Eine Frage verfolgt Bruno Senna an diesem Wochenende - die nach seinem Zwischenfall mit dem auf die Strecke gelaufenen Hund in Istanbul in der GP2 2008, der ihm am Ende der Gegengeraden bei Tempo 280 ins Auto lief. "Selbst als ich mit meinen Ingenieuren heute um die Strecke gelaufen bin, wollten die ganz genau wissen, wo und wie das war", meinte der Brasilianer. "Ich hatte das für mich ja schon längst abgehakt - aber dadurch, dass mich jeder darauf anspricht, muss ich immer wieder daran denken."
Um von etwas anderem zu reden - was bedeutet das jetzt auch offizielle Ende der Beziehung zu Dallara für HRT?
Bruno Senna: Wir haben jetzt die Möglichkeit, die Entwicklung wirklich selbst in die Hand zu nehmen. Dieser Prozess der Trennung lief schon eine Weile, das hat natürlich auch einiges ein bisschen verzögert. Aber jetzt haben wir alles selbst in der Hand, na ja, vielleicht nicht alles, weil uns das Geld fehlt, um alles zu machen, was wir wollen - aber zumindest die Möglichkeiten, die Instrumente in der Hand, um weiterzukommen.

Wirkt sich das hier schon aus?
Bruno Senna: Wir haben diesmal schon ein paar mehr Ersatzteile, haben jetzt eine bessere Struktur, um Teile selbst zu fertigen, das ist wichtig.
Wie weit denkt das Team an 2011 - wie viel passiert noch dieses Jahr?
Bruno Senna: Natürlich denken wir schon an 2011, und man muss sehen, wie viel man noch in dieses Auto steckt, weil die Basis 2011 anders sein wird. Aber die Basis dieses Auto ist auch einfach noch nicht weit entwickelt, man kann nicht sagen, das Auto ist grundsätzlich so schlecht, dass man nichts dran machen kann. Jedes Auto kann man weiterentwickeln und verbessern. Ein bisschen können und müssen wir auf jeden Fall noch pushen, ich denke, man kann auf relativ einfache Art noch einiges an Zeit aus dem Auto herausholen.
Wann wird da was kommen?
Bruno Senna: Ein bisschen was nach Kanada, aber der großer Schritt, wenn alles gut läuft, hoffentlich für Hockenheim.
Man hört, ihr wollt entweder mit dem Mercedes-Windkanal in Brackley arbeiten - oder auch die Toyota-Anlagen in Köln kaufen...
Bruno Senna: Da ist noch nichts entschieden - das ist etwas, was noch gelöst werden muss. Im Moment läuft die ganze Entwicklung noch über CFD, das ist natürlich noch nicht optimal, wäre besser, wenn man auch einen Windkanal zur Verfügung hätte.

Was erwartet euch hier in der Türkei?
Bruno Senna: Es ist die erste Strecke, die gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird, das gibt zusätzliche Belastung für die Halsmuskeln. Ich glaube, einige Kurven hier werden eine besondere Herausforderung für unser Auto sein, vor allem Kurve Acht. Denn da braucht man viel Downforce und Stabilität - und genau das fehlt uns. Und das sind im Prinzip vier schnelle Kurven hintereinander, mit einer ganzen Menge Bodenwellen in der Mitte. Also alle unsere Hauptprobleme zusammen in einer einzigen Kurve. Ich glaube, wir werden das Auto vor allem auf diese Kurve abstimmen müssen, der Rest der Strecke wird sich daraus ergeben.
Hast Du eigentlich mal mit Rubens Barrichello darüber gesprochen, dass er da in Monaco sein Lenkrad in euren Weg geworfen hat?
Bruno Senna: Nein, noch nicht - aber ich werde es noch tun und werde ihm sagen, wenn er in Zukunft was bei uns abladen will, dann soll er es doch bitte in unseren Truck werfen!
Dein Teamkollege Karun Chandhok hat kürzlich in einem Interview behauptet, er sei ständig schneller als du - wie hast du darauf reagiert, normal versteht ihr euch doch recht gut...
Bruno Senna: Ich habe es gesehen, habe ihn auch darauf angesprochen, er hat behauptet, der Journalist habe das aus dem Zusammenhang gerissen... Tatsache ist, dass es nicht stimmt, statistisch, weder für das Qualifying noch für das Rennen - und das weiß er auch. Damit war das Thema dann aber auch beendet. Wir haben ein gutes Verhältnis - das steht über so was...

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