Letztes Jahr um diese Zeit hatte Giancarlo Fisichella 10 WM-Punkte auf seinem Konto, während sein Teamkollege Fernando Alonso die Weltmeisterschaft mit 36 Punkten anführte. Dieses Jahr hat Alonso wieder 36 Punkte, Fisichella aber immerhin fünf mehr als 2005 und ist für den weiteren Verlauf des Jahres und seine Zukunft sehr optimistisch. In einem Interview mit unseren Kollegen von Autosport meinte der Römer, es sei für ihn dieses Jahr auf alle Fälle viel besser als in 2005. "Letztes Jahr war es recht schwierig für mich, von Anfang an schnell zu sein," so der 33-jährige. Dieses Jahr fühle er sich aber nicht nur im Team mehr zu Hause, auch das Auto käme ihm mehr entgegen. "Darüber bin ich sehr froh und kann mich noch weiter verbessern."
Die Überlegenheit seines Teams in den ersten Saisonrennen habe ihn aber schon überrascht, sagte Fisico. "Ich wusste, dass Renault zu Beginn der Saison das beste Team war, ich dachte aber schon, dass es enger sein würde. In den ersten paar Rennen waren wir stärker als der gesamte Rest." Die harte Konkurrenz im eigenen Team beunruhigt Fisichella jedoch nicht. "Manchmal bin ich besser als er, manchmal ein bisschen langsamer. Es ist nicht leicht, es kommt auf die Charakteristik der Stecke an, auf die Balance des Autos, aber in den letzten paar Rennen (vor Imola) war ich dran, ich war im Qualifying schneller als er (Alonso)."
Nachdem es schon seit Beginn der Saison feststeht, dass Fernando Alonso Renault Ende der Saison verlassen wird, um bei McLaren eine neue Herausforderung zu suchen, kann man vielleicht auch davon ausgehen, dass Renault dieses Jahr nicht mehr alles auf den Spanier setzt und sich sein Teamkollege deshalb auch mehr zu Hause fühlt? "Im Team ist eine phantastische Atmosphäre, alle sind dieses Jahr glücklich und sie treiben beide Fahrer an, sie wollen mit beiden gewinnen," erklärt der Italiener. "Letztes Jahr war es wegen des Budgets während der Saison etwas schwierig, beiden Fahrern das gleiche zu geben, aber dieses Jahr können wir bis zum letzten Rennen durchfahren, angreifen und mit beiden Autos das beste geben."
Auch Fisichellas Manager Enrico Zanarini bestätig, dass die Situation für seinen Schützling dieses Jahr bei weitem besser sei als letzte Saison. "Es muss nur mal auch für ihn alles laufen, dann ist er dabei," erklärt Zanarini. "Das Gefühl, dass er jeden Grand Prix gewinnen kann, gibt ihm natürlich ein ganz anderes Gefühl." Letztes Jahr sei das nicht wirklich der Fall gewesen, aber 2006 könne Fisichella mit seinem Teamkollegen mithalten. "Fernando ist schnell, aber Giancarlio ist das auch und er weiß, dass das Team ihn jetzt von der Schnelligkeit her auf einer Stufe mit ihm (Alsonso) betrachtet und das ermutigt ihn." Er würde dieses Jahr wirklich die gleichen Chancen haben und wolle jetzt seinen Teamkollegen natürlich auch schlagen. "Das ist sein Ziel, jedes Mal, wenn er ins Auto steigt."
Und wie sieht er seine Zukunft? Wäre die Möglichkeit, dass entweder Juan Pablo Montoya oder auch Michael Schumacher zu Renault wechselt eine Bedrohung für sein Verbleiben bei den Blau-Gelben? "Ich konzentriere mich nur auf jedes Rennen, auf meinen Job," sagt Fisichella. "Manchmal würde ich gerne wissen, wie meine Zukunft aussieht und was ich machen werde und mein Traum ist es immer noch, auch nächstes Jahr die Möglichkeit zu haben, bei Renault zu fahren. Ich denke auch, es ist möglich, denn ich mache eine guten Job und sehe keinen Grund, warum ich nicht bleiben könnte."
Sein Manager Enrico Zanarini geht da sogar noch etwas weiter und meint, die Verbindung sei sehr stabil, und, "das tolle an Flavio (Briatore) ist, dass mit den Fahrern absolut ehrlich ist, also kennen wir seine Einstellung. Das Team muss Alonso ersetzen. Sie müssen jetzt entscheiden, ob sie ihn durch Kovalainen ersetzen oder mit Giancarlo, oder wem auch immer. Es kommt darauf an, wer auf dem Markt verfügbar ist." Einen Wechsel beider Fahrer schließt der Italiener aber aus. "Ich denke, Flavio hat mehr als ein Mal gesagt, dass er nicht 100 Prozent seiner Fahrer austauscht. Es gibt zwar Anzeichen, aber es gibt keinen Grund, irgendetwas zu erwarten, bevor es passiert." Er und sein Schützling wüssten, dass die Leistung zählt und Fisichella deshalb auch alles zeigen müsse, was er bisher gezeigt hat.
Das nächste Rennen am Nürburgring, wo er 1999 beinahe seine ersten Sieg errungen hätte, könnte mitentscheidend werden für des Renault-Piloten. Er weiß, dass er keinesfalls hinter seinem Teamkollegen zurückstehen darf. "Ich freue mich darauf," so der Römer wenige Tage vor dem Rennen. "Wir haben ein gutes Potential, um wieder gewinnen zu können. Der Nürburgring ist ein guter Kurs und ich bin sicher, dass es gut laufen wird. Wir haben einen schönen Vorsprung, aber wir sind erst am Anfang. Das wird noch eine lange und harte Weltmeisterschaft." Eine Weltmeisterschaft, in der Giancarlo Fisichella beabsichtigt, auch ein Wörtchen mitzureden.

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