Formel 1 / Hintergrund

Die Chancen der WM-Anwärter - WM-Kampf: Titelentscheidung in Brasilien?

Der Titeldreikampf geht in die vorletzte Runde. Button, Barrichello, Vettel - wer hat in Brasilien die besten Karten auf den Sieg und den Titel?
von Stephan Heublein

Für Jenson Button spricht

Die Mathematik Es ist eine einfache Rechnung: Button hat 14 Punkte Vorsprung auf Barrichello. In den letzten beiden Rennen sind noch 20 Punkte zu vergeben. Wenn Button aus beiden Läufen insgesamt sechs Punkte holt, ist er Weltmeister. Mit sechs Siegen hat er zudem die meisten Erfolge und würde auch bei Punktgleichheit triumphieren.

Die Konstanz Kein anderer F1-Pilot war in dieser Saison so konstant wie Button: Der Brite kam bei allen Rennen außer dem Belgien GP ins Ziel, und zwar immer in den Punkterängen. Sein Ausfall in Spa war nicht selbstverschuldet, er wurde von Romain Grosjean abgeschossen. Barrichello kam zweimal nicht in die Punkte, Vettel hat sogar fünf Nullrunden vorzuweisen

Die Theorie Nach einem furiosen Saisonbeginn lief es für Button nicht mehr. Bei den letzten beiden Rennen hätte er besser abschneiden können, aber Strafen und diverse Probleme kosteten ihn eine gute Startposition. Somit musste er sich immer von hinten vorarbeiten. Sollte einmal alles nach Plan laufen, wird er wieder vorne starten und dann auch vorne ankommen.

Die Strecke Interlagos besteht aus einem schnellen Teil mit der langen Start-/Zielgerade und einem winkligen Streckenabschnitt. Die Strecke ist noch immer sehr wellig, was dem Handling des Brawn entgegenkommen dürfte. Neben dem kürzeren Radstand des BGP001 sollte auch das aerodynamisch nicht so sehr auf die Spitze getriebene Konzept von Vorteil sein. Selbst Helmut Marko bezweifelt, dass Interlagos dem RB5 liegt, allerdings wegen der langen Gerade, die nach viel Motorleistung verlangt. Da ist Brawn-Partner Mercedes im Vorteil gegenüber Red Bull Motorenlieferant Renault

Für Rubens Barrichello spricht

Die Brawn-Einigkeit wankt: Button ist nicht mehr der unumstrittene Supermann vom Saisonbeginn. - Foto: Sutton

Der Heimvorteil Sao Paulo ist das Heimrennen für Rubens Barrichello, der von den Fans frenetisch angefeuert werden wird. Gleichzeitig kennt er die Strecke aus dem Effeff und wird bis in die Zehenspitzen motiviert sein, um seinen Fans einen Sieg und eine Chance auf den WM-Titel zu servieren. Dass der Kurs seinem Auto liegen sollte, kommt noch positiv obendrauf.

Die Nerven Viele Experten sind der Meinung, dass die abfallende Formkurve von Button in seiner Unerfahrenheit im Titelkampf begründet ist. Der Druck eines WM-Führenden und das Nervenflattern vor dem großen Finale könnten Button weiter in die Bredouille bringen. Barrichello steckte selbst auch noch nicht in einem echten WM-Kampf, kann als ehemaliger Ferrari-Fahrer aber besser damit umgehen.

Das Setup Button verlor sich in der zweiten Saisonhälfte viel zu oft auf der Suche nach dem passenden Setup. Barrichello kam schneller und besser zurecht. Auf seiner Heimstrecke dürfte er erneut keine Probleme haben. Zudem spielen ihm die vorhergesagten kühleren Temperaturen in die Hände. Barrichello kann durch seinen aggressiveren Fahrstil die Reifen besser auf Temperatur bringen als Button.

Der Vettel-Faktor Die Mission Titelgewinn ist für Vettel alles andere als einfach. Aber dank seiner guten Form könnte er Barrichello dabei helfen, Button Punkte abzunehmen, indem er hinter Barrichello, aber vor dem WM-Leader ins Ziel kommt. Gleiches gilt natürlich auch für den zweiten Red Bull Piloten Mark Webber oder alle anderen Fahrer. Red Bull schien nur zuletzt klar die beste Form zu haben.

Für Sebastian Vettel spricht

Schafft Sebastian Vettel noch das Wunder? - Foto: Red Bull

Die Form Singapur und Suzuka könnten von der Streckencharakteristik kaum unterschiedlicher sein, trotzdem besaß Red Bull auf beiden Strecken das schnellste Auto. Entsprechend zuversichtlich kann Vettel nach Sao Paulo reisen. Der RB5 sollte auch dort konkurrenzfähig sein.

Die Wettervorhersage Die Wetterfrösche erwarten zumindest am Freitag und Samstag Regen, vielleicht auch am Sonntag. So oder so: Abgesehen vom Lotteriefaktor eines Regenqualifyings oder gar Regenrennens sprechen kühle Temperaturen für Red Bull und vor allem gegen Brawn GP.

Die Konkurrenz McLaren, Toyota, Ferrari, Williams - viele Teams ließen in den letzten Wochen mit Podestplätzen, guten Ergebnissen oder gar Siegen aufhorchen. Alle könnten sie Vettel bei seiner schwierigen Aufgabe helfen, indem sie sich vor Button und Barrichello einordnen. Vettel muss ohnehin beide Rennen gewinnen, wenn er noch eine Chance auf das Wunder haben möchte.

Der Teamkollege Mark Webber wird Vettel im Titelkampf helfen, sofern er dazu in der Lage ist. Sollte das Wochenende für ihn einmal glatt laufen, ist er angesichts der guten Performance des Red Bull sicher in der Lage, mit Barrichello und Button zu kämpfen, die sich gegenseitig duellieren, statt sich zu helfen.

Der Kimi-Faktor Mit 16 Punkten Rückstand sind Vettels Chancen zwei Rennen vor Saisonende rein theoretischer Natur. Aber die Vergangenheit hat bewiesen, dass es machbar ist. Kimi Räikkönen holte 2007 17 Punkte in zwei Rennen auf. Genau darauf beruft sich Vettel: "Wer Kimi kennt, weiß, dass er nicht viel nachdenkt und Gas gibt - genau das brauchen wir jetzt."


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video

a