Als Kimi Räikkönen im Laufe des vergangenen Jahres immer öfter mit Ferrari in Verbindung gebracht wurde, hielten ihn einige Fans für verrückt. Der Finne saß im McLaren im anerkannt schnellsten Auto des Feldes und wollte in den bemitleidenswert langsamen Ferrari wechseln? War der Ice Man denn zu lange in der Kälte gestanden?

Im Gegenzug wurde Fernando Alonso zu seinem Wechsel in Richtung McLaren Technology Centre beglückwünscht. Angesichts des dominanten Speed des MP4-20 sei dies der silberrichtige Schachzug gewesen. Allerdings hörte man in beiden Fällen auch mahnende Worte: Wer könne denn garantieren, dass McLaren auch 2006, geschweige denn 2007, das schnellste Auto haben würde? Wieso sollten der MP4-21 und MP4-22 genauso überlegen wie der MP4-20 sein? Könnte nicht auch wieder ein MP4-18 folgen?

Wie schnelllebig die Formel 1-Welt sein kann, bewies die Saison 2005. "Wenn man 2004 hätte entscheiden müssen, dann wäre Ferrari die erste Wahl gewesen, weil alle dachten, die fahren auch 2005 Kreise um den Rest", gibt Norbert Haug zu Bedenken. Der F2005 war keineswegs ein würdiger Nachfolger der schnellsten Autos der Jahre 2001-2004.

Dennoch feierten die Italiener in diesem Jahr ein Comeback; Ferrari war in der ersten Saisonhälfte tatsächlich schneller als McLaren, die ihre Überlegenheit über den Winter verloren haben. "Eine solche Leistung hätte uns doch im letzten Jahr niemand zugetraut", weist Michael Schumacher auf den Leistungssprung hin. "Allerdings ist es schön, dass man bei uns solche Schwächeperioden so schnell vergisst."

Ist also Ferrari die beste Wahl für die kurzfristige Zukunft? "Letztes Jahr waren wir die Seriensieger; wenn man da hätte entscheiden müssen, wären wir die logische Wahl gewesen", so Haug weiter. "Derzeit hat eben nur einer wirklich den allerletzten Schritt machen können. Aber alle Serien der Dominanz reißen irgendwann einmal. Wer sagt denn, dass Renault 2007 noch immer das beste Paket hat?"

McLaren, Ferrari, Renault - Was also tun Kimi? "McLaren ist eines der besten Teams der F1-Geschichte und sie werden sich wieder erholen", bestätigt Ex-Champion Emerson Fittipaldi Fernando Alonso in seinem frühzeitig eingefädelten Cockpitwechsel.

Letztlich wird sich aber erst im März 2007 zeigen, wer der beste Hellseher der F1 gewesen ist. Während Fernando sich schon lange auf sein neues Tafelchrom festgelegt hat, stehen Kimi noch alle Möglichkeiten offen. Jetzt muss er sie nutzen. Am Ende wird nur der Weitsichtige bestehen.