So heiß wie nach dem Rennen in Fuji wurde zuletzt 2006 über Reifen diskutiert. Diesmal ging es aber nicht um den Unterschied zwischen Michelin und Bridgestone, sondern darum, wie die FIA ihre Anweisungen an die Teams kommunizieren sollte und wieso Ferrari sich einfach für die falschen Reifen entschied - egal ob es eine Anweisung gab oder nicht. "Wir dachten, es gäbe andere Bedingungen. Wir haben wenige Minuten vor dem Start mit dem technischen Operator von Bridgestone gesprochen und er sagte uns, die Full Wet wären die besseren Reifen, um das Rennen zu starten. Für uns war es eine große Überraschung und wir waren geschockt", meinte Jean Todt bei seinem Debriefing.
Doch der Teamchef war nicht nur überrascht, geschockt und hatte auf die falschen Reifen gesetzt, er war eben auch verwundert, dass die Mitteilung der FIA, das Rennen mit Full Wets zu Beginnen, Ferrari nicht erreicht hatte. "Man hätte die Information leicht über den Monitor ausgeben können, wie es oft passiert, wenn die Info so wichtig ist. Uns wurde dann gesagt, die Info wurde per Mail ausgegeben und Stefano [Domenicali] checkte seine E-Mail. Dort hieß es, sie sei um 13:37 angekommen", meinte Todt. Das wäre demnach sieben Minuten nach dem Start hinter dem Safety Car gewesen. Laut Todt war es jedenfalls zu spät, noch auf Regenreifen zu wechseln, als man von der Anweisung hörte.
Domenicali war wegen der Art und Weise, wie die FIA ihre Anweisung unter die Teams brachte, nicht begeistert. "Man sollte E-Mails nur für normale Informationen nutzen, wie Ergebnisse oder Notizen über die Veranstaltung", betonte er, "wichtige Informationen für das Rennen sollten nur mit einer Übergabebestätigung überbracht werden, die vom Team unterzeichnet werden muss." Er meinte außerdem, dass es von Ferrari wohl dumm gewesen wäre, wenn am die Anordnung gekannt hätte und dann trotzdem das Gegenteil getan hätte.

Man tat es aber trotzdem, was bei jeder Erwähnung auch wieder für Verwunderung sorgte. Denn das Wetter ließ eigentlich nie vermuten, dass Intermediates die bessere Wahl seien, dennoch wurden sie aufgezogen. "Es war eine strategische Entscheidung", verteidigte Domenicali und wies darauf hin, dass von der FIA in der Startaufstellung niemand anmerkte, dass man falsche Reifen hatte. Das dürfte aber vielleicht den gleichen Grund gehabt haben wie bei Jean Todt, der sich damit verteidigte, dass man die Reifen an den anderen Autos aufgrund der Heizdecken nicht sehen und deswegen von daher auch nichts erahnen konnte.
Was Domenicali verkünden konnte, war, dass sich die FIA im Anschluss dafür entschuldigt hatte, dass man auf E-Mails zurückgegriffen hatte, anstatt sie nur für normale Kommunikation zu verwenden. "Bei Mails ist man nie sicher, wann sie ankommen. Alle Teams benutzen da unterschiedliche Systeme", sagte Domenicali. Eine schwarze Flagge wegen des Aufziehens der falschen Reifen stand aber nie zur Debatte, da die Fahrer früh genug reingeholt wurden. Wie lange sie sich mit Intermediates auf der Strecke gehalten hätten, wäre die andere Frage gewesen.
Denn Jean Todt gab selbst zu, dass der Regen nach dem Start noch einmal zulegte und man wohl von sich aus schon andere Reifen gewählt hätte, wäre die Wettersituation vorher bekannt gewesen. "Wenn wir aber informiert worden wären, dass es keine Wahl bei den Reifen gibt, dann wäre es für uns auch leichter gewesen", monierte der Franzose aber weiter. Die Weltmeisterschaft abhaken will er aber noch nicht, auch wenn Lewis Hamilton wohl nur mehr schwer einzuholen sein wird. "Was heute mit Alonso passiert ist, könnte nächste Woche mit Hamilton passieren. Es gibt eine Vorhersage, dass es vielleicht Regen geben wird. Man hat heute gesehen, wie viele Autos in einen Zwischenfall verwickelt waren", sagte Todt.
Bei Ferrari gäbe es jetzt jedenfalls nur mehr einen Fahrer, der um den Titel mitkämpfen kann und für den Teamchef steht außer Frage, dass alle ihr Bestes tun werden, um dem Team zu helfen. "Rennen für Rennen, Runde für Runde und dann werden wir sehen." Ähnlich sieht es auch bei der Zukunft des Franzosen aus. Auch dort wird man erst sehen. In der Formel 1 will er auf jeden Fall erst einmal bleiben. "Vielleicht nicht bis zum Ende meines Lebens, aber vielleicht für die nächsten fünf Jahre. Ich bin kein großer Redner. Ich denke also nicht, dass jemand von mir erwarten sollte, dass ich etwas in einem privaten Interview ankündige", meinte er in Richtung eines Kollegen, der wieder einmal etwas mehr gewusst haben wollte. Todt empfindet es als Privileg, selbst entscheiden zu können, wie lange er noch weitermachen will.

Ob das immer bei Ferrari sein wird, steht aber auch für ihn auf einem anderen Blatt. "Wenn man über Ferrari spricht, dann liegt die Entscheidung nicht nur bei mir", sagte er. Und das betreffe nicht nur seine Zukunft, sondern auch andere Dinge. So könne er bei einer etwaigen Diskussion über die Verpflichtung von Fernando Alonso nur Rat geben, entschieden werde woanders. Generell findet er aber das, was darüber geschrieben wird, Blödsinn. Laut Todt sei die Chance, dass Alonso im kommenden Jahr bei Ferrari fährt null Prozent. "Wir haben zwei fantastische Fahrer. Wir sind sehr zufrieden mit ihnen."
Nicht ganz unerkannt an Todt vorbeigegangen sind aber auch die Saison von Lewis Hamilton und seine Leistung in Fuji. Ein etwas schadenfroher britischer Kollege meinte, dass der McLaren-Pilot nun auch im Regen gezeigt habe, was er kann. Todt blieb ruhig und antwortete: "Schon bevor er in der Formel 1 war, hat er in der GP2 unglaubliche Rennen gezeigt. Er hat die Fähigkeiten, er hat das Talent." Und er hatte auch die richtigen Reifen.

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