Die Formel 1 und Amerika - das ist eine zum Teil recht wechselhafte und auch schwierige Beziehung. Der Anfang gestaltete sich zäh und mühevoll. Zum ersten Mal trat die selbst ernannte "Königsklasse" 1950 in den Vereinigten Staaten auf. Das Indy 500 wurde in die Formel 1-Weltmeisterschaft aufgenommen - doch wirklich teilgenommen haben die F1-Protagonisten dort im Grunde nicht. Beim letzten zur F1-WM zählenden Indy 500, im Jahr 1959, gab es keine einzige Nennung aus Europa.
In Sebring wurde im gleichen Jahr der erste echte "Grand Prix der USA" abgehalten. Doch dieses Rennen war kein großer Erfolg, weshalb man im Jahr darauf im kalifornischen Riverside antrat - allerdings fand dieses Rennen wiederum zu einem Zeitpunkt statt, an dem die Formel 1-Weltmeisterschaft längst entschieden war, weshalb Ferrari beispielsweise gar keine Autos über den großen Teich schickte. So musste der aufsteigende Komet Phill Hill, der zuvor den Italien-Grand Prix gewonnen hatte, auf einen gewissen British Racing Partnership-Cooper umsteigen. Auch nach diesem halbherzigen Auftritt verzichtete man auf eine Wiederholung.
20 Jahre Watkins Glen
Und so tauchte die Formel 1 im Jahr 1961 erstmals in Watkins Glen auf - hier fühlten sich die Formel 1-Piloten wohl, die Strecke gefiel ihnen. Vor allem die britischen Piloten waren von der Strecke angetan - die ersten sieben Jahre stand immer ein Brite ganz oben auf dem Siegerpodest. Ende der Sechzigerjahre wurde Watkins Glen zu gefährlich, weshalb man den Kurs breiter anlegte und ihn nebenbei sogar um ein gutes Stück verlängerte. Den Piloten gefiel der Kurs noch besser - die Formel 1 blieb Watkins Glen bis ins Jahr 1980 treu.

Doch neben dem Watklins-Glen-Rennen gab es noch weitere, mehr oder weniger erfolgreiche, Auftritte in Amerika. Ab 1976 wurde in Long Beach ein Grand Prix auf einem wunderschönen Stadtkurs abgehalten. Natürlich gab es auch den schlimmen Unfall von Clay Regazzoni im Jahr 1980, der große italienische Kämpfer sitzt seither im Rollstuhl. Doch nicht die Mauern und die mangelnde Sicherheit waren der Grund, warum hier nicht weitergefahren wurde. Ende 1983 konnten Bernie Ecclestone und die Veranstalter keine finanzielle Einigung erzielen, das Rennen war Geschichte.
Im Gambler-Paradies
1981 und 1982 trat die Formel 1 zudem in Las Vegas auf, auf dem Parkplatz des Ceasar's Palace-Casinos. Mit dem F1-Rennen wollten die veranstaltenden Geschäftsleute angeblich das Mafia-Image loswerden. Doch weil nur wenige Zuschauer zu den Rennen erschienen, wurde die Partnerschaft beendet. Ebenfalls im Jahr 1982 konnte die Formel 1 ein weiteres Gastspiel in den Staaten etablieren - den Grand Prix in Detroit. Dort blieb man bis 1988. Im Jahr 1984 gab die Formel 1 ein einmaliges Gastspiel in Dallas, welches wegen Misserfolgs nicht wiederholt wurde. 1989 wanderte man nach Phoenix - dort wurde 1991 der für viele Jahre letzte GP der USA abgehalten.

Im Jahr 2000 kehrte die Formel 1 nach beinahe zwei Jahrzehnten nach Indianapolis zurück. Das Oval wurde mit einem engen Infield Formel 1-kompatibel gemacht. Doch schon bei der Begrüßung wurde es eiskalt im Pressesaal, erklärte Michael Schumacher auf die Frage, welch Gefühl das sei, auf dem legendären "Brickyard" zu fahren: "Das ist ein Rennen wie jedes andere auch." Dies Unterkühltheit wurde aber noch übertroffen - die Formel 1 tat so ziemlich alles, um sich in jenem Land, welches mit der NASCAR-Serie puren Motorsport gewöhnt ist, unbeliebt zu machen.
Verhöhnung pur
2002 wurden Michael Schumacher und sein damaliger Ferrari-Adjutant Rubens Barrichello ob der ewigen Siege wohl ein wenig übermütig - man wollte wissen, ob man auf das Tausendstel genau über die Ziellinie huschen könne. Dabei hatte dann Rubens Barrichello die Nase vorne, obwohl Michael Schumacher das ganze Rennen über geführt hat. Für die wettfreudigen Amerikaner war dies schlicht und einfach eine schallende Ohrfeige mitten ins Gesicht.
Den Gipfel an Unbeliebtheit erzielte man im Vorjahr mit dem rundum bekannten "Petit Prix", als man mit nur sechs Autos ein "Rennen" abhielt. Zirkusdirektor Bernie Ecclestone sorgte unlängst, kurz vor der Rückkehr an die Stätte der Blamage, dafür, dass der Ärger aus dem Vorjahr nicht abflaut - er sagte: "Amerika ist nicht wichtig für die Formel 1. Amerika bringt uns nur Ärger..." Und so wäre es wenig überraschend, wenn der in diesem Jahr auslaufende Vertrag mit dem Indianapolis Speedway nicht verlängert wird.

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