Es war wieder einmal einer dieser normalen Freitage, an denen es nur normales zu erzählen gab, weil alle nur normale Dinge getan haben. So war es beispielsweise schon fast normal, dass Sebastian Vettel in den Trainings die Bestzeit erzielt hat - schließlich hat er das ja beim Einstieg auch geschafft und schlechter wird er wohl nicht geworden sein. Es war schon normal, dass Ferrari vorne dabei war und genauso normal waren die Aussagen der Fahrer nachdem sie in zwei mehr oder wenig normal langweiligen Sessions mehr oder weniger gefahren waren.

Also, was war nun außergewöhnlich an diesem Freitag in Monza? Irgendwelche wichtigen Verlautbarungen gab es nicht, so etwas wird ja nur an Tagen gemacht, die auch fahrerisch von Bedeutung sind; also Samstag und Sonntag. Dennoch kann man viel interpretieren, wenn man ein wenig zuhört. So glauben ja bereits alle zu wissen, wie sich Michael Schumacher über die Zukunft entschieden hat. Er meinte dazu: "Es ist erst Freitag. Im Laufe des Wochenendes verändern sich die Dinge meistens etwas." So sieht Michael Schumacher also die Zukunft seines Autos über die nächsten zwei Tage - was haben Sie denn gedacht? Über andere Dinge redet der Mann in rot doch nicht.
Ralf Schumacher war seinerseits froh, dass bei ihm magentechnisch wieder alles normal war. Ebenso normal wie seine Verdauung präsentierte sich dann auch sein Resümee des Tages: "Wir hoffen auf eine starke Performance an diesem Wochenende", setzte Ralf hohe Ziele. "Wir möchten unsere Pace weiter steigern und sind entschlossen dies in ein gutes Ergebnis umzusetzen." Wem diese Normalität noch nicht genug war, der folge bitte zum nächsten Fahrer.

Nick Heidfeld schloss nämlich ungefähr da an, wo Ralf aufgehört hatte. Sein Fazit lautete so: "So weit so gut: Wir hatten keine Probleme, und die Reifen, die wir für Monza von Michelin bekommen haben, funktionieren anscheinend. Schon unser Test hier war gut, das Low-Downforce-Aero-Paket passt." Lediglich der nicht so sprachgewandte Formel-1-Unsachverständige könnte in dieser Aussage ein kleines Abenteuer in Form des Low-Downforce-Aero-Pakets entdecken. Doch nach einigen Studien wird dann auch dieser darauf kommen, dass dieses Low-Downforce-Aero-Paket in Monza so normal ist, wie Fliegen auf dem Plumpsklo.
Ein bisschen mehr Aufregung gab es da schon, wenn man zu Heidfelds Teamkollegen Sebastian Vettel blickte. Der ist nämlich immer noch 19, was ja normal ist, da seit Istanbul kein Jahr vergangen ist, und er ist auch immer noch schnell, was eigentlich seit Istanbul auch jeder weiß. Na gut, es war also nicht mehr ganz so aufregend, zu Sebastian Vettel zu blicken, aber er hatte dann doch noch etwas Interessantes zu erzählen: "Es war heute früh erst nicht ganz einfach für mich. Ich bin ja zwischenzeitlich wieder Formel 3 gefahren. Allerdings ist der Umstieg vom F3 in den Formel 1 einfacher als der Schritt zurück." Ein findiger Wortverdreher könnte daraus natürlich ableiten, dass es in der Formel 3 schwieriger wäre als in der Formel 1 und deswegen die Formel 3 die Formel 1 und umgekehrt sein müsste.

Doch gehen wir nicht zu weit, sondern nur bis zum nächsten Fahrer, der den Namen Nico Rosberg trägt. "Ich hatte heute eine gute Session. Wir haben einige Dinge ausprobiert, manche haben funktioniert, andere nicht. Aber all das wird uns bei der Vorbereitung für den Rest des Wochenendes helfen, gemeinsam mit dem, was wir bei den Tests herausgefunden haben", sagte der Deutsche. Klang nach einem ganz normalen Freitag für Rosberg.
Deswegen musste sein Teamkollege Alex Wurz auch direkt nachlegen, um den Normalitätslevel zu halten. "Wir hatten einiges an Wissen von unserem Test in der vergangenen Woche, sind aber trotzdem durch eine normale Freitags-Prozedur gegangen, was hauptsächlich Reifentests bedeutete. Ich bin recht zuversichtlich darüber, welchen Weg wir bezüglich der Reifenwahl einschlagen werden und wir haben es auch geschafft, eine gute Balance am Auto zu finden", sagte der Österreicher.

Damit aber auch die Rot-Weiß-Roten einen kleinen Ausreißer in ihrem Zwei-Mann-Team haben, was ja auch eine normale Sache ist, musste eben Christian Klien eine etwas unnormale Aussage tätigen. "Ich bin sehr glücklich mit den Sessions heute. Es ist hier ein Hochgeschwindigkeitskurs in Monza, was sehr spaßig zu fahren ist und ich mag das", sagte der Österreicher, der sich vor allem über die Balance seines Autos freute und darüber, dass er seine Rundenzeiten verbessern konnte. Da kann man nur noch sagen, normalerweise geht das auch besser.
Blieb nur noch der Schweizer, der aber, normal neutral wie er ist, etwas so stinknormales sagte, dass auch die Fliegen auf dem Plumpsklo die Flucht ergriffen hätten. "Am Nachmittag habe ich die üblichen Simulations-Läufe im Renntrim gemacht", sagte Neel Jani. Doch dann ließ er doch noch eine Bombe platzen, sozusagen den Witz des Tages, den Überbrüller: "Ich denke, ich hatte genügend Benzin an Board, um in die Schweiz zu fahren und wieder zurück." Ja, manchmal muss man sich auch mit wenig zufrieden geben, um viel zu haben. Das ist doch ganz normal.

diese Formel 1 Kolumne