Vasseur: Die Atmosphäre. Einer der Punkte bei der Gründung der Formel E war, dass auf der Strecke hart gekämpft wird, abseits aber zwischen den Teams, Promotern und Sponsoren eine gute Stimmung herrscht. Jeder startete bei null und war sich bewusst, dass die Serie gemeinsam aufgebaut werden muss. Die Atmosphäre zwischen Teams und Promoters ist in der Formel E hundertmal besser als in allen anderen Rennserien.


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