Formel E

Formel E Marrakesch 2018: Die 7 Antworten zum Rennen

Fanboost-Ärger bei Sebastien Buemi, Frust beim Unfall-Duo Nick Heidfeld/Maro Engel und Daniel Abt im Pech: Die Antworten zum Formel-E-Rennen in Marrakesch.
von Robert Seiwert

1. - Was hat Buemi vielleicht den Sieg gekostet?

Kuriose Geschichte: Vor dem Start hatte Renault ein Problem mit der Wasserpumpe an Sebastien Buemis Auto für den ersten Stint. Deshalb wechselte das Team kurzerhand die Autoreihenfolge und schickte Buemi mit dem eigentlich für die zweite Rennhälfte geplanten Auto an den Start. Wie sich später möglicherweise folgenschwer herausstellte, war in diesem aber das Fanboost-System nicht aktiviert.

Dabei hatte Buemi geplant, sich wenige Runden vor Schluss mit dem Extra-Boost gegen Hintermann Felix Rosenqvist zu verteidigen. Doch als der Franzose den Knopf drückte, passierte nichts. So hatte es Rosenqvist wesentlich einfacher, Buemi zu überholen und ihm somit kurz vor Rennende den Sieg abzuluchsen. "Ich wollte mich mit Fanboost verteidigen, das hat aber nicht funktioniert", ärgerte sich Buemi über den verpassten Sieg.

2. - Was machte Daniel Abt das Rennen kaputt?

Letztendlich die Full Yellow Course-Phase, die ausgerechnet Landsmann Andre Lotterer mit seinem Ausfall ausgelöst hatte. Während das gesamte Feld diesen Moment für den Boxenstopp nutzte, hatte Daniel Abt sein Auto bereits in der vorangegangenen Runde getauscht. Das kostete ihn effektiv 35 Sekunden und damit alle Chancen auf ein Top-Ergebnis.

Zuvor im Qualifying hatte Abt schon einmal Pech gehabt, als er seine schnelle Runde wegen einer roten Flagge hatte abbrechen müssen. Der Audi-Pilot durfte sie zwar wiederholen, allerdings mit nur einer statt der üblichen zwei Aufwärmrunden. So kam Abt nicht über den achten Startplatz hinaus, nachdem er zuvor im Training den bisherigen Streckenrekord pulverisiert hatte.

Von P8 ging es im Rennen schnell nach vorne auf die vierte Position, bis er wegen einer Kollision mit Alex Lynn eine Durchfahrtsstrafe kassierte. Ein insgesamt enttäuschender Tag für Abt mit Platz zehn und nur einem Punkt, den er in Folge einer nachträglichen Bestrafung von Nico Prost (Speeding in der Boxengasse) erbte.

3. - Wieso tickte Heidfeld kurzzeitig aus?

Nick Heidfeld hatte die Nase gestrichen voll. Ein einem durch Härte geprägten Rennen verlor der Mahindra-Pilot kurzzeitig die Kontrolle über seine Gliedmaßen... Stinkefinger-Attacke auf Antonio Felix da Costa! Mit dieser Geste machte Heidfeld seinem Kontrahenten deutlich, dass er wenig erfreut war über den Anschubser des Andretti-Fahrers.

Sehr zur Freude der Zuschauer fingen die TV-Kameras Heidfelds Mittelfinger in dieser Szene auch noch ein. "Das waren mindestens zwei Finger", scherzte anschließend im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Die Gangart heute war sehr hart und für mich nicht immer in Ordnung. Dann ist es nur menschlich, dem anderen seine Grüße auszurichten." Heidfeld überquerte die Ziellinie mit halb zerstörtem Auto als Siebter.

4. - Worüber regte sich Maro Engel auf?

Zwei Runden vor Schluss lag Maro Engel auf dem siebten Platz, bis er von Nick Heidfeld überholt wurde. Dann kam es zu einer Kollision zwischen den beiden deutschen Fahrern, in die auch noch Engels Venturi-Teamkollege Edo Mortara involviert wurde. Engel erhielt für die Berührung mit Heidfeld eine nachträgliche 20-Sekunden-Strafe, die ihn aus den Punkterängen warf.

Engel zu Motorsport-Magazin.com: "Ich kann die Strafe absolut nicht nachvollziehen. Ich habe Nick den nötigen Platz gelassen. Ich habe mein Auto in der Haarnedel neben ihn platziert und er hat eingelenkt, als ob ich nicht existieren würde. Dass ich hinterher eine Strafe bekomme, ist absolut lächerlich. Ich muss das akzeptieren, es ist aber wirklich schwer nachzuvollziehen."

5. - Weshalb fiel Andre Lotterer aus?

Andre Lotterer erlebt kein einfaches Debüt in der Formel E. In Marrakesch kam der Techeetah-Pilot nur 15 Runden weit, bis ein Teil der Hardware streikte und für einen Ausfall sorgte. Lotterers Bremsen blockierten und er musste das Rennen vorzeitig aufgeben. Die daraus resultierende Full Yellow Course-Phase löste den großen Boxenstopp-Ansturm aus. Lotterer zu Motorsport-Magazin.com: "Das ist wirklich schade, denn diesmal hätte ich in den Punkten sein können."

6. - Was ging bei Lucas di Grassi schief?

Die Pleiteserie des amtierenden Champions hält weiter an. Nach der Nullrunde in Hongkong ging Lucas di Grassi zum dritten Mal im dritten Saisonrennen komplett leer aus. In Marrakesch ging das Technik-Pech munter weiter. Der Audi-Pilot kam im Rennen nur sieben Runden weit, bis er wegen eines Problems mit dem Auto frühzeitig aufgeben musste.

Die technischen Schwierigkeiten hatten sich bereits angedeutet. Vor dem Rennen wechselte das Audi-Team den Inverter in di Grassis Boliden mit der Hoffnung, dass es für eine Besserung sorgen würde. Vom frühen Ausfall blieb der Brasilianer dennoch nicht verschont. Am darauffolgenden Sonntag während des Rookie-Tests arbeitete Audi weiter mit Hochdruck am Auto, sodass Formel-E-Neuling Nyck de Vries in di Grassis Auto nur einen Teil des Programms abspulen konnte.

7. - Wieso musste Rennsieger Rosenqvist zittern?

Felix Rosenqvist ist aktuell on fire in der Formel E! Der Mahindra-Pilot gewann sein zweites Rennen in Folge und führt die Meisterschaft an. Beim Marrakesch-Rennen hätte es aber auch richtig schiefgehen können. Nach dem Qualifying bemerkte das Team ein Problem an der Batterie von Rosenqvists Auto für die zweite Rennhälfte und musste das 200 Kilo schwere Teil innerhalb kürzester Zeit wechseln.

"Vor dem Rennen mussten wir die Batterie austauschen", bestätigte Rosenqvist Motorsport-Magazin.com. "Eine halbe Stunde vor der Startaufstellung war mein Auto praktisch in zwei Teilen. Ich habe gebetet, dass das zweite Auto rechtzeitig fertig wird." Es gelang Mahindra tatsächlich, während der ersten Rennhälfte alles wieder zusammenzuschrauben - und Rosenqvist damit den Sieg zu ermöglichen.


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