Formel E

Formel E, Funksprüche Top-5 Chile: Das steckt dahinter

Griff an die Kronjuwelen, lächerlicher Doppel-Crash und Rechengenie Piquet: Beim Santiago ePrix der Formel E ging es am rund am Funk! Das steckt dahinter.
von Robert Seiwert
Formel E 2018, Funksprüche aus Chile: He killed my balls!: (12:13 Min.)

Wie intensiv es bei einem Rennen der Formel E vor sich geht, zeigen immer wieder die Funkspruch-Videos nach einem Rennwochenende. Besonders hoch her ging es beim vergangenen Santiago ePrix in Chile. Vor allem Rennsieger Jean-Eric Vergne sorgte für einige Highlights. Hier die Top-5 der Funksprüche vom vierten Saisonrennen und was dahinter steckt.

1. - Niemand hört den Sieger

Jean-Eric Vergne: "Was zur Hölle war das?! Jungs, also wirklich! Wacht auf! Wollt ihr einen Doppelsieg oder sollen wir lieber crashen? Wacht auf! Was verdammt noch mal geht da ab? Das ist nicht lustig, Jungs!"

Mit diesem Funkspruch versuchte Jean-Eric Vergne seinem Team mitzuteilen, wie wenig begeistert er darüber war, dass Teamkollege Andre Lotterer ihm soeben ins Heck gefahren war. Vier Runden vor Schluss kollidierten die beiden Techeetah-Fahrer auf dem Weg zum Doppelsieg. Es ging glimpflich aus, die beiden sackten den ersten Doppelsieg eines Teams in der Geschichte der Formel E ein. Verrückt: Wegen Übertragungsproblemen konnte der Techeetah-Kommandostand in diesem Moment weder sehen, was auf der Strecke vor sich ging, noch an die beiden Fahrer funken. Das komplette Feld litt rund zehn Runden lang an Schwierigkeiten mit der Funkübertragung.

2. - Vergne im Runden-Chaos

Jean-Eric Vergne: "Wie viele verdammte Runden hab ich noch?"
Team: "Ich denke, du bist in der letzten Runde."
Vergne: "Ich hoffe, du bist dir sicher! Ich bekomme hier noch 2 Runden angezeigt."
Team: "Du bist in der letzten Runde!"

Wie kann es denn nur sein, dass der Fahrer nicht weiß, in welcher Runde er sich gerade befindet? Ganz einfach: Vergnes Anzeige-Display nach dem Autowechsel funktionierte nicht korrekt und zeigte ihm eine falsche Rundenanzahl an - nämlich eine mehr als dem Rest des Feldes. Aus dieser falschen Annahme heraus sparte Vergne mehr Energie als Teamkollege Lotterer, der dadurch aufschließen konnte, bis es zum Crash kam. All diese Missgeschicke müssen den Sieg für Vergne umso schöner gemacht haben.

3. - Engel regt sich nach Doppel-Kollision auf

Maro Engel: "Oh Gott, Turvey hat mich in die Mauer gedrückt. Jetzt hat mich noch Rosenqvist in die Mauer gedrückt. Das Auto fährt nicht mehr rückwärts. Aufhängungen vorne und hinten sind gebrochen. Unglaublich! Das ist lächerlich!"

Nach diesem Funkspruch war ziemlich klar, wie sich Maro Engel in den Anfangsrunden des Rennens fühlte. Der Pechvogel wurde kurz nach dem Start von Oliver Turvey abgeschossen, versuchte dann, weiterzufahren. Mit halb zerstörtem Auto wurde Engel wenige Kurven später auch noch von Felix Rosenqvist erwischt - Engels Rennen endete in der Streckenbegrenzung. Vor allem NIO-Pilot Turvey warf er später vor, mit Absicht in ihn reingefahren zu sein.

4. - Meine Eier!

Team: "Nicht den Gurt abnehmen. Denk an die Anweisungen bezüglich der Gurte."
...
Jean-Eric Vergne: "Ah, Fuck! He killed my balls!"

Das schmerzhafte Ende von Vergnes Rennen: Ein FIA-Mitarbeiter kontrollierte den Halt seines Gurtes direkt nach Rennende in der Boxengasse. Äußerst beherzt griff der FIA-Mann an die Gurtschlaufen zwischen Vergnes Beinen, um zu checken, ob sie auch wirklich korrekt angebracht wurden - sehr zum Leid des Franzosen...

Diese neue Prozedur war mitsamt der Abschaffung der Mindeststandzeit beim Autowechsel eingeführt worden. Für die neue Regel bekamen die Fahrer zudem neue Gurtsysteme, die sich besser anlegen lassen sollen. Übrigens: Vergne und Lotterer hätten den Doppelsieg verlieren können! Wegen einer Veränderung der Gurtsysteme standen beide Fahrer unter Beobachtung der Rennleitung. Letztendlich kam ihr Techeetah-Team mit 30.000 Euro Strafe glimpflich davon.

5. - Piquet ist ein schlaues Kerlchen

Team: "Wie viele Runden hast du jetzt?"
Piquet: "Ich versuche, das clever auszudrücken."
Team: "Du kannst einfach die Zahl sagen, kein Problem."
Piquet: "Es ist das Ziel unseres Reifendrucks plus 3."
Team: "Perfekt, gut mitgedacht!"

Wenn man weiß, dass Funksprüche der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, kann es schon mal tricky werden. Die Formel E hat sich zum Ziel gesetzt, künftig immer mehr Funksprüche live zu senden. Vorsicht, Gegner hört mit! Um der Konkurrenz gerade mit Blick auf das komplizierte Energie-Management nicht zu viele Infos preiszugeben, lassen sich die Teams einiges einfallen. Nelson Piquet trieb es in Santiago auf die Spitze und wurde richtig kreativ. Da zog auch der Renningenieur den Hut.


Weitere Inhalte:
nach 5 von 13 Rennen
Wir suchen Mitarbeiter