Eins Komma vier Sekunden sind in der Formel 1 nicht ein oder zwei, sondern gleich drei Welten; in diesen Abstand passen ganze Paralleldimensionen und Universen hinein. Genau diese eins Komma vier Sekunden betrug der Abstand zwischen den beiden Titelrivalen Michael Schumacher und Fernando Alonso am Freitag in Monza.
Die beiden Protagonisten wollten das nicht überbewerten. Überraschend ist das nicht, schließlich konnten sie sich bislang auch noch nicht auf einen Favoriten einigen: Schumacher stapelte bereits am Donnerstag tief, dass Ferrari nicht überlegen sein würde, Alonso sieht das hingegen seit Wochen anders. Der große Rückstand im 2. Freien Training trieb dem Spanier aber keine hässlichen Sorgenfalten auf die weltmeisterliche Stirn.
"Wir scheinen nicht so schnell zu sein, vor allem im Vergleich zu Ferrari, aber es ist erst Freitag und wir wissen, wie sich die Dinge im Laufe des Wochenendes verändern können", betonte Alonso, der vor allem auf Michelin setzt. "Die Reifen scheinen konstant zu sein und auch schon auf der ersten Runde gute Ergebnisse zu liefern." Christian Danner sah das ähnlich: "Renault blieb cool und fuhr eiskalt sein Programm mit relativ viel Sprit. Dabei wurde Fernando Alonso von Runde zu Runde deutlich schneller - mit einer Konstanz, die ziemlich beeindruckend war."
Dieser These stimmte Marc Surer zu: "Renault war sehr schwer unterwegs, aber Ferrari hat das schnellste Auto. Dafür dürften die guten Bridgestone-Reifen verantwortlich sein. Ferrari war unter diesen Bedingungen das Top-Auto im Feld." Allerdings rechnet der Schweizer bis zum Sonntag wieder mit den Franzosen. "Sie fahren offensichtlich mit mehr Sprit und konzentrieren sich auf das Rennen. Dann könnte ihre Chance kommen - das haben wir schon in Istanbul gesehen." Deshalb erwartet Danner einen "großen Showdown" zwischen den zwei Titelanwärtern.
"Renault ist ein paar Zehntel langsamer als Ferrari und unter Umständen auf Long Runs einen Tick besser", analysierte Danner weiter. "Aber hier in Monza kann man auch mit einem langsameren Auto dran bleiben. Wenn die Getriebeübersetzung passt, kann man das auf den langen Geraden wieder aufholen."
Michael Schumacher wollte deshalb keine "voreiligen Schlüsse" ziehen. "Es ist erst Freitag", mahnte er und stieß ins gleiche Horn wie Alonso und Surer: "Im Laufe des Wochenendes verändern sich die Dinge meistens etwas." An den letzten Rennwochenenden spielten diese Veränderungen meistens Renault in die Reifen. Aus diesem Grund sieht er seinen großen Vorsprung auf Renault noch nicht als Fingerzeig auf eine rote Dominanz. "Natürlich möchte ich gewinnen, aber der Vorsprung dürfte nicht das ganze Wochenende so groß bleiben. Andererseits hätte ich natürlich nichts dagegen."



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