So, wenn wir uns Eure Prognosen von gestern anschauen, dann hatte Alex recht: Er hat auf Renault getippt.

Christian Danner: Ja mei, da hat halt er einmal recht gehabt. [lacht]

Alex Wurz: Die Chancen standen 50:50.

Christian Danner: Genau - denn außer Alonso und Michael gewinnt keiner.

Alex Wurz: Absolut.

Lag es denn wieder einmal an den Reifen?

Alex Wurz: Ja, es war eine Reifenentscheidung. Renault konnte sich die Strategie zurecht legen. Sie wussten, dass sie die Pace für die erste Runde und die Konstanz für danach hatten. Deshalb war Ferrari schon vor dem Zeittraining in der Defensive. Sie mussten mehr Sprit an Bord nehmen und da ist Alonso zu schnell gewesen. Es ging einfach nicht so auf wie am Nürburgring.

Christian, Du hattest zunächst das Gefühl, dass Bridgestone besser sein würde.

Christian Danner: Ja, am Anfang des Wochenendes war Bridgestone in einem Fenster, in dem sie besser funktioniert haben. Gegen Ende des Wochenendes war dies nicht mehr der Fall. Wenn man in diesem Funktionsfenster liegt, wird es natürlich immer besser. Wenn man aber am Ende des Fensters liegt, fällt man bei einer Veränderung der Bedingungen schnell heraus.

Also lag es an den höheren Temperaturen und den Streckenbedingungen?

Alex Wurz: Christian hat recht. Michelin hatte Graining und das war am Sonntag weg.

Wie ist es möglich, dass zwei Teams so weit vor dem Rest der Welt liegen?

Christian Danner: Gott sei Dank sind es zwei Teams und nicht nur eines! Bisher ist immer nur ein Team vorne weggefahren. Jetzt sind es endlich einmal zwei, die gleichauf liegen. Das ist ein Fortschritt. Der Rest liegt an den Reifen - denn fahrerisch geben sich die beiden Spitzenteams nichts.

Kann die Konkurrenz in diesem Jahr noch einmal an die beiden Spitzenreiter herankommen?

Christian Danner: Sie könnten schon. Die einzige Hoffnung wären die Silbernen, aber da rührt sich überhaupt nichts. Wer soll sonst nach vorne kommen? Ich sehe keinen. Du, Alex?

Alex Wurz: So schnell sehe ich auch niemanden. Ferrari und Renault haben einen wahnsinnigen Vorsprung. Deshalb wird es für die anderen verdammt schwierig aufzuschließen.

Williams konnte heute auch nicht aufholen...

Alex Wurz: Wir waren einfach nicht gut genug. Wir mussten uns auf den harten Reifen konzentrieren, weil der weiche nicht zielführend war. Wir hatten von Freitag bis Sonntag nicht die nötige Pace. Anders war es am Nürburgring, wo wir von hinten noch Punkte holen konnten. Hier war das nicht der Fall.

Was erwartet Ihr jetzt von Monaco?

Alex Wurz: Grundsätzlich werden es die gleichen Protagonisten sein. Aber Monaco hat immer eigene Gesetze. Allerdings wird Renault dort durchweg gut aussehen. Sie haben eine super Traktion und das Handling des Autos sieht auch gut aus. Wie hier wird auch in Monaco der Reifen entscheiden, wer die Nase vorne hat.

Wird das Qualifying in Monaco eine Schlacht?

Alex Wurz: Nein, die Entscheidung für das Rennen.

Christian Danner: Es wird in der ersten Viertelstunde mehr Verkehrsprobleme geben. Das ist klar. Für die Zuschauer kann man nur hoffen, dass es einmal ein paar Gute erwischt.

Alex Wurz: Zudem gibt es immer das Problem mit den gelben und roten Flaggen. Sie werden alle am Anfang einmal raus fahren, aber da sich die Strecke in Monaco brutal verändert, werden vielleicht einige bis zuletzt warten. Es wird auf jeden Fall interessant.

Die Fans würden sich mal wieder ein richtig spannendes Rennen mit Überholmanövern wünschen. Wo wird das frühestens möglich sein?

Alex Wurz: Zu Saisonbeginn schien es zu funktionieren, aber das lag an den Streckencharakteristiken. Nach Monaco kommt Silverstone, da könnte es vielleicht der Fall sein. Aber auch dort ist es mittlerweile schwierig geworden.

Dann kommen Kanada und die USA.

Alex Wurz: In Kanada geht wieder etwas.

Christian Danner: Ja, in Kanada ist es möglich und in Indy auch. Es gibt also noch Hoffnung. [lacht]